25 Jahre Christl. Verein junger Männer (ev. Jünglingsverein) der Petersgemeinde zu Leipzig 1890-1915

zugleich ein Stück Geschichte der Petersgemeinde selber ihrem Kirchenvorstand in Dankbarkeit zugeeignet

Seit wir das zwanzigste Vereinsjahr zurückgelegt hatte, haben wir mit allerlei Gedanken und Plänen der Feier des 25jährigen Bestehens entgegengesehen. Freilich sind die zunächst gar andere gewesen, als wie sie nun zur Ausführung nur kommen mögen. Der furchtbare Krieg, in dem wir nun sechzehn Monate stehen, heißt keine frohen Feste feiern. Dazu ist ja auch der Verein selbst genugsam an ihm beteiligt. Fast alle unsere älteren Mitglieder stehen unter den Waffen. Sieben müssen wir schon als auf dem Felde der Ehre Gefallene betrauern. Zwei sind in französischer Gefangenschaft. Manche verwundet. Familien, die seit vielen Jahren immer mit uns gefeiert haben, gehen in Trauer. Da können wir nicht Feste feiern mögen. Andererseits ist eben doch der Tag herangekommen, des es als einen bedeutsamen in der Geschichte des Vereins anzusehen gilt. 25 Jahre, das heißte einen Gedenkstein aufzurichten: Ebenezer; Bis hierher hat der Herr geholfen. Wollen wir so in Dank gegen ihn der bisherigen Geschichte unseres Vereins gedenken.

Seine Gründung und sein Wesen.
Im Unterschied von den meisten Vereinen, die zur Zeit seiner Gründung bestanden, ist unser Verein von vornherein als einer unserer Peterskirchgemeinde ins Leben getreten. Im Kirchenvorstand ist er beschlossen worden, der stets durch zwei seiner Mitglieder im Vereinsvorstand gewesen ist. Alle Geistlichen der Gemeinde sind stets in ihm tätig gewesen, wenn auch einem von ihnen die Leitung im besonderen anvertraut war. Männer aus der Gemeinde haben den Vereinsvorstand mitgebildet. So hatten gar bald auch die festlichen Veranstaltungen des Vereins, seine Familienabende, die Stellung von Gemeindeabenden gewonnen. Und wie viele Jünglinge, junge Männer der Gemeinde, wenn auch nicht nur aus dieser, sind in diesen 25 Jahren des längeren oder kürzeren durch ihn hindurchgegangen.

Der 2. Adventssonntag, der 7. Dezember 1890, ist sein Gründungstag gewesen. Und wie es Rudolf Schäfer in der Schmuckausgabe unseres Gesangbuchs zeichnet, der einziehende Herr Jesus Christus ist es allzeit gewesen, dem den Weg zu bereiten, das Hauptanliegen des Vereins gewesen ist. Daneben ist auch vom ersten Abend an fast an einem jeden, wo es nicht etwas besonderes anderes vornehmen hieß, Belehrendes oder Unterhaltendes in Vortrag oder Erzählung geboten worden. Eine wachsende Bücherei, heute gegen 500 Bände, hie und da Fortbildungskurse mit den gleichen Vereinen der Stadt, dem Leipziger Kreisverband, gemeinsam haben weiter dem Bildungsbedürfnis der Mitglieder zu dienen gesucht, ihrem religiösen gar bald eine besondere Vereinsbibelstunde. Gesang ist auch an jedem Abend erklungen. Pflege vaterländischer Gesinnung hat von Anbeginn ihre Stätte gehabt, weiß doch das erste Vereinsjahr schon von der Teilnahme an einer Königsgeburtstagsfeier mit den anderen Vereinen und am Sedanfestzug zu berichten. Wie aus dem schon berichteten bereits hervorgeht, hat der Verein auch gleich Anschluß an seinesgleichen gesucht, mit dem Leipziger Kreisverband schon dessen 1. Jahresfest am 14. Juni 1891 in Groitzsch gefeiert, und ist dann auch dem Sächsischen ev.-luther. Jünglingsbund beigetreten.

Entwicklung des Vereins.
Bis zum 1. März 1891 war der Verein allsonntäglich in einem besonderen Zimmer der Gastwirtschaft des Carolatheaters auf der Sophienstraße zusammengekommen. An jenem Tage durfte er ein erstes eigenes Heim, das ermietete Erdgeschoß des Hauses Sophienplatz 10, beziehen. Waren bis dahin die Zusammenkünfte noch lose gewesen, wurden nun bald, am 10. Mai 1891, der 22. Versammlung, von achtzehn, die sich selbst gemeldet hatten, neun als erste wirkliche Vereinsmitglieder aufgenommen. Nach Jahresfrist wurden die Mieträume wieder aufgegeben, sie hatten sich nicht als geeignet erwiesen. Man kehrte wieder an den ersten Versammlungsort zurück, freilich in der Hoffnung, daß bald ein Raum dem Verein gegeben werden möchte, in dem er ein wirkliches und bleibendes Heim fände. Man hat gottlob nicht lange zu warten gehabt. Der Verein hat seiner Gemeinde, insbesondere ihrem Kirchenvorstand ganz besonders dankbar zu sein, daß ihm schon in seinem dritten Vereinsjahr ein Heim beschert ward, wie es seiner Entwicklung außerordentlich förderlich sein mußte und gewesen ist. Das ans Hinterland des Pfarrhauses anstoßende Grundstück Emilienstraße 10 war vom Kirchenvorstand erworben worden. Auf seinem Hof wurde ein Gemeindesaal erbaut, etwa 200 Personen fassend, durch eine Rollwand teilbar, der dem Verein bis heute sein schönes Heim gewesen ist.

War der Verein mit der Feier seines 2. Stiftungsfestes am 3. Advent 1892, im Saale des Lehrervereinshauses zum ersten Male an die Öffentlichkeit getreten, so konnte er am Trinitatisfest, den 28. Mai 1893, feierlich sein eigen Heim beziehen. Wie er selbständig geworden war, zeigte, daß er nun auch nicht mehr nur ein geleiteter, sondern auch ein sich selbst mitbestimmender sein wollte. Neben den Männervorstand wurde am Reformationsfest 1893 zum erstenmal ein Jünglingsausschuß von fünf Mitgliedern gewählt, Sekretär, Bibliothekar, Kassierer, Schriftführer, Spielwart, seine Ämter.

Soll ich hier einmal Namen anführen, so seien von Männern, die sich um den Verein neben den Geistlichen der Gemeinde besonders verdient machten, genannt: Eisenbahndirektor Winter und sein Sohn, der damalige Subdiakonus Georg Winter, Landgerichtsrat Dr. Bellmann, Böttcherehrenobermeister Tzschachmann und Schlossermeister Friedrich, beide letztere heute noch zum Vereinsvorstand gehörig. Aus dem Jünglingsausschuß Hugo Gaitzsch, der viele Jahre für den Verein als sein eifriger Sekretär und als sein sorgfältiger Chronist treu gearbeitet hat, die Brüder Donat, Hermann Richter, Wilh. Graul, später Bernh. Straube, Georg Engelmann, Rud. Bauer, Hugo und Alfred Stadler. Der Verein freut sich, heute noch einige von diesen als Glieder seiner Männerabteilung wissen zu dürfen.

Zum 3. Stiftungsfeste hatte man zum ersten Male auch eine besondere kirchliche Feier veranstaltet, die nachmals mit dem jeweiligen Abendgottesdienst am 1. Oder 2. Advent verbunden worden ist.

Am 24. März sah der Verein seinen treuen Freund Pastor Winter nach der Dreikönigskirche in Dresden scheiden und ernannte ihn zu seinem ersten Ehrenmitgliede. Das zweite ist dann bei seinem Scheiden von Leipzig sein Vater geworden, das dritte an seinem 80. Geburtstage Herr Tzschachmann.

Im Verein selbst begann man die über siebzehn Jahre alten von den jüngeren als ältere Abteilung zu scheiden. 1895 nahmen auch zum ersten Male zwei Mitglieder als Abgeordnete am Bundesfest in Dresden teil. Der Mitgliederstand war durchschnittlich vierzig. Schon damals trat es als erfreuliche Eigentümlichkeit des Vereins hervor, daß er nicht so starken Zulauf aber Beharren einer guten Zahl derer, die einmal seine Mitglieder geworden waren, aufwies. Ortsfremde hat er immer nur selten gehabt. Von auswärts zuziehende Bundesmitglieder wandten sich wohl meist dem ältesten hier bestehenden, interparochialen Verein im Vereinshaus der Inneren Mission zu, mit dem übrigens unser Verein viele Jahre besondere Gemeinschaft gepflegt hat.

Das sechste Vereinsjahr brachte das lang ersehnte Vereinsturnen. Es fand zuerst unter Leitung des Herrn Lehrer Mühling, dann des Herrn Turnlehrer Hans Faber in der Turnhalle der 3. Bezirksschule statt. Die für Kinder bestimmten Geräte erwiesen sich aber doch als vielfach unbrauchbar, so nahm man die vom Südvorstädtischen Turnverein gebotene Gastfreundschaft an. Herr Vorturner Hedrich hat da unsere Schar treu geführt. Als es aber möglich wurde, die Turnhalle des Königin-Carola-Gymnasiums zu erhalten und dort ganz für sich sein zu können, siedelte man dorthin über und hat da bis heute schönste Turngelegenheit gefunden, für die wir der Leitung des Gymnasiums und dem Kultusministerium uns zu großem Dank verpflichtet wissen. War dort erst Herr Oberlehrer Böthig der Leiter des Turnens, so vermochte der Verein bald selbst die nötigen Vorturner zu stellen. Unser aus Stuttgart heimgekommener Ernst Schröter trat mit großem Geschick an die Spitze, unterstützt vor allem von den Vorturnern Bruno Thilemann, Rüdiger und anderen, bis der Krieg immer neuen Wechsel brachte. Die Turnabteilung hat seitdem ununterbrochen in Blüte gestanden. Mit ihr vereinigten sich später auch die Turner der Brudervereine der Andreas- und Bethlehemgemeinde.

Der Winter 1896 ließ auch eine Sängerabteilung erstehen unter Leitung des Missionsseminaristen Klotzsche. Der Mitgliederbestand des Vereins hatte die Fünfzig überschritten, meist schon ältere.

Die Weihnachtsfeier des Vereins hatte ein besonderes Gepräge erhalten. Jedes Mitglied erhielt eine kleine Gabe auf Kosten der Vereinskasse, meist von einem Verschen, das ihm etwas besonderes sagte, begleitet. Erst als die Zahl noch größer wurde und damit auch die Kosten, ging man dazu über, daß durch Kauf eines Loses jeder etwas zur Deckung der Ausgaben beitragen mußte. Die vielen hübschen kleinen Geschenke, deren Erlosung man auch den Weihnachtsgästen, die sich immer zahlreicher einstellten, möglich machte, haben stets herzliche Freude hervorgerufen. Übrigbleibende Geschenke, schließlich besonders dafür eingekaufte, verfielen einer sogenannten amerikanischen Auktion, die oft stattliche Summen für einen besonderen guten Zweck einbrachte. Nur das schließliche Zuschlagen des Gewinns war eine gar schwierige Sache, es werden sich viele mit Vergnügen oder auch mit noch nicht erloschener Unzufriedenheit dessen erinnern. Aber wie innig man sich verbunden wußte, trat doch vor allem immer am Weihnachtsabend hervor, auch die besonderen Geschenke zeigten es, mit denen Freunde einander bedachten, auch die Scherzgeschenke mit ihrem mehr oder minder gelungenem erziehlichen Beigeschmack.

Im Winter 1896 trat auch die schon erwähnte besondere Vereinsbibelstunde ins Leben und hat stets eine Zahl, bald größer, bald kleiner, zusammengeführt.

Es mag bei diesem besonders fruchtbringenden Vereinsjahr auch der gemeinsamen Ausflüge gedacht sein, die schon von Anfang an in Übung waren. Im Frühjahr galt einer des öfteren dem Besuch des ländlichen Gustav-Adolph-Festes, im Herbst, möglichst in der Nähe des 6. November, wurde gern nach Lützen an den Schwedenstein gewandert. Schließlich wurde auch ein jährlicher Tagesausflug Brauch. Grimma, Kohren, Hubertusburg, die Hohburger Berge, der Großgörschener Monarchenhügel, der Kammerforst, Merseburg, Halle, Kösen sind vor allem seine Ziele gewesen. Viele freudige Erinnerung ist damit verbunden, wenn auch die weite Wanderung oft nicht wenig Schweiß kostete, und der Zug zur Heimfahrt meist nur im Laufschritt noch erreicht werden konnte.

Sollen wieder einmal Namen angeführt werden, seien es Dunger, Grabow, Ötte, Max, Karl und Willy Lange, Otto, Erwin und Paul Stadler, Billhardt, Ziegs, die Brüder Jehring, Glas, die Brüder Sturm, Hölzchen, Belcke, Balsam, Gräfe, Pettinger, die Brüder Schöbel und Reuter, Aurel Funke, Karl Haase, Max Heller, Wittig, Henkel, Adolf Wüst, Täschner, Ebermann, Arno Weber, Paul Stichel, Boldt, Franke, Rüdiger, Ritter, mancher unter ihnen uns noch verbunden.

Im Herbst 1898 wurden die ersten fünf Instrumente angeschafft, einen Posaunenchor ins Leben zu rufen. Das rechte Leben ward ihm aber erst, als Bruder Georg Erb vom Rauhen Hause von unserem Kirchenvorstand berufen, vor allem auch zur Arbeit für unseren Verein, Ende 1901. Wie er Alfred Stadler, der längere Jahre mit Eifer es verwaltet hatte, im Sekretäramt des Vereins ablöste, so übernahm er auch die Leitung des Posaunenchores. Wir können seitdem von dauernder Blüte desselben reden. Die Zahl der Instrument und Bläser wuchs. Wie der Posaunenchor dem Verein dienste bei seinen Festen, Ausflügen und Gelegenheiten, so auch gar bald der ganzen Kirchgemeinde. Mit Turmblasen an den kirchlichen Festtagen ging es los, schließlich durfte er auch die Choralbegleitung an ihnen in den Gottesdiensten selber übernehmen. Wie wären unsere schönen Morgenandachten im Scheibenholze denkbar ohne ihn? So hat er sich auch immer vollzählig eingestellt und mitgewirkt an des Landesposaunenfesten und oft gedient auch bei anderen Gelegenheiten außerhalb Verein und Gemeinde, wie bei den Bittgottesdiensten am Völkerschlachtdenkmal.

Als der Verein sein 10. Stiftungsfest feierte an der Jahrhundertwende, brachte er eine Festaufführung, die dieser galt, zur Darstellung, sonst hat er sich gern den Anlaß, daß sein Stiftungsfest in die Adventszeit fällt, dazu dienen lassen, ein Christspiel vorzuführen, und zwar die Christnacht von M. Hennig. Überhaupt sind es meist die kirchlichen und vaterländischen Gedenktage gewesen, die für seine Feiern den Ton angaben.

1902 hatte seine Mitgliederzahl die Hundert überschritten, und um hundert herum ist es dann geblieben, einmal etwas darunter, einmal etwas darüber, in den letzten Jahren schließlich immer darüber. Gerade die Hälfte war 1902 über, die Hälfte unter 17 Jahre als, dann haben fast immer die älteren überwogen. Sie der Stamm, während unter den Jüngeren mehr Kommen und Gehen herrscht. 1908 unternahm man, die ehemaligen Mitglieder zu sammeln, und nicht ohne Erfolg. Guter Wille offenbarte sich reichlich, aber wie zerstreut wohnten die Freunde über das Stadtgebiet, wie schwer war es auf einen Abend eine größere Zahl von ihnen zu vereinen. Im Juni 1910 schlossen sich schließlich eine Zahl von ihnen mit den ältesten, über zwanzig Jahre alten Vereinsmitgliedern zu einer Männerabteilung zusammen. Es seien wieder einige Namen aus der Vereinsmitgliedschaft genannt: Griehl, Fricke, Knabe, Ölschig, Taupadel, Schulze, Heidrich, Meier, Scheithauer, Nitzsche, Fleischer, alle diese Namen decken zwei oder noch mehr Brüder, dazu Tüppner, Fichtner, Andrä, Eckardt, Schewitzer.

Am 28. Januar 1909 konnte der Verein eine Fahne weihen. Zu fleißiger Steuer besonders der älteren Vereinsmitglieder hatten die Herren des Vereins- und Kirchenvorstands insbesondere freundliche Spenden gefügt, daß eine wirklich prächtige Fahne mit dem sächsischen Landeswappen, dem Ritter Georg, der den Lindwurm tötet, auf der einen Seite, geweiht werden konnte.

Nachdem wir an Luthers Geburtstag 1910 unser 20. Jahresfest begangen hatten, brachte das 21. Vereinsjahr dem Verein das bedeutsame Neue, daß ein eigener Berufsarbeiter in Herrn Sekretär Kahle für ihn angestellt wurde. Das erste halbe Jahr mußte er seine Kraft teilen zwischen Verein und Soldatenheim, dann zog er in die Gemeinde und gehörte dem Verein allein an. Die Vereinsarbeit wurde nunmehr einem christlichen Verein junger Männer entsprechend gestaltet und gegliedert. Es erwies sich aber schwieriger als gedacht, alte lang gewohnte Weise zu verlassen und in neue Wege überzugehen.  Auch nachdem man den bisherigen Namen „Ev. Jünglingsverein“ dem Neuen entsprechend in „Christl. Verein Junger Männer“ umgeändert hatte, blieb doch die gewohnte Art noch die vorherrschende. Allerdings war die Namensänderung gut begründet, daß schon lange die tätigsten, bewährtesten Vereinsmitglieder nicht mehr Jünglinge, sondern Männer waren, andererseits aber scheiterte die Betätigung als ein christlicher Verein junger Männer, der vor allem Missionsarbeit an anderen jungen Männern ausüben will, daran, daß unsere Mitglieder durchgängig Söhne unserer Gemeinde sind, die sich deshalb nicht so nur der Vereinsarbeit widmen konnten, weil sie eben auch mit Recht für ihre Familien dazusein haben. Es muß bekannt werden, daß trotz sorgsam ausgearbeiteter neuer Satzungen, die den neuen Charakter für den Verein in Geltung bringen wollen, doch es noch ein Übungszustand ist, in dem er sich in diesem Stück befindet. Der Krieg, der uns fast alles unsere tätigen älteren Mitglieder entführt hat, hat auch hier die weitere Entwicklung stillstehen lassen, wir müssen sehen, daß wir nur sonst die rechte Bahn innehalten, und denken, daß es mit Gottes Hilfe geschehen ist und weiter geschehen wird.

Durch Sekretär Kahle wurde eine Knabenabteilung des Vereins gegründet und mit besonderer Liebe gepflegt. Die beiden Ferienkolonien, die er geleitet hat, 1912 nach Strömthal, wo Herr Pastor Meusel freundlichst Unterkommen gewährte, 1913 nach Rochlitz, wo Herr Stadtrat Schlobach einen großen Saal im Nebengebäude seiner Mühle liebenswürdigst zur Verfügung stellte, stehen in aller Teilnehmer freudigster Erinnerung.

In jener Zeit fand auch das Pfadfinden in unserm Verein Eingang, daß aus ihn allzeit eine ganze Anzahl dem Pfadfinderkorps Wettin eifrig Mannen gestellt. Wir gedenken da mit Wehmut unseres gefallenen Freundes Rudolf Wedrich, aber auch der rührigen Otto Paust und Max Baumann, Otto Brand, und daß wir dem Korps eine Zeit seinen Hauptfeldmeister stellen durften, den derzeitigen Leutnant Hans Eckardt.

Im Sommer 1913 erwarben wir uns auch einen Vereinsgarten am Dösener Weg im Gelände des Schrebervereins Leipzig-Süd-Ost. Hatten wir erst geglaubt, ihn als großen freien Platz nur mit einer bepflanzten Rabatte umgeben, am besten ausnutzen zu können, hat uns die Erfahrung ein anderes gelehrt. Es sind deshalb jetzt zwölf Balsampappeln in ihm gepflanzt worden, die bald den erwünschten, notwendigen Schatten geben sollen. Für diese Bäume wie für die Sträucher sind wir Herrn Zerling, Besitzer der Baumschule Niederholz, zu Dank verpflichtet, für das viele, was sonst nötig war, fanden wir in den bewährten Gönnern unseres Vereins treue Helfer.

Der Garten kam gerade recht, uns Zuflucht während des Umbaus unseres Gemeindesaals zu gewähren, der uns das ganze Erdgeschoß zu uneingeschränkter Benutzung brachte, während der Jungfrauenverein in das aufgesetzte Obergeschoß ziehen konnte. Der nun mit Zentralheizung und elektrischem Licht versehene Saal bietet unserm Verein ein gar annehmliches Heim, der uns unserem väterlichen Gönner von Anfang an, unserm Kirchenvorstand, zu neuem herzlichen Dank verpflichtet. Eine besonders erwünschte Ausstattung erhielt er noch durch ein schönes, neues Pianino, das dem Verein von Paul Straßberger und den Inhabern der Pianofortefabrik F. Stichel geschenkt wurde.

Als wir den Saal am 12. Oktober 1913 einweihten, konnte zugleich unser neuer Berufsarbeiter und Vereinssekretär, Bruder Paul vom Rauhen Hause bei Hamburg, aber doch ein lieber sächsischer Landsmann auch, ein Döbelner Kind, in sein Amt eingewiesen werden. Er hat uns leider noch nicht lange dienen können. Als er eben mit der Ferienkolonie, die wieder im schönen Rochlitz hatte sein können, heimkehrte, mußte er sofort zu den Fahnen, der Krieg war ausgebrochen. In einer Proviantkolonne, mutige Rosse statt muntere Jünglinge leitend, tut er seinen Dienst, mit dem er aber allzeit auch den für das Reich Gottes an den Kameraden zu verbinden gewußt hat. Und mit ihm sind nun die vielen, immer neue, aus dem Verein dem Ruf des Vaterlandes folgend, fortgezogen, haben auch schon sieben den Heldentod erlitten. Es sind die einstigen Freunde Curt Griehl, Otto Haase, Artur Scheithauer, die Brüder Siegfried und Oskar Heidrich, Alexander Strothenke, Rudolf Wedrich. Zu gleicher Zeit erlag in der Heimat einem längeren Leiden unser Artur Ritter. „Und führ zum seligsten Verein, uns einst in deinen Himmel ein“, das soll durch Gottes Gnade ihr Ausgang geworden, das unser „Auf Wiedersehen“ für sie sein.

Den andern schauen wir entgegen, daß wir sie durch Gottes gnädige Behütung hier wieder unter uns begrüßen können zu treuer Vereinsgemeinschaft, zu eifriger Weiterarbeit für Gottes Reich in unserer lieben Petersgemeinde in unserm teuren deutschen Vaterland. Wir gedenken noch der Gemeindegeistlichen, die unserm Verein ihre treue Arbeit gewidmet haben, unsres lieben Gemeindepfarrers, Geh. Kirchenrat D. Hartung, des so früh von Gott von uns gerufenen Pastor Thieme, der aus der Arbeit an unserer Gemeinde geschiedenen Pastoren Sell und Scherffig, der nun in die Arbeit getretenen Pastoren Lic. Rietschel und Dehne. Daß ihm Gott die ganzen 25 Jahre Kraft zur Arbeit und viel Segen beschert hat, dankt der Berichterstatter.

Pastor Eckardt,Vereinsvorsitzender.

25 Jahre
Christl. Verein junger Männer
(ev. Jünglingsverein)
der Petersgemeinde zu Leipzig
1890-1915
zugleich ein Stück Geschichte
der Petersgemeinde selber
ihrem Kirchenvorstand in Dankbarkeit zugeeignet

Paul Johannes Eckardt

1915