Peterskirche.

Fig. 104

Die Capella beati Petri stand 1213 mit der Nikolaikirche in Verbindung, 1315 wird sie „ecclesia“ genannt, 1434 in ihr ein Altar gestiftet, 1507 fand ein Neubau statt, welcher am 29. März zur Weihung durch Weihbischof Heinrich von Honberg führte. Nach Reinführung der Reformation besass die Kirche 1539 noch Kleinodien im Silberwerth von 12 Mark 3. Loth. Später kam sie in Besitz der Stadt und wurde als Kalkscheune, später als Kaserne benutzt.

Ueber den Bau von 1507 fehlen archivalische nachrichten vollständig. Es handelte sich um einen einschiffigen Bau von fünf Jochen, mit aus dem Achteck geschlossenem Chor. Ein Triumphbogen theilte ihn in zwei Abschnitte. 

Fig. 105

Ein den Bau darstellendes Modell im Museum des Vereins für die Geschichte Leipzigs vergegenwärtigt die ältere Anlage und zeigt das spätgothische Maasswerk seiner Fenster (Fig. 104).

Dieses Modell lieferte der Zimmermeister Johann Christian Schmidt (laut Stadtbaurechnungen 1672-1720) im Jahre 1710. Jedoch erfolgte die Ausführung (Fig. 105 und 106) nicht ganz nach diesem Modell. Es wurden in den gothischen Bau zwei Stockwerke sehr stattlicher Holzemporen eingefügt, die untere mit toscanischen, die obere mit jonischen Säulen. 

Um die Zahl der Säulen zu verringern, wurden die langen Träger durch vom Gewölbe herabhängende eiserne Zugstangen getragen. Diese scheinen erst 1720 durch die Maurermeister Adam Jacob eingefügt zu sein.

An den Chor wurden Stuben und die Sakristei angebaut. Die Maiererarbeiten fertigte Johann Gregor Fuchs, die Steinmetzarbeiten Johann Caspar Beck, die Fenster der Tischler Johann Daniel Schwan, die Stuhlung Johann Christian Senkeisen, die Schlosserarbeiten Christoph Frohberger und der 1712 verstorbene Christoph Böttcher.

Fig. 106

Altar, Kanzel und Kapitäle, sowie das Rathswappen fertigte der Bildhauer Caspar Friedrich Läbelt; Johann Wagner zeichnete die Buchstaben am Altar, Elias Sommer lieferte die Malerarbeiten. 

Der Bau kostete 13,006 fl. 20 gr. 9. pf. (Rathsarchiv, Baurechnungen 1672-1720). Die kräftig einfache Architektur der in ihr sich geltend machende protestantische Sinn erhoben die Kirche zu einem immerhin bedeutungsvollen Denkmal der Zeit.

Die Kanzel und die Altaranlage (Fig. 107) scheint eine spätere Aenderung erfahren zu haben. Die jonische, den sehr bescheidenen Sängerchor tragende Ordnung hat etwas der Zeit um 1710 nicht gemässes Akademisches.

Die Kirche wurde 1885 abgebrochen. Die Originalpläne, nach welchen Fig. 105 und 106 gefertigt sind, befinden sich im Kirchenarchiv.
Einige kleine schmiedeeiserne Fenstergitter im Kunstgewerbemuseum.

Vergl. Bruno Hartung, Die alte und die neue Peterskirche. Mit Abbild. Leipzig 1885.

Fig. 107

Nachtrag zur Peterskirche:

Anfang der 50er Jahre fand Herr Buchhändler H. Hassel in der im städtischen Marstalle befindlichen Wohnung des damals verstorbenen Professors der Botanik G. Kunze im bodenartigen Oberraum zwei Holzstatuetten, die sich jetzt im Besitze dieses Herrn befinden. Die Vermuthung, dass sie aus der gegenüberliegenden Peterskirche stammen mögen, ist nicht ohne Berechtigung, da der Marstall lange Zeit als städtische Niederlage diente,

Statuette in Holz, 40 cm hoch, bemalt, Bischof mit einem Buch in der Linken, die Rechte fehlt. Bruststück.

Statuette in Holz, 53 cm hoch, bemalt, die heil. Barbara (?) mit dem Kelch, mit grossem Kopfputz und reicher Gewandung; beides prächtige Arbeiten von hervorragender Durchbildung aus dem Anfang des 16. Jahrh.

Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Auf Kosten der K. Staatsregierung herausgegeben vom K. Sächsischem Alterthumsverein.  

Siebzehntes und achtzehnetes Heft: Stadt Leipzig 
bearbeitet von Cornelius Gurlitt.  

1895/1896 
Dresden 
In Commission bei C. C. Meinhold & Söhne.