II. Die neue Peterskirche

Der erste förmliche Antrag auf Neubau der Peterskirche wurde noch im Thomaskirchenvorstand von dem Bürgermeister Dr. Stephani und Stadtrat Dr. Günther gestellt. Infolge dessen wurde eine Deputation ernannt, bestehend aus dem Bürgermeister Dr. Stephani, dem Stadtältesten Raymund Härtel, dem Eisengießereibesitzer Götz, zu welchem alsbald durch Kooptation der Oberkatechet D. Fricke hinzutrat. Allein so lange die Frage der neuen Parochialeinteilung das Interesse beherrschte, musste die des Neubaues zurücktreten. – Doch wurde noch 1875 vom Rat und den Stadtverordneten aus Anlaß der Neuerbauung der höheren Töchterschule auf dem Schletterplatz nach geschehener Anfrage ausdrücklich dieser Platz zum Kirchenneubau versprochen, unter der Bedingung, daß von Ende 1885 ab der Platz der alten Peterskirche zur Verfügung gestellt würde. Die damit aufgeworfene Frage, ob, wie der Rat beanspruchte, das Areal der alten Peterskirche der Stadt- oder Kirchengemeinde gehöre, wurde später durch einen Vergleich zwischen Rat und Kirchenvorstand der Peterskirche dahin entschieden, daß der Platz der alten Kirche der Stadt gehören solle, dafür sollte aber der Bauplatz der neuen Peterskirche, so lange er für eine Kirche benutzt werde, der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt und aus dem Erlös des erstgenannten Platzes eine noch zu vereinbarende Summe zum Neubau beigetragen werden. 

Der Neubau der Peterskirche war nun die vornehmste Aufgabe des neuen Kirchenvorstandes zu St. Petri und wurde von demselben unverweilt ins Auge gefaßt. Am 4. August 1877 wurde nach dem vom Architektenverein ausgearbeiteten Bauprogramm derselbe ausgeschrieben, nachdem vorher die Finanzausschüsse der vereinigten Kirchenvorstände und nachher diese selbst ihre prinzipielle Genehmigung zu der festgesetzten Bausumme gegeben hatten.

Programm für den generellen Entwurf zu einer protestantischen Kirche in Leipzig.

Das Kirchengebäude soll in einer, dem protestantischen Kultus am meisten entsprechenden zentralen Form gebaut werden.

Es ist wünschenswert, daß das gewählte Baumaterial im Äußeren zum Ausdruck gebracht werde. (Das in Leipzig verfügbare Material besteht in Granit, Sandstein, Bruchstein, gewöhnlichen Ziegelsteinen und Greppiner Verblendsteinen.)

Die Kirche ist mit der Apsis nach Osten zu richten, so daß letztere dem Gebäude der höheren Töchterschule vis à vis zu liegen kommt.

Von den beiden die Längenseite des Platzes begrenzenden Straßen dürfte die Albertstraße Hauptverkehrstraße werden.

An Raum wird verlangt: zu ebener Erde und auf den Emporen 1300 Sitzplätze à 0,5 qm excl. Gänge, auf dem Altarplatz 100 Sitzplätze, auf dem Orgelchor hinreichender Platz für Musiker und Sänger behufs kirchlicher Aufführungen.

Außerdem sind noch erforderlich: eine Sakristei, in welcher zugleich die Sitzungen des Kirchenvorstandes abgehalten werden sollen (70 – 80 qm groß), 3 Beichtstuben (jeder dieser letzteren Räume 50 – 60 qm groß), zwei zusammenhängende Expeditionslokale für den Küster und die Kirchendiener (das eine ca. 18 qm, das andere ca. 15 qm groß); einige Klosets für die Gemeinde und die Geistlichen.

Die Kirche soll Gasbeleuchtung und eine Zentralheizung erhalten, und ist deshalb auf einen geschickte Schornsteinanordnung Bedacht zu nehmen.

Es ist für die Unterbringung einer Uhr und von vier Glocken, von denen die schwerste 64 Zentner, die zweite 32 Zentner, die dritte 19 Zentner, die vierte 8 Zentner wiegen soll, Sorge zu tragen. Die Glocken sind zum Läuten einzurichten.

Die Bausumme, einschließlich der Kosten für die Gründung bis zu drei Meter Tiefe unter Straßenniveau, sowie für die innere Einrichtung, für die Gasbeleuchtung und Heizung und für die Glocken, ist auf höchstens 900000 Mk. festgestellt. Überschreitung der Bausumme schließt von der Konkurrenz aus. Der Veranschlagung sind die im deutschen Baukalender unter Rubrik Leipzig angeführten Einzelpreise zu Grunde zu legen.

Leipzig, im Juli 1877
Der Kirchenvorstand zu St. Petri.
D. Fricke

Als Preisrichter waren Oberbaurat Professor Dr. Semper in Wien, Baurat Professor Dr. Adler in Berlin, Oberbaurat Dombaumeister Schmidt in Wien bezeichnet. An die Stellen der beiden erstgenannten Herren, welche angenommen hatten, aber dann verhindert wurden, traten später Baurat Prof. Nikolai in Dresden und Oberbaurat Prof. Hansen in Wien. 

An dem bezeichneten Termin, 4. Februar 1878, waren 80 Entwürfe eingeliefert worden. Am 7. bis zum 10. April trat das Preisgericht zusammen, um die in der Aula der Universität aufgestellten Entwürfe zu prüfen. Den ersten Preis (3000 Mk.) erhielt der Entwurf 42 mit dem Motto:„Soli deo gloria“, Verfasser: Giese und Weidner in Dresden; die beiden anderen Preise (zusammen 3000 Mk.) Entwurf 10 mit dem Motto:„Geh und besteh“; und Entwurf 54 mit dem Motto:„Stritet hute froliche um die Kunst inme tiutschen riche“; Verfasser August Hartel, damals in Crefeld, und Grisebach, damals in Wiesbaden. Außerdem  wurden zehn Entwürfe von dem Preisgericht lobend erwähnt. Es folgte eine Ausstellung vom 12. bis 25. April, welche – es war gerade in der Osterzeit – von auswärts wie von Hiesigen sehr zahlreich besucht wurde.

Es waren von mehreren Seiten Bedenken geäußert worden, ob das mit dem ersten Preis gekrönte Objekt für den Preis von 900000 Mk. werde ausgeführt werden können; eine deswegen im Auftrag des Kirchenvorstandes durch den Amtsbaumeister Klemm vorgenommene Durchrechnung ergab als Mindestbetrag einer einfachen Durchführung 1234982 Mk. Aber auch das zweitprämiierte von Hartel konnte, wie es war, nicht gewählt werden, besonders weil der Altarplatz zu klein und weil die Hälfte der Beichthäuser in dem ersten Stock untergebracht war. Auch war mehrfach darauf aufmerksam gemacht worden, daß nach der Lage des Baus ein Turm an der Westfaçade nur von den gegenüber liegenden Häusern, nicht aber von der Albertstraße in ihrer Verlängerung und weiterhin in seinem ganzen Aufbau gesehn werden könne. Diese Bedenken waren, wie zuerst der Redakteur der „Deutschen Bauzeitung“, Baumeister Fritsch, bemerkte, in dem ebenfalls belobten Projekt Nr. 55 vermieden, als dessen Verfasser sich später Baurat Lipsius herausstellte. Beide Projekte wurden daher von Hartel und Lipsius, welche weiterhin zu einer Firma zusammentraten, im Auftrag des Kirchenvorstandes zusammengearbeitet und am 18. Dezember 1878 an die Kircheninspektion eingereicht.

In der eingehendsten Weise prüfte der Rat das so Gewonnene nicht nur selbst, sondern ersuchte auch, nachdem er unter dem 12. Juli Erklärungen über das Verhältnis der Perspektive zu den geometrischen Zeichnungen und eine Ansicht des Chores resp. der rechten Seitenfassade erbeten und am 25. September erlangt hatte, den Professor Hase in Hannover, sowie Oberbaurat Ferstel in Wien, den Erbauer der Votivkirche, wie den Dombaumeister Schmidt daselbst, um eine Prüfung ihrerseits. Nach deren höchst wertvollen Gutachten, von denen das Hasesche die meisten Bedenken geltend machte, und welche am 25. März 1880 bei dem Kirchenvorstand eingingen, wurden die Pläne von neuem durchgearbeitet. Insbesondere hat der letztgenannte, Dombaumeister Schmidt in Wien, jederzeit, wie damals, das lebhafteste Interesse an dem Bau gehabt und durch mehrfache Korrespondenz mit dem Kirchenvorstand und den Architekten bethätigt. Auf seinen Rat wurde von dem Zentralbau endgiltig abgegangen, auch von Kreuzschiffen abgesehen und die für die Gothik gewöhnliche Form des Langhauses angenommen, zugleich aber nach mannigfachen und schwierigen Versuchen erreicht, daß das so entstehende gewaltige Mittelschiff in der Gestaltung des Daches einheitlich zum Ausdruck gelangte. Die Spannung, welche dazu erforderlich wurde, ist die größte bisher in Deutschland in Anwendung gebrachte. Auch von Oberbaurat Ferstel in Wien und Professor Raschdorff in Berlin wurde während ihrer Anwesenheit in Leipzig wegen des Konzerthausbaues die volle Befriedigung über das Projekt mündlich und schriftlich ausgesprochen.

Endlich, unter dem 8. Januar 1881, konnte der so entstandene Plan der neuen Peterskirche an den Rat eingereicht werden. Bereits unter dem 29. Januar ging die Genehmigung der Kircheninspektion ein, welche nur noch die Vorlage einiger Zeichnungen, den Nachweis der programmmäßigen Zahl der Sitzplätze, sowie den durch Spezialanschläge zu liefernden Nachweis, daß die Summe von 900000 Mk. nicht werde überschritten werden, außerdem Vereinbarung über die zu beschaffenden Mittel verlangt.

Gegen die veranschlagte Höhe der Bausumme ist weder von den vereinigten Kirchenvorständen noch von Rat oder Stadtverordneten je ein Bedenken erhoben worden. Auch in betreff der Aufbringung war man einig, daß das bedeutende Vermögen der Kirche, aus welchem das Pfarrhaus erbaut worden war, und dessen Ertrag zur Bestreitung der kirchlichen Bedürfnisse mehr als hinreichend gewesen war, nicht angerührt werden dürfe. Nur formelle Fragen haben den Gang der Sache einige Male verzögert. Je 40000 Mk. hatte man in den Jahren 1880 und 81 in das Budget eingesetzt und für die vier Baujahre bis 1885 in Aussicht genommen. 60000 Mk. hoffte man als bei dem Arealaustausch in Aussicht genommenen Beitrag der politischen Gemeinde zu erlangen. 600000 Mk. wollte man durch Anleihe aus der Kommunalbank entnehmen. Letztere Summe wurde auf Wunsch der Stadtverordneten durch Hinzufügung der Zinsen während der Baujahre zum Anleihekapital auf 670000 Mk. erhöht. Dieser am 18. Juli 1881 eingereichte Finanzplan wurde am 27. September durch den Rat, vorbehaltlich der Übereinstimmung mit den Stadtverordneten, am 1. Februar 1882, nachdem auch die Stadtverordneten ihre oben erwähnten Bedenken am 13. Januar 1882 für erledigt erklärt hatten, definitiv genehmigt. Am 18. März wurde der Vertrag mit der Kommunalbank unter Mitunterzeichnung des Rats und der Stadtverordneten vollzogen.

Die noch geforderten Nachweise wie speziellen Kostenanschläge waren vom Kirchenvorstand am 18. August 1881 eingereicht und darnach war die Genehmigung der Kircheninspektion endgültig am 27. September erteilt. Die Genehmigung der Baupläne, wie des Finanzplanes durch das Landeskonsistorium erfolgte am 25. November. Die Zustimmung zu dem Arealaustausch zwischen der Kirchengemeinde und der Stadt, welche damals noch vorbehalten war, kam später hinzu.

Der Kontrakt zwischen dem Kirchenvorstand und den Architekten Hartel und Lipsius, in welchem dieselben Gewähr zu leisten erklären, daß der geplante Bauaufwand die Summe von 900000 Mark nicht übersteige und sich verpflichten, dafür Sorge zu tragen, daß der Bau bis spätestens Ende 1885 zur kirchlichen Verwendung vollständig fertig gestellt sei, wurde am 17. Januar 1882 von beiden Seiten unterzeichnet.

Die Oberleitung des Baus unterstand somit der Firma Hartel und Lipsius. Der Architekt August Hartel, welcher aus Veranlassung des Kirchenbaues von Krefeld nach Leipzig übersiedelte, geb. am 26. Febr. 1844 zu Köln a. R., ist ein Schüler des Prof. Raschdorff, jetzt in Berlin, damals in Köln, sowie des Architekten Franz Schmitz in Köln. Seine bedeutendsten kirchlichen Bauwerke sind: Die evangelische Kirche zu Krefeld, Bochum, Überruhr, Neuwied, Altendorf, sämtlich in Rheinland und Westfalen, später die zu Gera und Lindenau. Baurat Professor Konstantin Lipsius, ein geborener Leipziger, Schüler des Prof. Nikolai in Dresden, zu dessen Nachfolger er während der Bauzeit berufen wurde, hat sich in seiner Vaterstadt besonders durch den Bau des Johannishospitals bekannt gemacht. Kirchliche Bauten von ihm sind: Die Stadtkirche zu Ölsnitz (teilweiser Neubau), Kirche zu Wachau, Stadtkirche zu Borna (Renovationsbau). Neuerdings hat er den Bauplan der Johanniskirche in Gera in Gemeinschaft mit Hartel entworfen und den Renovationsbau der hiesigen Thomaskirche begonnen. Als Bauführer wurde der Architekt Theodor Quentin, geb. 1851 zu Preuß. Stargardt, Schüler des Prof. Hase in Hannover, später unter Dombaumeister Denzinger von 1875 – 81 am Dombau und der Dreikönigskirche in Frankfurt a. M. thätig, von den bauleitenden Architekten vorgeschlagen und vom Kirchenvorstand angestellt. Auch der Bildhauer Peter Horst, geb. 1853 zu Aachen, schon seit 1874 unter Hartels Leitung thätig, ist während der ganzen Bauzeit am Bau beschäftigt gewesen.

Zimmerarbeiten der Dächer der Firma Bauer und Roßbach (Inhaber Architekt Arwed Roßbach, die Steinmetzarbeiten der Firma Helm & Friese in Dresden, die Schmiedearbeiten dem Schmiedemeister Thieme hier übertragen. Maurerpolier und Zimmerpolier war während des ganzen Baues Wilhelm Döring und Friedrich Graß, beide aus Dölitz, Werkmeister der Steinmetzen Georg Spitzbarth aus Dresden, Platzpolier Theodor Wiedemann aus Cölln a. G. 

Die Vorarbeiten zur Fundation wurden am 13. März 1882 begonnen, am Osterdienstag, den 11. April d. J., wurde der erste Stein im Turmfundamente vermauert. Die Erdarbeiten wurden durch den nassen Sommer aufgehalten. Infolge dessen und um bei dieser Feier die Umrisse des Gebäudes schon hervortreten zu lassen, fand die Legung des Grundsteines erst am 17. September 1882 statt. Nachdem sich ein festlicher Zug Nachmittags 3 Uhr – es war an einem Sonntag, zwei Tage nach dem 50jährigen Jubiläum des Gustav-Adolph-Vereins – von dem Hofe der Realschule erster Ordnung nach dem Kirchenbauplatz bewegt hatte, hält Pfarrer Prof. D. Fricke die Weiherede über Psalm 118,24 ff. Sodann wurde unter dem Geläut sämtlicher Glocken der Stadt die Messingkapsel mit der vom Zeichner Augustin künstlerisch ausgestatteten Urkunde in den Sockel des südlichen Choranschlußpfeilers, unter die künftige Kanzel gelegt. Die Urkunde lautet:

Im Namen Gottes
des Vaters
und des Sohnes
und des heiligen Geistes.

Heute Sonntag den 17. September im Jahre des Heiles Eintausend achthundert und zwei und achtzig nachmittags 3 Uhr, im zwölften Regierungsjahre Sr. Majestät des deutschen Kaisers Wilhelm I., im neunten Regierungsjahre Sr. Majestät unsers allergnädigsten Königs Albert von Sachsen, wurde der Grundstein gelegt zu der neuen evangelisch-lutherischen Peterskirche Leipzigs auf dem Schletterplatze.

Nach dem einstimmigen Beschlusse des Kirchenvorstandes zu St. Petri, wurde der Bauentwurf der Architekten Hartel & Lipsius in Leipzig, Dresden zur Ausführung, bestimmt und vom Patron, Kircheninspektion und Landeskonsistorium genehmigt.

Unter der Oberleitung der genannten Architekten und der Leitung des Bauführers Quentin waren die ausführenden Baugewerkmeister für die Maurerarbeiten Bauer & Roßbach in Leipzig, für die Steinmetzarbeiten Helm & Friese in Dresden, für die Schlosserarbeiten Schmiedemeister Thieme.

Der erste Spatenstich geschah Montag den 13. März d. J. Die Vollendung des Baues ist für das Ende des Jahres 1885 in Aussicht genommen. Die Baukosten werden sich auf 900000 Mark belaufen. Sie werden durch einen 39½jährige Amortisationsanleihe bei der hiesigen Kommunalbank von der hiesigen evangelisch-lutherischen Gesamtgemeinde und durch einen Beitrag der Stadt im Betrage von 60000 Mark aufgebracht. Auch hat der am 15. Juni 1881 verstorbene Pastor emer. Huth hierselbst den Baufonds der Peterskirche mit einem Vermächtnisse von 1000 Mark bedacht, welches zur Ausschmückung der Kirche verwendet werden soll.

Der Kirchenbauplatz ist aus dem Besitze der Stadt in den Besitz der Petrikirchengemeinde übergegangen für so lange, als eine Kirche auf dem Platze steht, dagegen ist die alte Peterskirche an der Petersstraße, deren Grundstein Mittwoch nach Ostern 1507 gelegt wurde, nebst dem Platze, auf welchem sie steht, nach Vollendung der neuen Peterskirche der Stadt zur völlig freien Verfügung überwiesen worden.

Die Peterkirchengemeinde ist selbständige Parochie seit dem 16. April 1876 und hat nach der letzten Zählung 1880 38757 Seelen. Ihre ersten Geistlichen sind Pfarrer Prof. ordin. D. theol. et phil. Gustav Adolf Fricke, Archidiakonus Dr. Ernst Bruno Hartung, 1. Diakonus Dr. Emil Krömer, 2. Diakonus Thilo Schuch.

Die gegenwärtigen Kirchenvorstandsmitglieder sind die Mitunterzeichnenten. Superintendent war Geh. Kirchenrat Prof. Dr. Lechler, Oberbürgermeister der Stadt Dr. Georgi, Bürgermeister Justizrat Dr. Tröndlin, Vorsteher der Stadtverordneten Dr. Schill.

In den Grundstein wurden eingelegt: das Gesangbuch für die Stadtkirchen zu Leipzig, ein Plan der Stadt Leipzig, der Bauplan der Kirche, sämtliche gangbaren Münzen vom Jahre 1882, Exemplare von sämtlichen hiesigen Tageblättern.

Gott der Herr, der unser geliebtes Vaterland zur Einigkeit und Stärke eines einigen Deutschen Reiches erhoben, der walte über unserer Gemeinde und über unserer ganzen Stadt auch ferner gnädig. Er lasse das im Vertrauen auf Seine Hilfe und Seinen Schutz begonnene Werk zu seiner Ehre vollenden und für nachkommende Geschlechter im Segen stehn und reden im Namen und in der Kraft Jesu Christi unseres alleinigen Erlösers gestern und heute und derselbige auch in Ewigkeit Amen. 

Leipzig den 17. September 1882.

Das Landes-Konsistorium. 
Oberconsistorialrat D. Jentsch. 

Die Kircheninspektion.
D. Lechler, Superintendent zu St. Thomä.
Der Rat der Stadt Leipzig, Dr. Georgi, Oberbürgermeister.

Der Kirchenvorstand zu St. Petri.
Prof. Pf. D. G. Fricke, Vorsitzender; Karl Theodor Hoffmann, Oberstaatsanwalt; Joh. Gustav Bär, Buchdruckereibesitzer; O. Brückwald, Hofbaumeister; Franz Heinrich Francke, Kreissekretär; Dr. Ernst Bruno Hartung, Archidiakonus; Dr. Ferd. Kühr, Schuldirektor; Dr. C. F. Kahnt, Musikalienhändler; Friedr. Rich. Knoth, Amtsrichter; Dr. Messerschmidt, Stadtrat; Dr. W. Nöldeke, Schuldirektor; Ferd. Br. Selle, Kaufmann; Ludwig Wagner, Zimmermeister; Reinhold Wankel, Pianofortefabrikant; Weber, Rechtsanwalt.

Die Geistlichen von St. Petri.                                    
Dr. Emil J. Krömer, Diakonus.
Thilo Schuch, Diakonus. 

Die übrigen Kirchenvorstände.
D. Lechler. Pank. D. Evers.                   

Der Stadtverordnetenvorsteher.
Dr. Schill, Rechtsanwalt.

Die Architekten.
Hartel & Lipsius

Während der Grundsteinlegung selbst läuteten die Glocken sämtlicher Kirchen der Stadt, auch die der katholischen Kirche. Es folgten die üblichen Hammerschläge, an welchen der Vertreter des Landeskonsistoriums Oberkonsistorialrat D. Jentsch, der Superintendent D. Lechler, der Oberbürgermeister Dr. Georgi, der Vorsteher der Stadtverordneten Dr. Schill, die Geistlichen und sämtliche Kirchenvorstands-mitglieder der Peterskirche, die Vorsitzenden der anderen Kirchenvorstände, die Architekten, die Bauführer, die Unternehmer beteiligt waren.

Die Feier, zu der auch der Thomanerchor durch zweimaligen Gesang („den 100. Psalm“ von C. F. Richter und das „Heilig“ von Mendelsohn) beitrugen, wurde durch ein Weihegebet des Superintendenten D. Lechler und Gemeindegesang („Lob, Ehr und Preis sei Gott“) beschlossen. Um 6 Uhr fand ein Festmahl im Saale des kaufmännischen Vereinshauses statt.

Die Anlage des neuen zur Ausführung gekommenen Planes ist nach drei Seiten hin eine eigentümliche, von sonstigen Kirchenbauten abweichende.

Im Interesse des evangelischen Gottesdienstes war der Hauptraum so darzustellen, daß Altar und Kanzel von jedem Platze gesehen werden könnten. Infolge dessen wurden die seitlichen Pfeiler so weit zurückgerückt, daß die Seitengeschosse nur als Gänge behandelt wurden. Die bei der Größe der Kirche dazu erforderliche Spannweite von 17 m zwischen den Gurtbögen des Mittelschosses ist für eine in massiven Kreuzgewölben ausgeführte Kirche außergewöhnlich, wird nur von einigen französischen Kirchen (z. B. der Kathedrale von Albi) übertroffen und übertrifft zum Beispiel die des Kölner Domes um etwa 3½ m.

Ferner war für den nach guter Leipziger Sitte in der Kirche und zwar zu gleicher Zeit nach Befinden von vier Geistlichen zu haltenden Konfirmandenunterricht, sowie für die ebenfalls zu haltenden Beichten Raum zu gewinnen. Auch sollten die Expeditionsräume der Kirche in diese selbst gelegt werden. Nach langen, eingehenden Erörterungen gerade über diesen Gegenstand erwies sich die folgende Einrichtung als die praktisch und ästhetisch richtigste: a) Südlich befindet sich eine Kapelle, welche, ursprünglich als größere Beichtstube gedacht, sich allmählich zu einer Taufkapelle entwickelt hat, in welcher neben den Taufen auch kleinere Gottesdienste gehalten werden können. Sie ist zu diesem Zweck mit Altar und Orgel versehen. b) An diese schließen sich westlich die beiden Pfarrerzimmer und östlich drei Räume für Expeditionszwecke an. Ein Zimmer für den Organisten findet sich dicht neben der großen Orgel über dem westlichen Hauptportal, zwei Zimmer für Kirchenvorstandssitzungen, für das Archiv und sonst zur Reserve im ersten Geschoß des Turmes am Choranschluß. c) Der östliche Kapellenkranz enthält drei Beichtkapellen bez. Konfirmandenzimmer und einen Nebenraum.

Hierzu kommt endlich die durch den Platz bedingte seitliche Stellung des Turmes, von der schon die Rede war. Der Turm wurde noch im Laufe des Baues durch Einfügung des obern Umganges in seiner Wirkung wesentlich gehoben. Derselbe ist durch günstiges Zusammentreffen übrigens so gelegen, daß er, mehrfach das Stadtbild beherrschend, z. B. in der Axe der Kurprinzstraße gesehen wird.

Der Bauplatz war und hieß früher „Lehmgrube“. Daher fand sich der Baugrund, sehr fester grauer Thon, in verschiedener Tiefe. Die Fundamentsohle des freistehenden Langhauspfeilers liegt – 6,00 m unter Langhausfußboden, die des Hauptturmes ebenso – 5,50 m, die flachste Fundamentsohle in dem östlichen Kapellenkranz, ebenso 4,5 – 6 m; – 8,40 m findet sich Kies, – 12,00 m Grundwasser. Sämtliche Fundamentsohlen sind so berechnet, daß jeder Bauteil einen gleichmäßigen Druck und zwar 2,8 Kilo pro qcm auf die Baugrube ausübt. Das Turmfundament hat eine Länge von 14,70 m, eine Breite von 14,60 m, eine Höhe von 4,30 m und ist ein massiver Mauerklotz. Der Turm ist im Zusammenhange mit den übrigen Mauern ausgeführt, eine Isolierung war ohne erhebliche Beeinträchtigung der angrenzenden Bauteile nicht durchführbar. Trotzdem hat sich die angewandte Art der Fundamentierung vorzüglich bewährt. Ein zu verschiedenen Zeiten ausgeführtes Nivellement hat nur an den durch den Ostgiebel sehr stark belasteten Choranschlußpfeilern eine Maximalsetzung von 8 mm ergeben, an andern Stellen, selbst am Turme ist eine solche nicht wahrzunehmen. Namentlich zeigen die sehr subtilen Widerlagskonstruktionen des großen Langhausgewölbes nicht die leiseste Verschiebung. Unter Vermeidung jeder Scheinkonstruktion ist die Kirche durchweg in solidestem Material in monumentaler Weise durchgeführt. Die Fundamente sind in Bruchsteinmauerwerk in Altenburger Graukalkmörtel, die Sockelbanquets der inneren freistehenden Pfeiler, sowie die unteren Turmpfeiler und die oberen schwächsten Pfeiler des Turmes sind ganz in Cementmauerwerk hergestellt worden. Die Gewölbe sind in porösen Bitterfelder Backsteinen auf Sandsteinrippen in starker Busung ausgeführt. Die Langhausgewölbe bestehen, unten 1 Stein, dann ¾, oben ½ Stein stark, unter Berücksichtigung der Druckverhältnisse zum Teil aus vollen, schweren Backsteinen. Die großen Rippen haben 1½ Stein starke Verstärkungsbögen erhalten. Sämtliche glatte äußere Flächen sind in Postaer Standsteinquadern in 0,34 m hohen Schichten, 0,13 und 0,25 m abwechselnd stark verblendet, sämtliche äußern Profilarbeiten und Ornamente sind aus Postelwitzer Sandstein. Zu den Architekturteilen und Ornamenten im Inneren ist Cottaer Sandstein, nur zu den stark belasteten Teilen Postelwitzer, zu den figürlichen Arbeiten im Äußeren Brühler Tufstein (C. Grod in Brühl bei Andernach a. Rh.), zu den monumentalen Arbeiten an Kanzel, Altar und Lesepult französischer Kalkstein (Lavonnier in Mouley) und nassauischer Marmor (von Gebr. Hergenhahn in Frankfurt a. M.) angewendet. Die Säulen im Chor sind Monolithe aus lausitzer Granit (Spanke in Schmöln bei Bischofswerda). Sämtliche Wandflächen sind aus Gründen der Akustik scharfkörnig grob verputzt. Die durchschnittlich 4 m entfernten, die Holzplatten aufnehmenden Polonceau-Dachbinder des Langbaues und Chordaches ermöglichen ein starkes Eingreifen der Gewölbekappen in den Dachbodenraum, wodurch die Raumwirkung der Kirche wesentlich erhöht wird.

Die Eindeckung des Daches ist in deutscher Weise in thüringer Schiefer auf Pappunterlage und Schalung bewirkt. Sämtliche Kehlen und Rinnen des Hauptdaches sind in Walzblei, die der Nebendächer in Zinkblech eingedeckt.

Die Turmhelme der Westseite haben eine Wandstärke von 0,20 – 0,15 m, der Hauptturmhelm von 0,25 – 0,18 m. Die große Turmkranzblume hat einschließlich des Kranzgesimses eine Höhe von 5,60 m, der untere aus 4 Stücken bestehende Blattkranz 2,80 m, der untere aus 2 Stücken bestehende 2,00 m im diagonalen Durchmesser; für die Herstellung derselben waren 11 cbm Sandstein erforderlich, das Gewicht der behauenen Kranzblume beträgt 300 Centner, das des schwersten Stückes derselben 40 Centner. Die 18 m lange, 0,08 m starke Armierungsstange verspannt durch 3 Verschraubungen die einzelnen Schichten gegeneinander und ist durch eine am unteren Ende befestigte kreuzförmige Konstruktion gegen einen im Helm angebrachten steinernen Verstärkungsring durch Verschraubung gepreßt, so daß kein einzelnes Stück von der ganzen oberen Hälfte des Turmes losgerissen werden kann. Die Eisenarmierung wiegt 1428 Kilo. Die einzelnen Steine der Kreuzblume werden durch Bronzedeckel mit Rändern im Gewicht von 240 Kilo zusammengehalten. Sämtliches kleines Eisenzeug wurde verzinkt, kleinere freistehende Kreuzblumen wurden durch Kupferdübel befestigt.

Die Behandlung der architektonischen Entwicklung schließt sich eng an die konstruktiven Elemente an und es wurde angestrebt, mit den einfachsten Mitteln eine große monumentale Wirkung zu erreichen. Die ausschließliche Benutzung von Werksteinen zur gesamt-architektonischen Durchführung gab Gelegenheit, das ganze Werk in der edlen Formengestaltung der frühgothischen Periode, im Anschluß an die mustergiltigen Werke Nordfrankreichs besonders, wo ja die Wiege der Gothik ist, zu entwickeln.

Die Hauptmaße des Gebäudes sind folgende: Lichte Weite des Mittelschiffes 17 m, des Langhauses einschließlich der Seitenschiffe 24,66 m, des Chores 9,32 m, Jochlänge des Langhauses 8,00 m, Gesamtlänge des Langhauses 38,60 m, dasselbe einschließlich der Orgelnische 41,30 m, Länge des Chorraumes unten 16,81 m, oben 13,40 m, bis zur Unterkante des Gewölbeschlußsteines im Mittelschiffe 25,1 m, im Seitenschiff 19,00 m, im Chorschluß 20,00 m, vom Langhausfußboden bis zur Dachgalerie 11,00 m, bis Hauptdachfirst 32,80 m, bis zur oberen Turmgalerie 41,68 m, Höhe der westlichen Türme 42,60 m, Höhe des Hauptturmes, welcher bis zur oberen Galerie auf einer eisernen Wendeltreppe, von da ab auf Leitern zugänglich ist, 87,62 m, unter Hinzurechnung der Sockelhöhe etwa 88,70 m, die Höhe bis zum Schlußstein der südlichen Kapelle 13,30 m.

Außer den schon genannten Hauptunternehmern waren übertragen: die Zimmerarbeiten an den Decken der südlichen Nebenräume dem Zimmermeister Lincke hier, die an dem gesamten Fußboden dem Zimmermeister Wenck hier; die Eisenkonstruktion des Hauptdaches (38000 Kilo) der Meißner Eisengießerei und Maschinenfabrik von Jacobi in Meißen; die Asphalt- und Pappdeckarbeiten der Firma C. F. Weber hier; die Schieferdeckarbeiten dem Dachdeckermeister Herdrich (Wiedemanns Nachfolger) hier; die Klempnerarbeiten an sämtlichen Dachungen dem Klempnermeister Louis Miethe hier; die Bleieindeckung des Dachreiters der südlichen Hauptkapelle dem Klempnerobermeister Wilhelmy hier; andere Arbeiten, wie Wasserleitungen, dem Klempnermeister Küster hier; die große Turmkranzblumenanankerung der Eisengießerei von Götz & Nestmann hier; die Bronzearmierung der Glockengeißerei von Jauck hier; sämtliches kleine Eisenzeug für Anker, verzinkte Klammern u. s. w. dem Schmiedemeister Thieme; das Chorkreuz und kleinere Arbeiten dem Schlossermeister Nagel hier.

Das Innere der Kirche enthält: Im Langhause feste Sitzplätze 802, Raum für Stühle 800; die beiden Seitenemporen zusammen feste Sitzplätze 156, Raum für Stühle 80; auf der Orgelempore Raum für Sänger 300. Im Bedürfnisfall bietet sich durch die Besetzung des Chores noch Raum für 450 Stühle. Die Gesamtzahl der in der Kirche herzustellenden Sitzplätze beträgt also 2588.

An dem Westportal, dem Haupteingang zum Innern der Kirche, befinden sich, im Modell von Joseph Racke in Köln gearbeitet, von Bildhauer Horst hergestellt, Christus mit der Weltkugel auf einer von einer gefesselten Teufelsfigur gebildeten Konsole, zu seiner Linken (südlich) Abraham, Moses, Maleachi, zu seiner Rechten (nördlich) Johannes, Paulus, Petrus; von demselben die Tiergestalten außen am Chor (Offenb. Joh. 22,15). Der Vorbau ist schräg nach beiden Seiten geöffnet, denn von daher, wohin diese Öffnungen weisen, von der Albert- und Schletterstraße her, wird die Gemeinde dem Gotteshaus zugehen. Außerdem sind noch acht zweiflügelige und zwei einflügelige Portale an der Kirche. Sämtliche Eingänge haben geschlossene Vorplätze. Sämtliche Thüren schlagen nach außen. Die äußeren Portale sind von Tischlermeister Förster, die inneren Thüren durch Tischlermeister Reifert und Zeitschel, der Turmportalwindfang durch Tischlermeister Arnemann ausgeführt, die Beschläge der äußeren Portale sind von den Schlossermeistern Hermann und Ferdinand Kayser, die der äußeren Nebenthüren und Fenster (nebst kleineren Arbeiten) von Schlossermeister Friedrich, die der inneren Thüren (nebst verschiedenen Einrichtungsgegenständen) von Schlossermeister Fritzsche.

Der Fußboden der Kirche ist mit Mettlacher Platten belegt, welche, im Schiffe einfache, auf dem Altarplatz künstlichere [künstlerische – d. Red.] kirchliche Muster tragen. Der Altarplatz ist erst eine, dann zwei Stufen über dem Schiff erhoben, von einem eisernen, nur nach Westen offenen Gitter umgeben. Der Altar, ganz in französischem Kalkstein hergestellt, mit Tischplatte und Säulchen – die erstere 2300 kg schwer, aus einem Stück – von nassauischem Marmor, zeigt ein Relief: das Brotbrechen Christi in Emmaus, ein Geschenk der Architekten Hartel und Lipsius, seitlich die vier Evangelisten, darüber das Kreuz. In derselben Weise sind die am südlichen Choranschlußpfeiler angebrachte Kanzel, sowie das rechts zwischen Chor und Schiff befindliche, an seiner Brüstung die Embleme der vier Evangelisten tragende Lesepult, ein Geschenk des Bankdirektors Madack, gefertigt. Die Ausführung der Arbeiten in französischem Kalkstein war dem Bildhauer Peter Horst, der in Cottaer- und Nebraer Sandstein hergestellten Teile dem Steinmetzmeister Schmidt hier übertragen. Die sechs Altarleuchter sind in Bronze und der Taufstein ist in Kupfer und Messing mit reicher Ornamentierung von Ciseleur Louis Scheele hier gearbeitet. In den Rand um das Becken des Taufsteins sind die vier Ströme des Paradieses – nach 1. Mos. 2 – ein altes, gerade an Taufsteinen gern gebrauchtes Bild für die vier Kardinaltugenden Tapferkeit, Weisheit, Mäßigkeit, Gerechtigkeit, nebst den entsprechenden Unterschriften eingraviert. Um die Benutzung sowohl in der Taufkapelle als auf dem Altarplatz zu ermöglichen, ist derselbe beweglich gemacht.

Für die Orgel wurde nach einer beschränkten Konkurrenz zwischen den Orgelbauern Walter-Ludwigsburg, Kreuzbach-Borna, Sauer-Frankfurt a. O., Ladegast-Weißenfels, Reubke-Quedlinburg, Jahmlich-Dresden, Eule-Bautzen von den musikalischen Sachverständigen (Professor Dr. Langer, Professor Kantor Rust, Organist zu St. Petri Stiller) der Orgelbaumeister Sauer in Frankfurt a. O. vorgeschlagen. Derselbe hat die Orgel am 4. Dezember eben diesen Sachverständigen zur Prüfung übergeben, welche in ihrem Bericht an den Kirchenvorstand die höchste Befriedigung bis ins einzelnste darüber ausgesprochen haben. Sie enthält 60 klingende Register auf drei Manualen und ein Pedal. Für sämtliche Klaviaturen, Koppelungen und Registerzüge ist pneumatischer Betrieb in Anwendung gebracht. Das Werk enthält u. a. ein Kombinationspedal, mittelst welches man durch einen Tritt eine vorher auf den doppelten Registerzügen zusammengestellte Mischung zur Geltung bringen kann; ferner ist bemerkenswert ein Crescendo und Decrescendo für Pedal allein und für das volle Werk, das durch zwei Fußwalzen in Bewegung gesetzt wird und an zwei über der Klaviatur angebrachten Zifferblättern die jedesmalige Zahl der im Gange befindlichen Register angiebt. Die Bälge bestehen aus vier großen horizontal aufgehenden Magazinen und drei doppelten Schöpfbälgen. Obschon die Gebläse im Werke selbst liegen, ist die Anlage sehr zugänglich und übersichtlich. Die kleine 6 Register haltende Orgel der südlichen Kapelle ist ebenfalls von Sauer, das Gehäuse der großen Orgel, ganz in Eichenholz ausgeführt, von Tischlermeister Arnemann und Holzbildhauer Weber, das der kleinen Orgel ebenfalls von Arnemann und von Schlossermeister Ferdinand Kayser hier.

Die Sitzbänke, ganz in Eichenholz, lieferte Holzbildhauer H. Behr und Tischlermeister Arnemann je zur Hälfte.

Eine treue Besucherin der alten Peterskirche, auch bei Regen, die es lästig empfunden hatte, wenn zumal bei voller Kirche die nassen Regenschirme nirgends Platz hatten, hat eine namhafte Summe zur Verfügung gestellt, von welcher an den Sitzen Haken für Schirme und auch für Hüte angebracht worden sind.

Hat so schon hier und da manches aus freiwilligen Spenden der Gemeinde beschafft werden können, so ist ein doppeltes derselben insbesondere vorbehalten geblieben, nämlich die Glasmalereien und Paramente.

Obschon die 5 Chorfenster, die 16 Langhausfenster, die beiden Fenster am westlichen Portal und die Rosette über die Orgel im Anschlag nur Teppichmalerei vorgesehen war, entschloß man sich doch im Vertrauen auf die Opferfreudigkeit der Gemeinde, dieselben von vornherein nach einem einheitlichen Plan mit figürlicher Malerei auszustatten. Und zwar sollte nach dem Vorgang mittelalterlicher und neuer Kirchen, insbesondere der Klosterkirche zu Klosterneuburg unfern Wien, um den biblischen Stoff möglichst allseitig zu verwerten, die eine Seite mit alttestamentlichen, die andere mit neutestamentlichen Bildern, beide in typischer Beziehung zu einander gesetzt, geschmückt werden. Das Mittelalter hatte diese Typen oft in äußerlicher Weise gewählt und willkürlich, ohne historischen Zusammenhang und Fortschritt, aneinandergereiht. Die Aufgabe war nun, unter fortwährender Rücksicht auf die Erfordernisse und die Grenzen der Glasmalerei, beide Reihen so zu gestalten, daß die gegenüberliegenden Reihen einander entsprächen und doch jede für sich ein zusammenhängendes und fortschreitendes Ganze bildete. Der so zusammengestellte, theologischem und künstlerischem Urteil unterbreitete Plan, welcher in seinen wesentlichen Stücken auch für die neuerbaute Johanniskirche in Gera angenommen worden ist, ist folgender:

Chor.
Chorschlußfenster:
Die Verklärung Christi, Moses und Elias, Petrus, Johannes, Jakobus.

Südliche Seitenfenster: Jesaja und Jeremia. Paulus und Petrus.

nördliche Seitenfenster: Ezechiel und Daniel. Johannes und Jakobus

Langhaus (von Westen ausgegangen):

Das Wort an die Schlange im Paradies. Verkündigung Mariä.
1. Mose 3, 15. Lukas, 1, 36.
Die Verheißung an Abraham.Die Geburt Jesu.
1. Mose 15, 5. 6. Lukas, 2, 1.
Mose schlägt Wasser aus dem Felsen.Hochzeit zu Kana.
2. Mose 17, 5. 6. Joh. 2, 1 ff.
Berufung Samuels.Jesus segnet die Kinder.
1. Sam. 3, 1.Mark. 10, 13.
Davids Flucht vor Absalom.Leidenskampf in Gethsemane.
2. Sam. 15, 23 – 30.Matth. 26.
Hiob und seine Freunde.Die Grablegung.
Hiob2, 11 (19, 25)Joh. 19, 38.
Elia und der Sohn der Witwe.Der Friedensgruß des Auferstandenen.
1. Kön. 17, 17. Joh. 20, 19.
Grundsteinlegung des neuen Tempels.Ausgießung des h. Geistes.
Esra 3, 9. 10. Apostelgeschichte 2.

Westliche Rosette:
David umgeben von musizierenden Engeln.

Die beiden Fenster daneben sollen Darstellungen aus der Reformation, das eine Luther und Melanchthon, das andere Kurfürst Johann den Beständigen und Johann Friedrich den Großmütigen, enthalten. 

Außen befindet sich nördlich im Turmportale der Engel mit dem ewigen Evangelium, Offenb. Joh. 14, 6.

Zur Beschaffung trat auf Anregung des südvorstädtischen Bezirksvereins, welcher jederzeit dem Kirchenbau das wärmste Interesse gezeigt hat, aus der Gemeinde und sonst aus der Stadt nachfolgendes Komitee zusammen:

Augustin, Herm. (gebr. Augustin).
Backhaus, Otto, Baumeister. 
Bär, Gustav (Bär & Hermann).
Benzien, C. H. (Benzien & Leopold).
Blaser, Hermann, Apotheker.
Blüthner, Jul., Kommerzienrat.
Brückwald, O., Hofbaumeister.
Colditz, Dr. jur., Rechtsanwalt.
Damm, Betriebsdirektor d. Königl. Sächs. Staatsbahn I.
Evers, D. theol., Pastor zu St. Matthäi.
Funke, C. A., Steindruckereibesitzer.
Fiedler, Ph., Dr. jur.
Freiesleben, Dr. jur., Reichsgerichtsrat.
Fricke, Prof. D. theol., Konsistorialrat, Pastor zu St. Petri.
Giesel, Prof., Realschul-Direktor.
Hartung, Dr. phil., Archidiakonus.
Hartel, A., Architekt.
Herrmann, J. G., Kaufmann.
Hofmann, Rich., Baumeister.
Hoffman, C. Th., Oberstaatsanwalt.
Heubner, Prof., Dr. med.
Jahn, Norbert, Kaufmann.
Johannes, Fr., Privatmann.
Jung, Carl (Friedr. Jung & Co.).
Junck, Herm., Polizeirat.
Kahnt, C. F., Kommissionsrat.
Kaiser, Franz, Lehrer.
Krömer, Dr. phil., Diakonus.
Krummig, C. F., Steinsetzermeister.
Klinkhardt, Bruno (Julius Klinkhardt).
Landmann, Rich. (Landmann & Enke).
Leuthier, Franz, Prokurist von Ewald & Bredt.
Leutemann, B.H., Kaufmann.
Liebster, A., Rechtsanwalt.
Maurer, Bernhard, Kaufmann.
Meißner, Jul. (Meißner & Buch).
Meyer, H. F., Kommerzienrat.
Mirus, Theodor (Hütter & Mirus).
Mönch, Friedrich, Kunstgärtner.
Mylius, F. G., Kaufmann.
Nöldeke, Dr. phil. Direktor der höheren Schule für Mädchen.
Najork, G. J. (Najork & Prätorius).
Oehler, D. A., Schlossermeister.
Oehme, Justizrat, Rechtsanwalt.
Ohrtmann, W., Kaufmann.
Pank, Pastor zu St. Nikolai.
Pippig, G. C., Schlossermeister.
Prätorius, Nikolaus, Prokurist von Gaudig & Blum.
Reimer, C. T., Schuldirektor.
Reuther, C. M., Realschul-Oberlehrer.
Rostock, Paul, (Rostock & Co,).
Rüder, Dr. jur., Polizei-Dir. a.D.
Sauer, V., Direktor.
Sauer, M., Schlossermeister.
Schill, Dr. jur., Rechtsanwalt.
Schlicke, Alb. (Trepte & Freko Nachf.).
Schmith, M. (Ferd. Krimmelbein Nachf.).
Schuch, A. Th., Diakonus.
Schmidt-Söhlmann, Stadtrat.
Stengel, W., Kommerzienrat.
Spillner, Heinrich (August Spillner).
Staudinger, O., Prokurist von E. Polz.
Schütte-Felsche, H. F. A.
Taubenheim, Emil (Taubenheim & Co.).
Thiemo, Moritz, Drechslermeister.
Thiersch, Prof., Geh. Medizinalrat.
Tzschachmann, Böttcherobermeister.
Uhlemann, Louis, Restaurateur.
Vogel, D. G., Maurermeister.
Voigt, Friedrich, Privatmann.
Weber, Emil (C. F. Weber).
Zangenberg,Richard (Franz Zangenberg).

Auf den am Himmelfahrtstag 1883 zuerst erlassenen Aufruf kamen nach und nach an Einzelbeiträgen 12924 Mk. 50 Pfg. zusammen. Außerdem sind ganze Fenster gestiftet worden von Kommerzienrat J. Meyer, Kaufmann und Kirchenvorstandsmitglied Julius Meißner, Privatmann Friedrich Voigt, Dr. Ph. Fiedler und Kaufmann Gotthelf Kühne gemeinschaftlich, dazu aus der Rodestiftung 3000 Mk. und vom Rat der Stadt Leipzig 4200 Mk. Gesamtsumme 27129 Mk. 50 Pfg.

Zur Erlangung der erforderlichen Entwürfe wurde für das eine Thema („Verkündigung Mariä“) von den Malern Prof. Schönherr in Dresden, Hermann Schmidt in Hamburg, Lorenz Classen in Leipzig, von Hofglasmalern Hertel und Lersch in Düsseldorf, Hofglasmaler Türk in Zittau, Glasmaler Schulze hier, unter beliebiger Zuziehung eines Malers von seiten der Glasmaler, eines Glasmalers von seiten der Maler, eine Skizze erbeten. Nach der Entscheidung des Konsistorialrat D. Fricke, Oberbaurat Schmidt-Wien, Geh. Hofrat Dr. Springer hier, Direktor Essenwein-Nürnberg, Architekt Hartel hier wurde die Ausführung den Hofglasmalern Hertel und Lersch in Düsseldorf in der Weise übertragen, daß dieselben die heimische Kunstindustrie zu der Bearbeitung der von ihnen zu stellenden Kartons möglichst heranziehen sollten. Die Fenster des Chors wie die westliche Rosette sind demnach von Hertel und Lersch fertig gestellt. Dieselben werden noch die figürlichen Darstellungen des gesamten Langhauses, wie bereits die ornamentalen Malereien des südlichen Langhauses, liefern. Von Türk in Zittau sind die ornamentalen Teile des nördlichen Langhauses; die beiden westlichen Reformationsfenster, sowie alle übrigen im Bau vorkommenden Verglasungen führte Schulze in Leipzig aus.

Für die Paramente ist ein Damenkomitee, bestehend aus Frau Konsistorialrat Fricke, Frau Auguste Busch, Frau Archidiakonus Hartung, Frau Oberjustizrat Hoffmann, Frau Julius Meißner, Frau Dr. Pescheck, Frau Direktor Reimer, Frau Professor v. Richthofen, Frau Stadtrat Wagner, zusammengetreten. Man wandte sich an den in der Schule von Löhn und Meurer, den Vätern der neueren Paramentik, gebildeten Kunststicker Martin Eugen Beck in Herrnhut. Nach dem von diesem ausgearbeiteten Programm beschloß man, sich zunächst auf drei Altarbekleidungen, die rote für Festzeiten, die schwarze für Passionszeit und Bußtage, die grüne für die übrige Zeit des Jahres, zu beschränken, die Ausführung der für die hohen Feste bestimmten weißen wie der violetten einer späteren Zeit zu überlassen. Die schwarze und grüne werden im Auftrag des Kirchenvorstandes von Beck, die rote aus den von dem Damenkomitee gesammelten Mitteln in dem von Frau Auguste Busch geleiteten Institut unter Mitwirkung von Frauen und Jungfrauen aus Stadt und Gemeinde gestickt.

Der Teppich vor dem Altar ist von dem Kaufmann Rudolph Schütz hier gestiftet, die Teppiche über dem eisernen Gitter werden von H. Schmidt provisorisch auf Sackleinewand mit einem Inschriftenfries gemalt, die volle künstlerische Ausführung ist späterer Zeit überlassen. Entsprechend dem in neuerer Zeit wieder erwachten Verständnis für die Wirkung von Farben auch im Dienste der architektonischen Kunst soll die ganze Kirche ausgemalt werden. Nach den vorhandenen Mitteln ist zunächst die Ausmalung des Chores und der südlichen Kapelle durch Maler Hermann Schmidt aus Hamburg vorgenommen worden. Hoffentlich wird dieselbe bald auf das Langhaus erstreckt werden können, wozu noch etwa 30000 Mk. erforderlich sind. Eine Unterbrechung des Gottesdienstes würde dadurch nicht herbeigeführt werden.

Die Anstreicharbeiten führte Malermeister Kayser aus. Die Liedertafeln sind von Bildhauer Behr. Die Gasbeleuchtung, etwa 320 Flammen, stellte Gas- und Wasserinstallateur Oberländer hier, die Beleuchtungskörper die Schlossermeister Ferdinand und Hermann Kayser und R. Clauß hier her.

Für die Heizung war eine allgemeine Konkurrenz ausgeschrieben worden, infolge deren man sich nach einem Gutachten des Professor Fischer in Hannover betreffs der Kanalheizung für Emil Kelling in Dresden, betreffs der Heißwasserheizung für Reinhard in Würzburg entschied. An Stelle der letzteren Firma trat nach deren Auflösung der Ingenieur R. Hartwig in Dresden. Die Kanalheizung wird durch vier in dem gemeinschaftlichen im vorderen Chor liegenden Heizkeller untergebrachte Feuerungen bedient. Die vier großen Heizrohre laufen in den Gängen her und vereinigen sich an der Westseite in den in der Treppenspindel liegenden Schornsteinen.

Die Heißwasserheizung mit Mitteldruck erwärmt die sämtlichen täglich benutzen Nebenräume. Die Feuerung liegt ebenfalls in dem gemeinschaftlichen Heizkeller. – Die elektrischen Schellen sind von Brüggemann und Lewus hier. – Das Mobiliar für die Kapellen, Expedition und Pfarrerzimmer ist in Eichenholz von Tischlermeister Arnemann, Holzbildhauer Behr und Holzbildhauer F. Schneider hier ausgeführt.

Das Geläute, bestehend aus vier Glocken in Adur-Akkord, ist von der Glockengießerei von Jauck hier gegossen und hat folgende Gewichte, Inschriften und Embleme:

1. Glocke: A, wiegt 2568 kg – O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort. Jer. 22, 29. – Relief: Christus der Erhöhte. – Gebet dem Kaiser, was  des Kaisers ist und Gotte, was Gottes ist. Matth. 22, 21. – Relief:  Das deutsche Wappen.

2. Glocke: Cis, 1304 kg. – Sehet, das ist euer König. Joh. 19, 14. –  Relief: Christus der Gekreuzigte. – Fürchtet Gott, ehret den König! –  Relief: Das sächsische Wappen.

3. Glocke: E, 781 kg. – Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wachet  der Wächter umsonst. Psalm 127, 1. – Relief: Christi Einzug in die  Stadt Jerusalem. – Suchet der Stadt Bestes – und betet für sie zum Herrn. Jer. 29, 7. – Relief: Das Leipziger Wappen.

4. Glocke: a, 339 kg. (Betglocke). – Vater unser, der du bist im Himmel. – Relief: Christus, wie er seine Jünger beten lehrt. – In Jesu Namen. Amen. – Relief: Petrus (Peterskirche.)

Das Gesamtgewicht, des Geläutes beträgt 4992 kg, das des eisernen Glockenstuhles 6933 kg, das der Eisenarmierung der Glocken 1570 kg. Die Glocken haben eiserne Joche erhalten. Die Glockenstube wird nicht durch Schallbretter, sondern nur zum Schutze gegen das Einnisten der Vögel durch starke Drahtgitter abgeschlossen. Unterhalb des Glockenstuhllagers befindet sich ein flaches Zinkdach, welches das einschlagende Regenwasser nach außen ableitet.

Die aus der Turmuhrfabrik von Tretbar, in Firma Zachariä, hervorgegangene Turmuhr hat Stunden- und Viertelstundenschlag und vier etwa 2,50 m im Durchmesser haltende Spiegelglaszifferblätter. Durch letztere ist die Beleuchtung derselben ermöglicht.

Die Blitzableitungsanlage ist von Oskar Schöppe hier angelegt. Es sind 7 Auffangspitzen und sechs 14 m unter Terrain in etwa 2 m Grundwasser geführte Erdleitungen vorhanden. Die Ableitung des Hauptturmes ist eine doppelte: eine Leitung führt außen von der auf der Armierungstange angebrachten Auffangspitze direkt hinunter, die zweite Leitung ist am untern Ende der Kreuzblumenarmierung im Inneren des Turmes angebracht und an diese sind sämtliche große Metallgegenstände, Glockenstuhl, eiserne Treppe u. s. w. angeschlossen, ebenso ist die Eisenkonstruktion des Hauptdaches in die Leitung eingeschaltet.

Die Ausführung des Baues ist genau in der vorgenommenen Weise erfolgt. Im Baujahre 1883 wurde die Hauptgesimshöhe durchgängig erreicht, dann im Herbst und Winter die Eisenkonstruktion des Daches montiert. Im Baujahre 1884 wurde der Hauptturm bis zur oberen Galeriehöhe gefördert, der Giebel und westliche Treppentürme fertig gestellt und die Kapellenarbeiten hochgeführt, die Schiefereindeckung sämtlicher Dachungen zunächst provisorisch mit Theerpappe, ferner die sehr schwierigen Einwölbungsarbeiten des Hauptgewölbes, sowie die Herstellung des inneren Verputzes wurden im Laufe des Sommers und Herbstes bewerkstelligt, die Kanalheizungsanlage im Winter durchgeführt.

Im Baujahre 1885 wurde der Hauptturmhelm und zwar Sonnabend am 18. Juli nachmittags 3½ Uhr durch Aufsetzen des oberen Sandsteinkopfes durch den Architekten Aug. Hartel unter Assistenz des Bauführers Quentin fertig gestellt, wobei Archidiakonus Hartung auf dem Gerüst und Konsistorialrat D. Fricke im Chor der Kirche an die Arbeiter eine Ansprache hielt, der letztere Remunerationen verteilte. Es folgte, stückweise mit dem innern Ausbau des Turmes fortschreitend, das Abrüsten des Helmes. Am 26. September wurde das neue Geläute zum ersten Mal auf dem Turme geläutet zu voller Befriedigung der Sachverständigen, unter freudiger Teilnahme der Gemeinde. Da jedoch für den anfänglich als Einweihungstermin festgesetzten 15. November kein zwingender Grund vorlag, so wurde besonders im Interesse der Ausmalungsarbeiten die Einweihung auf den Sonntag nach Weihnachten, den 27. Dezember d. J. festgesetzt.

Während des langen Baues sind leider auch drei Unglücksfälle vorgekommen. Es verunglückte am 5. Juni 1882 der Handwerker Friedrich Schneider aus Dölitz durch Sturz von der Maschine des südlichen Langhausgerüstes, am 3. Juli 1884 wurde im Chorraum der Handarbeiter Rückert infolge des Reißens an einer Kette bei ganz geringfügiger Last durch herabfallende im Bogen von den Gerüsten abspringende Backsteine getötet, am 23. Juni 1884 der Steinmetz Martini aus Grimma beim Aufladen von Steinen durch einen umfallenden Stein tödlich verletzt.

Allein gerade die schwierigsten Arbeiten, wie die Wölbung des Langhauses und der Ausbau des Turmes sind mit Gottes Hilfe ohne allen Unfall vor sich gegangen. So ist denn der Bau, auf den Jahrzehnte gehofft haben, fertig gestellt worden, ein ehrendes Zeugnis für alle, welche damit zu thun gehabt haben. Die beabsichtigte Bauzeit, wie die veranschlagte Bausumme sind genau eingehalten worden. Der Kirchenvorstand unter der Leitung seines Vorsitzenden, des Konsistorialrat Fricke, hat von Anfang an bis auf den letzten Tag ihm seine wärmste Teilnahme, seine unausgesetzte Thätigkeit zugewandt. Die Behörden haben ihm die wohlwollendste Förderung angedeihen lassen. Die Oberleitung, welche seit Übersiedlung des Baurat Lipsius nach Dresden besonders in den Händen des Architekt Hartel lag, hat den schönen Plan mit der größten Sachkenntnis und Energie und auf Grund reicher Erfahrung hinausgeführt. Die Bauführung des Architekten Quentin hat die Fäden des weitverzweigten Werkes stets fest und zielbewußt in der Hand gehabt, mit der gewissenhaftesten Hingabe auch an die Einzelheiten derselben. Die Unternehmer Bauer & Roßbach hier, Helm & Friese in Dresden haben oft unter schwierigen Verhältnissen, zumal bei Steigerung der Arbeitslöhne während des Baues, mit geringem äußern Vorteil, teilweise mit persönlichen Opfern, gearbeitet. Nach sachverständigem Urteil ist das Material in vorzüglichster Beschaffenheit geliefert und in mustergültiger Weise zusammengefügt. Alle Gewerke haben auf das gewissenhafteste ihre Schuldigkeit gethan. Das heimische Kunstgewerbe hat nicht nur bewiesen, auf welcher Höhe es steht, sondern hat durch Aufgaben, wie sie ihm auf dem Gebiet des Kirchenbaues selten geboten werden, gewiß auch manche Förderung erfahren. Alle einzelnen, auch die Arbeiter im kleinen, besonders auch die Poliere, haben treu an ihrem Platz gestanden. Auf Jahrhunderte hinaus wird, wills Gott, das Werk seine Meister loben. Allen, welche daran geschaffen haben, sei Dank! Dem Herrn sei die Ehre!

Die alte Peterskirche wird in wenigen Tagen nicht mehr dastehn. Das Gebäude der Reichsbank wird sich an ihrer Stelle erheben. Die Orgel wird in der Kirche in Alterode bei Ermsleben weiter ihren Beruf erfüllen. Ein Teil des Mobiliars ist für die Kirche in Kitscher bei Borna bestimmt. Manches, besonders die Altargeräte, kommt in die neue Kirche mit hinaus. Möchte auch der Segen, den der Herr besonders in den letzten Jahrhunderten auf das alte Haus gelegt hat, mit hinüberziehen!

Der Kirchenvorstand der Petrigemeinde bei diesem wichtigsten Abschnitt ihrer Geschichte besteht aus dem Pfarrer Konsistorialrat Prof. Fricke, als Vorsitzenden; Oberjustizrat C. F. Hoffmann, als Vizevorsitzenden; Buchdruckereibesitzer G. Bär: Hofbaumeister P. O. Brückwald; Reichgerichtsrat Dr. G. Freiesleben (an Stelle des im August d. J. verstorbenen treuverdienten Mitgliedes Amtsrichters F. R. Knoth gewählt.); Archidiakonus Lic. Dr. Hartung; Kommissionsrat Kahnt; Amtsrichter J. F. W. Kranichfeld (gewählt an Stelle des nach Plauen i/V. versetzten Landgerichtsdirektors Priber); Kaufmann F. G. Leuthier (gewählt an Stelle des nach einer anderen Parochie verzogenen Direktor Dr. Colditz); Kaufmann Jul. Meißner; Prof. Dr. Nöldecke; Direktor der höheren Schule für Mädchen; Schuldirektor C. T. Reimer; Kaufmann F. B. Selle; Maurermeister D. G. Vogel; Zimmermeister C. L. Wagner.

Die Geistlichen der Peterskirche sind: Pfarrer: Konsistorialrat Professor der Theologie D. Gust. Ad. Fricke; Archidiakonus: Lic. theol. Dr. phil. Ernst Bruno Hartung; 1. Diakonus: Dr. phil. Alexis Schumann; 2. Diakonus: Friedr. Joh. C. Oskar Sell.

Die Gemeinde ist nach der eben vollendeten Volkszählung wieder um Tausende gewachsen. In ihrer Mitte steht nun eine mächtige, in Steinen redende Mahnung: Meine Lieben, erbauet euch auf euren allerheiligsten Glauben durch den heiligen Geist und betet, und behaltet euch in der Liebe Gottes, und wartet auf die Barmherzigkeit unsers Herrn Jesu Christi zum ewigen Leben! (Jud. 20, 21). Das ist das Kirchenbauwerk, das uns nun obliegt, der Gemeinde und allen, die dem Reiche Gottes an ihr dienen sollen.

Der Herr behüte unsern Ausgang aus der alten Peterskirche, der Herr behüte unsern Eingang in die neue Peterskirche!

Die alte und die neue Peterskirche in Leipzig 

Eine Denkschrift
von Lic. Dr. Bruno Hartung

1885
Verlag von Heinrich Matthes (Herm. Voigt), Leipzig.
Druck von Bär & Hermann in Leipzig.