I. Die alte Peterskirche

Die alte Peterskirche.

Die alte Peterskirche, deren Mauern nun fallen sollen, kann als die älteste und kann als die jüngste der Leipziger Kirchen bezeichnet werden. Sie ist die jüngste, denn erst im Jahre 1712, also 13 Jahre nach der „Neukirche“, ist sie Predigtkirche geworden. Sie galt aber noch im 17. Jahrhundert „nach gemeiner Meinung“, um derentwillen Vogels Chronik ihr die erste Stelle unter den geistlichen Gebäuden Leipzigs anweist, als die älteste. Denn schon Markgraf Konrad der Große – so berichtet Dresserus „von den Städten Deutschlands“ – habe sie gebaut, während die Nikolaikirche ihren Ursprung auf Otto den Reichen, dessen Sohn, zurückführt. 

So altehrwürdig auch dieser Ursprung wäre, bescheiden, wie ihr Aussehen, ist durch das ganze Mittelalter hindurch ihre Geschichte. Leipzig war weder Reichsstadt noch Bischofssitz, schon darum können sich seine alten Kirchengebäude mit denen anderer Städte oft von weit geringerer Bedeutung nicht messen. Aber die Peterskirche, Peterskapelle (capella beati Petri) wird sie nur genannt, scheint zu den am wenigsten ansehnlichen gehört zu haben. Sie stand bis zum Jahre 1213 mit der Nikolaikirche in Verbindung, mit welcher gemeinsam sie Balduinsdorf (Baalsdorf) und Heide (Propstheida) besessen hat. In diesem Jahre nämlich hat Markgraf Dietrich der Bedrängte, in der Absicht, daß, „während er selbst in viele weltliche Geschäfte verwickelt sei und hierbei zu sündigen in Gefahr stehe, jene fromme und unschuldige Gemeinde der Gläubigen Christi täglich und beständig für ihn flehen möchte“, das Augustinerkloster zu St. Thomas gegründet und außer anderer reicher Ausstattung – nämlich u.a. den Dörfern Pfaffendorf und Öllschütz, letzteres zwischen Connewitz und Propstheida gelegen, jetzt eine wüste Mark – ihr die demnach schon vorher gegründete Thomaskirche und die Niklaikirche samt der Peterskapelle und den beiden gemeinsamen Gütern zugewiesen. Die Stiftung des Markgrafen wurde 1218 durch Papst Honorius III. bestätigt. 

Erst nach dieser Zeit kann geschehen sein, was ebenfalls die Chroniken berichten, daß nämlich Benediktinerinnen aus Zwenkau, denselben, welchen dann das Nonnenkloster zu St. Georg vor dem Petersthor erbaut wurde – daher noch heute die „Nonnenmühle“ ihren Namen hat – , zunächst eine Wohnung in der Nähe der Peterskirche angewiesen wurde. Denn es hat nach eben jenen Berichten zuvor die Absicht bestanden, sie im Thomaskloster, dessen Existenz damit vorausgesetzt wird, anzusiedeln. Auch später diente die Gegend als Asyl für Schutzbedürftige. Denn 1315 wird einer Begine Helewigis von Sommerfeld gestattet, sich ein Häuschen in der Nähe der Peterskirche zu bauen. Wenn bei dieser Gelegenheit von der „ecclesia sancti Petri apostoli in Lipsk“ die Rede ist, so wäre es voreilig, davon etwa auf eine vorherige Vergrößerung der Kapelle zu schließen. Im Jahre 1326 wird nämlich der Thomaskirche für einige Feiertage ein Ablaß bewilligt und derselbe zugleich auf die Nikolaikirche, wie auf die zu jener Kirche gehörigen Kapellen (capellae beatae Mariae virginis, Sancti Petri, Sanctae Catharinae ad dictam ecclesiam immediate spectantes) ausgedehnt. Die Peterskapelle findet sich also hier noch immer als Kapelle inmitten der beiden längst entschwundenen Schwestern, deren eine in dem Namen der Katharinenstraße fortlebt. Doch standen auch solche „Meßkapellen“ oft in hohem Ansehen zu einer Zeit, in welcher recht viele Messen für sich und die Angehörigen lesen zu lassen das erstrebenswerte Ziel der Reichen wie der Niederen war. 

Im Jahr 1434 wurde so von den Herzögen Friedrich – Friedrich dem Sanftmütigen – und Siegismund den testamentarii (Testamentsexekutoren) oder „Seelewarten“ des Nikolaus Molner von Altenburg, Domherrn zu Merseburg, erlaubt, zum Heil seiner Seele einen Altar in der Peterskirche mit 76 rhein. Gulden Einkünfte zu stiften, von denen 12 Gulden für den Kaplan, 1 Gulden für die „wartende Frau oder Nonne“, 3 Gulden für Hostien und Wein abgingen. Der Landesfürst sollte ihn dem jedesmaligen Ordinarius der Juristenfakultät, der an bestimmten Tagen dafür Messe zu lesen hatte, verleihen. 1434 erhielt ihn Conrad Donekorff, selbst einer der „Seelewarten“, 1449 Theodorich von Buckensdorf, beide auf Lebenszeit. 

1508 wollte der Ordinarius Johann Schantz um dieses Altarlehns willen geistlich werden. 1504 wird „ein Haus bei Sankt Peterskirchen gelegen“, welches nach 1502 der juristischen Fakultät zugesprochen worden war, von Herzog Georg dem Rat zugeteilt, nachdem letztere von der philosophischen Fakultät das Petrinum auf der Burggasse erhalten und der Rat dieser ein Haus auf der Ritterstraße erbaut hatte. 1507 stand ein Neubau statt und Mittwoch nach Ostern des Jahres 1507 am 29. März wurde durch den Bischof von Merseburg, Heinrich von Hamburg, die Kirche eingeweiht, deren Außenmauern bis jetzt gestanden haben. Diese gehört also zu den Kirchengebäuden, deren es in Sachsen gerade viele giebt, welche die letzten Jahrzehnte vor der Reformation uns hinterlassen haben. 

Die Reformation, welche die stillen Messen abschaffte und den Schwerpunkt des Gottesdienstes in die Predigt verlegte, war dem Fortbestehen solcher Meßkapellen – denn als eine solche werden wir die Peterskirche auch nach jener Erneuerung uns zu denken haben – nicht eben günstig. Im Jahr 1539 wurde die Reformation in Leipzig eingeführt. Als im darauf folgenden Jahre der Bestand der Kirchengüter aufgenommen wurde, fanden sich im Eigentum der Peterskirche Kirchenkleinodien, 12 Mark 3 Lot an Wert, vor. 

1543 wurden dann von Kurfürst – damaligem Herzog – Moritz die Leipziger Klostergüter für ein Darlehn von 30000 Güldengroschen dem Rat der Stadt übergeben. Bei der namentlichen Aufzeichnung der zum Thomaskloster gehörigen Gebäude unter dem 6. August 1543 fehlt die Peterskirche. Da sie sich späterhin noch im Besitz des Staates befindet, so hat sie der Herzog wahrscheinlich wegen ihrer Lage inmitten der Befestigungen zurückgehalten. Doch wird sie als Kirche von da ab nicht mehr erwähnt. Sie wurde vielmehr als Kalkscheune oder Kaserne benutzt. 

Unter dem Namen „Kalkscheune“ wird sie in der Geschichte der Belagerungen Leipzigs während des 30jährigen Krieges in den Jahren 1631, 1632, 1642 erwähnt. Ihre Lage nahe der Pleißenburg machte sie ja teils zu einem Vorbollwerk für diese, teils zu einem Stützpunkt der Belagerer. Daß es eigentlich eine Kirche sei, dessen wird kaum gedacht. Nur einmal, am 19. März 1643, hat sie ihrer vormaligen Bestimmung gedient, indem ein schwedischer Feldprediger in schwedischer Sprache dort predigte. Nur die Namen der Umgebungen, Petersthor, Petersbastei, Petersviertel u.s.w. erinnern an die vormalige Bezeichnung. Man hätte damals wohl weissagen mögen, es werde ihr ergehen, wie der Katharinenkirche, die im Jahr 1546 bereits gänzlich verschwunden ist. 

Wenigstens heißt es in der „leipzigischen Chronik“ des Tobias Hendenreich vom Jahr 1635 nach einer ausführlichen Schilderung der Hauptkirchen: „Es sind zwar andere zwo Kirchen in der Stadt zu finden: die eine wird genanndt die Peters-, die andere die Parfüßen Kirche. Dieweil sie aber in langer Zeit nicht gebraucht worden und also sehr eingangen, auch ohne großer Unkosten nicht wieder angerichtet werden können, ist davon viel Wort zu machen, meines erachtens, vergeblich.“

Allein wie ganz anders sieht es im folgenden Jahrhundert aus! Den ersten Anlaß, an eine Erneuerung der kirchlichen Bestimmung der Peterskirche zu denken, gab die Gründung der reformierten Gemeinde zu Leipzig im Jahr 1700. Kurfürst August der Starke, der vielfach in Sachsen, z. B. in Torgau und Umgegend, die Niederlassung der aus Frankreich vertriebenen protestantischen Familien begünstigte, wollte den hiesigen eben daher gekommenen Reformierten die Peterskirche, welche ja dem Staat gehörte, einräumen. Was ihn zu solchem Vorgehen veranlaßte, war wohl teils das Vorbild des nachbarlichen Preußens, welchem durch jene sog. réfugiés ein großer Zuwachs an geistigen und materiellen Kräften geworden war, teils die nach seinem Übertritt zur römisch-katholischen Kirche begreifliche Absicht, der einheitlich wuchtigen Macht der lutherischen Landeskirche andere Einflüsse zur Seite zu stellen. 

Aus dem Gefühl für letzteres ist sowohl der auch für jene Zeit auffällig hartnäckige Widerstand der Landstände gegen jede Ansiedlung der Reformierten in Sachsen, als der maßlos energische Protest des Rates und der Universität Leipzig gegen die gedachte Überlassung der Peterskirche zu erklären. Es finden sich keine unmittelbaren Beweise dafür, aber es mag wohl sein, daß die Absicht, ähnliche Pläne für die Zukunft unmöglich zu machen, den Rat veranlaßte, den Erwerb der Peterskirche für städtische Zwecke zu erstreben. Am 6. Dezember 1702 bereits wurde sie durch kurfürstlich königlichen Erlaß dem Rat der Stadt zugesprochen, damit derselbe ein Hospital „für ehrbare Leute mit einigem Vermögen“, also ähnlich dem jetzigen Johannishospital, daraus errichten könne. Der Rat verpflichtet sich, statt dessen vier Baracken für die Soldaten herzurichten. Am 10. Juni 1704 wurde das darauf bezügliche Ratsausschreiben erlassen. Allein zunächst erhob der Kommandant von Leipzig, Oberst von Hopfgarten, Schwierigkeiten, die Meldungen von Hospitaliten gingen sehr spärlich ein. Vielleicht haben auch die Unruhen des polnisch-schwedisch-sächsischen Krieges das ihre gethan. Jedenfalls war die Angelegenheit am Ende des ersten Jahrzehnts noch nicht weiter gefördert.

Inzwischen war ein anderer Plan herangereift. Die Zunahme der Stadt in den Friedensjahren seit dem dreißigjährigen Kriege ließ die beiden Hauptkirchen für die wachsende Bevölkerung unzulänglich erscheinen. Der Pietismus, der ja in Leipzig durch A. H. Francke eine besondere Heimstätte gefunden hatte, rief das kirchliche Bedürfnis ins Bewußtsein. So war bereits 1698 die Barfüßerkirche wiederhergestellt worden, welche seitdem bis auf unsre Tage die „neue Kirche“ genannt wurde. 

So wurden bereits 1688 Katechismusexamina in der Thomas- und Nikolaikirche, besonders für die Fastenzeit, eingerichtet, und die ganze Stadt wurde für die sechs Fastensonntage in sechs Teile geteilt, deren jeder die jungen Leute und das Gesinde an dem betreffenden Sonntag zur Kirche zu schicken hatte. Überhaupt waren durch August Hermann Francke, den späteren Stifter des hallischen Waisenhauses, bei dessen zweimaligem Aufenthalt hier tiefe Anregungen zu einem lebendigeren Christentum gegeben worden. Sie fanden auch bei dem Rate der Stadt einen empfänglichen Boden. Man fand den Zustand der christlichen Erkenntnis nicht genügend. Man sah für die geistliche Versorgung der Gemeinde nicht hinlängliche Kräfte angestellt. Man hatte in dem durch A. H. Francke und dessen Freunde Anton und Schade gegründeten sog. collegium philobiblicum kennen gelernt, welche Kraft der Schrifterklärung als solcher innewohnte, und die Geistlichen konnten und wollten vielleicht dem so entstandenen Bedürfnis nicht Rechnung tragen. So entschloß man sich, ein besonderes Amt für diesen Zweck unter dem Namen des Katechetenamtes einzurichten. 

Am 15. November 1709 wurde an den Kurfürsten von Sachsen und König von Polen das Gesuch um Gestattung dieses neuen geistlichen Amtes erlassen; die ersten Worte des betr. Ratsschreibens stehen an der Spitze von mehreren hierauf bezüglichen Äußerungen des Rates aus jener Zeit und mögen als Ausdruck der damals herrschenden Stimmung hier Platz finden: 

„Nachdem der hohe Rat dieser Stadt von den Herren Geistlichen durch öffentliche und besondere Klagen mit nicht geringen Bewegungen erfahren müssen, daß nicht nur bei dem jungen Volk und Gesinde, sondern auch bei erwachsenen Leuten oft eine große Vergessenheit dessen, was dem Christen zu seiner Seelen Seligkeit not ist, ist angetroffen worden, also daß die Herren Geistlichen dergleichen Personen zu Beichten und Gebrauch des heiligen Nachtmahls in solchem Unverstande zuzulassen Bedenken tragen müssen, und es das Ansehen hat, ob diesem Übel ohne sonderbaren Unterricht über die Predigten und sonntägliche Katechismuslehre nicht gründlich abzuhelfen sein dürfte, hiernächst zeither zu verspüren gewesen, wesmaßen bei dem Herren Geistlichen die labores teils wegen wachsender Zahl der Einwohner, teils auch anderen zufälligen Ursachen sich dergestalt vermehrt, daß nach gegenwärtigem Zustand selbige von ihnen nicht wohl mehr zu bestreiten sind, so hat vorgedachter Rat vermöge des ihm zur Bestellung der Kirchendiener zustehenden Rechts auf ein Hilfsmittel zu denken sich veranlaßt gefunden und nach der Sache reiflicher Überlegung eine gewisse Person unter dem Namen eines Katecheten zum kirchlichen Dienst anzunehmen und zur Ordination zu präsentieren sich entschlossen.“ 

Die Verhandlungen herüber und hinüber beweisen, wie schwerfällig man damals in Gründung neuer Ämter gewesen ist.  Am 10. Februar 1710 kam die kurfürstliche Genehmigung, in welcher zugleich dringend eingeschärft wurde, den in dem Schreiben des Rates erwähnten Übelständen abzuhelfen. Insbesondere sollten alle diejenigen, welche zugezogen waren und zum erstenmal in Leipzig an der Feier des heiligen Abendmahls teilnahmen, sich erst über ihre christliche Erkenntnis dem von ihnen erwählten Beichtvater durch gewissenhafte Prüfung ausweisen und von diesem dem gesamten Ministerium der Kirche vorgestellt werden. Besonders segensreiche Wirkung aber erwartete man von dem zu obigen Zweck angestellten Katecheten, dessen Thätigkeit man sich auf die verschiedenen Kirchen verteilt dachte. Das Katechetenamt war also wenigstens im Gedanken eher da, als die Kirche, deren Geschichte dann über anderthalb Jahrhunderte mit demselben verbunden gewesen ist. 

Die Verhandlungen mit den betreffenden Kirchen, welchen die Thätigkeit dieses Amtes zu gute kommen sollte, scheinen mit Schwierigkeiten verbunden gewesen zu sein. Nach den Mitteilungen des Propstes Teller zu Berlin († 1804), dessen Vater zweimal Oberkatechet und der selbst 1755 Katechet an der Kirche geworden ist, hat dessen Großvater, der Archidiakonus zu St. Nikolai, L. Rom. Teller, ein bei dem Rate angesehener Mann, welcher „den Zwang der sonn- und festtägig festgestetzten Abschnitte aus dem N. T. fühlte und keine Änderung von oben absahe“, den Rat veranlaßt, „die Peterskirche zu bauen, und in derselben junge Magisters als Katecheten anzustellen, um jeden Sonntag über die Bibel zu predigen und in der Woche öffentliche Katechisationen zu halten“. 

Am 29. Juni 1710 wurde das Konsistorium im Hinweis darauf, daß der Plan, ein Hospital zu gründen, nicht ausführbar gewesen sei, und daß man einen Katecheten ja bereits anzustellen beschlossen habe, ersucht, die Genehmigung zur Wiederherstellung der Peterskirche zu erteilen. Nachdem noch wiederholt hin und wieder konferiert worden – wir wissen das einzelne hierüber nicht –, wurde der Bau genehmigt und Ende des Jahres 1711 durch Baumeister Fuchs beendet. Die Baukosten betrugen 13489 Thaler 20 Groschen 6 Pfennige, wobei der Tausch- und Kaufwert einiger Häuser (des Hahnschen und Reinburgerschen), welche zum Zweck der Herstellung der Kirche erworben werden mußten, mit eingerechnet ist. Die Einrichtung war sehr einfach: nur an den Seiten zwei Reihen Stühle, der übrige Raum zum Zwecke der Katechisationen leer. Orgel und Sängerchor gab es nicht, der Gesang wurde bis zum Jahre 1799 von einem Präcentor und 3 bis 4 Sängern (Thomasschülern) geleitet, welche auf dem Altarplatz standen. 

Aus einer Nachricht, nach welcher 1768 auf die oberen Emporen Stühle gesetzt worden sind, scheinen dieselben von Anfang an dagewesen zu sein, während die Empore über den Ratsstuhl, wo sich später die Orgel befand, 1748 gebaut worden ist. Am 29. Dezember 1711 wurde der neugewählte Katechet, M. Adam Bernd, geb. am 31. März 1676 zu Breslau, dem Konsistorium präsentiert. Am 12. Januar 1712 hielt er die erste Katechese, am 29. März 1712 seine Antrittspredigt. Seine Besoldung betrug anfangs 68 Gulden 12 Groschen vom Rat, bereits 1718 200 Gulden, je 40 Gulden von Nikolai- und Thomaskirche, 20 Gulden von der Neukirche; dazu 8 Schock Reisholz, 4 Klastern Scheitholz, 6 Scheffel Korn, hierzu seit dem 29. Juli 1713 ein Amtswohnung im Marstall. Da aber die auf ihm liegende Arbeit, zwei Sonntagspredigten und vier Katechisationen wöchentlich, wozu sofort noch mehreres sich gestellte, für eine Kraft zu groß war, faßte bereits am 22. Februar 1713 der Rat den Beschluß, ihm acht magistri und studiosi theologiae zur Seite zu stellen. Es sollten gottesfürchtige junge Leute sein, welche fleißig die Kirche besuchten und von denen man hoffte, sie würden dadurch „dem gemeinen Studentenleben entzogen werden“. Sie wurden verpflichtet, außer den Nachmittagspredigten und den Katechisationen in der Peterskirche – die in den Hauptkirchen hatten noch wie vor der Oberkatechet zu halten – die Konvertiten zu unterrichten, im Gefangensaal des Rathauses Gottesdienst zu halten und im Notfall die Geistlichen der Stadt zu vertreten. Dafür sollten sie ein jährliches Stipendium von 30 Gulden, zum teil aus Stiftungen, erhalten. Dies ist der Ursprung des Katecheticum, welches von da ab, obschon das Konsistorium den betreffenden studiosi den Namen collegium catecheticum anfangs nicht zugestehen wollte, bis zum Jahre 1876 bestanden hat. 

Dasselbe ist also eine völlig freie Stiftung des Rates der Stadt, aus städtischen und später kirchlichen Mitteln unterhalten. Zweck desselben war einerseits, dem kirchlichen Wesen der Stadt unmittelbar zu dienen, anderseits eine Bildungsstätte insbesondere für städtische Geistliche zu werden. Dabei war nicht die Absicht, die Thätigkeit der Katecheten auf dieses ihr Amt zu beschränken, wie schon aus der geringen Besoldung hervorgeht, und ist es bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts nicht gewesen. Vielmehr kann man aus der Erwähnung in der Geschichte der Universität Leipzig im 18. Jahrhundert von J. D. Schulze 1810 schließen, daß man das Katecheticum ebenso, wie das im Jahr 1627 gegründete, 1712 erneuerte montägige Predigerkolleg, oder das „donnerstägige Predigerkolleg“, welches für jeden Sonntag eine Predigt über das Evangelium bereit halten mußte, falls der betreffende Professor verhindert sein sollte, in der Paulinerkirche zu predigen, zugleich zur Universität in Beziehung setzte, wie denn eine große Anzahl der Oberkatecheten und Katecheten von Anfang an an der Universität thätig gewesen sind. 

Man ging frisch an die vorgesetzte Arbeit. An jedem Sonntagsmorgen predigte der Oberkatechet oder dessen Vertreter über das Sonntagsevangelium; nachmittags wurde in fortlaufender Reihenfolge je ein Kapitel aus der Bibel Vers für Vers, Sonntage und Festtage ohne Rücksicht auf den Gang des Kirchenjahres, ausgelegt. Der Oberkatechet machte allemal den Anfang. So ist bis Ende des 18. Jahrhunderts die Bibel viermal durchgepredigt worden. Das erste Mal vom 1. post Trin. 1712 bis zum 4. Advent 1732, das zweite Mal vom 1. Weihnachtsfeiertag 1732 bis zum 4. post Trin. 1753, das dritte Mal vom 5. post Trin. 1753 bis Quasimodogeniti 1781, zum vierten Mal von Misericordias Domini 1781 bis 16. post Trin. 1799. 

Bereits im Herbst 1713 war aus der Gemeinde an den Rat das Ansuchen gestellt worden, ob es nicht richtiger sei, einzelne Kapitel, etwa aus den Büchern Mose, wegzulassen. Nach dem Gutachten des M. Bernd wurde jedoch vom Rat dahin entschieden, daß die ganze Bibel, auch das alte Testament, Gottes Wort sei und daß auch die scheinbar unverständlichsten Abschnitte etwa des mosaischen Gesetzes eine Beziehung auf Christum hätten und darum zur Erbauung der Gemeinde dienlich wären. Erst 1812 wird das Gesuch der Katecheten, wenigstens an den Festtagen die Reihenfolge zu unterbrechen, genehmigt. 

Vielleicht durch diese Veranlassung mit ist die ganze Einrichtung nach und nach abgekommen. Auch bei der katechetischen Thätigkeit zeigten sich Schwierigkeiten. Die Katecheten hatten nämlich jeden Montag und Donnerstag „mit den alten Männlein und Weiblein, so Almosen bekommen", fragweise zu katechisieren, und führen bittere Klage, daß dieselben teils nicht sehen oder hören, teils nicht reden, die meisten nicht lesen können. Deshalb und weil M. Bernd, welcher nebenbei vier Collegia las, zu überlastet war, wurde ihnen die dankbarere Thätigkeit an Kindern und Gesinde, welche in den Hauptkirchen stattfand, 1718 mit überlassen. Auch Kranke zu besuchen wurde ihnen bald gestattet und dem Oberkatecheten ward ein Teil der Schulaufsicht über die Privatschulen übertragen.

Die Gemeinde kam dem neuen Gotteshaus mit dem lebhaftesten Interesse entgegen. Schon ehe es gebaut wird erbietet sich ein benachbarter Tischlermeister Bürger, wohl nicht bloß wegen geschäftlichen Vorteils, die Fertigung der Kirchenstühle zu übernehmen. Eine reiche Witwe mit ihrer Tochter, Dorothea Funke, welche seit Jahren in Leipzig wohnt und in den alten Kirchen keine Plätze hat ermieten können, bittet um solche. Nach ausdrücklicher, auch im Gesuch an die Regierung ausgesprochener Erklärung des Rates war die Kirche für die Armen, sowie „für die Vorstädte, und andere, denen es zur Anhörung des göttlichen Wortes an Raum gebricht", bestimmt. Dennoch war der Zudrang der Vermögenden zu den Kapellen und Kirchenständen ein solcher, daß bereits im ersten Jahr der Erlös derselben, einschließlich des Klingelbeutelertrags von 492 Thaler 8 Groschen 4 Pf. (wovon jedoch ¾ an das Almosenamt kamen), 20 548 Thaler 15 Groschen 10 Pf. betragen hat. 

Diese Summe, welche allmählich wuchs und von den Kirchenvorstehern, besonders von dem ersten, dem Prokonsul Dr. Adrian Steger, auf das trefflichste verwaltet wurde, bildet den Grundstock des nachmaligen bedeutenden Vermögens der Kirche. Bereits 1718 konnten die Gehalte von den Zinsen desselben gezahlt werden. Die ersten Inhaber der erst l2, bald 24 Kapellen, für deren jede 500 Thaler und außerdem ein jährlicher Zins von 2 Thalern zu zahlen war – es sind ja Namen darunter, welche noch heute einen guten Klang haben –, waren folgende:

  • Dr. Joh. Frantz Born, kgl. poln. u. kurf. sächs. merseb. Stiftsrat.
  • Dr. Quirin Hartmann Schacher, Bürgermeister.
  • George Winckler, kgl. poln. und kurf. sächs. Rat und Bürgermeister.
  • Johann Jakob Käse, kgl. poln. und kurf. sächs. Justisienrat und Baumeister.
  • Andreas Dietrich Apel, Handelsmann.
  • Dr. Johann Heinr. Mylius, kgl. poln. und kurf. sächs. Appellationsrat.
  • Frau Rosina Elisabeth Bosin, Witwe des Senators George Bose.
  • Johann Ernst Kregel, Vornehmer des Rats und Baumeister.
  • Peter Hohmaun, Baumeister.
  • Caspar Bose, Senator.
  • Dr. Abraham Christoph Platz, kgl. poln. und kurf. sächs. Appellationsrat, Oberhofgerichts-, auch Schoppenstuhlsassessor und Bürgermeister.
  • Heinrich Kampfhof, Handelsmann.
  • Frau Susanna Sophia Wincklerin, Witwe des Senators Christoph George Winckler.
  • Johann Martin Hemm, Weinschenck.
  • Johann Gottfried Heydenreich, Juwelirer.
  • Johann Gerhard Berthold, Handelsmann.
  • Johann George Michael Teutscher, Medic. pract..
  • Frau Rosina Güldin, Witwe des Handelsmanns Christoph Andreas Gulde.
  • Gottfried Otto, Senator.
  • Dr. Quintus Septianus Florens Rivinus, kgl. poln. und kurf. sächs. Appellationsrat, Oberhofgerichts- und Schoppenstuhlassessor und Bürgermeister.
  • Emmanuel Eckold, Handelsmann.
  • Johann Philipp Kobb, Handelsmann.
  • Frau Susanna Rosenfeld, Handelsmanns Witwe.
  • Frau Anna Marg. Martini, Handelsmanns Eheliebste.

Selbst ein besonderes Gesangbuch wurde 1717 von dem Prokonsul Adrian Steger besonders nach dem großen Dresdener, Leipziger und Merseburger Gesangbuch zusammengestellt und an die Armen verschenkt. Leider ist dasselbe nicht mehr vorhanden. Es mag wohl besonders die neu entstandenen Lieder aus pietistischen Kreisen mit enthalten haben. Unter dem 4. Mai 1718 wurde der Gebrauch desselben in der Peterskirche vom Konsistorium genehmigt, auch gestattet, daß dasselbe „zu besserem Gebrauch mit gewissen Nummern" versehn werde. Dagegen wurde die –  jetzt allgemeine, damals also noch ungewohnte – Sitte, die Nummern auf Liedertafeln bekannt zu machen, gemißbilligt. Der Präcentor solle nur anstimmen oder es könne auch der Geistliche das zu singende Lied angeben.

So war die Peters mit einem Schlage ans ihrer Vergessenheit in die Mitte des kirchlichen Lebens der Stadt gerückt worden. Das Hauptverdienst darum kommt dem ersten Katecheten zu. 

Ein eigentümlicher Mann, dieser M. Adam Bernd, wie er uns aus der ausführlichen Lebensbeschreibung, und mancherlei über ihn, was von ihm, wie es sich in den Akten des Rates und des Ephoralamtes vorfindet, hervortritt! Alle Lichtseiten und Schattenseiten des späteren Pietismus finden sich an ihm – leider auch die letzteren, und nicht sie allein. Er war Zeit seines Lebens um sein geistliches, wie um sein leibliches Wohl mit krankhafter Ängstlichkeit besorgt. Wie ihn die mannigfachsten Leibesübel bedrücken, so weiß er sich auch von inneren Anfechtungen und tiefer Schwermut heimgesucht und bringt beides in Zusammenhang miteinander. Er bricht in Freudenthränen aus, wenn ihm der Geistliche im Beichtstuhl Absolution zusichert, aber nicht minder kann er triumphieren, wenn er irgend ein Heilmittel für seine leiblichen Beschwerden andern empfehlen kann. Er war Zeit seines Lebens unverheiratet und darum an die „minima." des Lebens über Gebühr hingegeben, ein Hypochonder und Melancholiker „vom Kopf bis zum Fuß". Er wird nicht müde, bei seiner kargen Besoldung im Anfang nicht ohne Grund, den Rat um Zuschuß zu bitten, zumal da die Studenten, an welche er anfangs einen Teil seiner geräumigen Wohnung vermietet hatte, wegzogen; er hatte ihnen verboten, weltliche Lieder zu singen. 

Nicht minder überschwänglich ist er dann im Danken. Als man z. B. den Gehalt der Katecheten aus Gulden in Thaler verwandelt hatte, spricht er den Wunsch aus, „so möge Gott dem Magistrat die Thaler in Dukaten, die Dukaten in Edelgesteine, die Edelgesteine in Weise-Steine, die Welt in den Himmel verwandeln". Wenn er erkältet ist, predigt er 7/4 Stunden lang, um sich gesund zu machen. Ebenso aber kann ihn ein großer Hund, den er vor der Sakristei sieht, so voller Todesangst machen, daß; er nicht länger als dreiviertel Stunden predigen kann. Er ist voll Selbstbeobachtung, dabei voll innigen Mitleids mit ähnlich angefochtenen Seelen, von denen er geheimnisvolle Geschichten zu erzählen weiß. Aus seiner ungemein breiten Lebensbeschreibung erfahren wir viel über ihn, wenig über seine Zeit. 

Was hat diesem Manne so unerhörten applausum verschafft, wie er selbst sagt, daß oft 40 Kutschen vor der Thür der Peterskirche hielten und diese allgemein „die Magnatenkirche“ genannt wurde? „Ich hatte", so meint er, „selbst schon dem Tode, der Sünde, dem Teufel und der Höllen im Rachen gesteckt, und konnte von diesen Dingen viel besser, als ein andrer, aus der Erfahrung lehren und predigen." Seine Predigten waren, wie man ihm vorwarf, moralisch, wir würden sagen praktisch, gegenüber der dogmatischen Predigtweise seiner Kollegen. Er betonte Wahrheiten und Lehrsätze, „die zwar von unsern Kirchen niemals geleugnet", aber damals wenig berührt wurden. Z. E.: „Es ist unmöglich, daß ein Sünder bei einem gottlosen Leben kann selig werden und zu Gott kommen. Wenn einer zu Gott kommen will und läuft den irdischen Gütern nach, das ist eben so thöricht, als wenn einer hier gegen Mittag zu hinaus reisete und wollte vorgeben, er reisete nach Halle zu." 

Er redet weniger von den willkürlichen Strafen Gottes an dem Sünder, als von den natürlichen, welche für Zeit und Ewigkeit durch ein natürliches Band mit der Sünde verknüpft sind; Gott kann den gar nicht selig machen, der hier in Sünden fern von ihm lebt. Diese Wahrheiten entwickelte er nicht nur aus den gangbaren Hauptsprüchen, sondern wußte sie überall zu finden. Gleich im ersten Jahre kamen nach einer über I. Mos. 5 (Geschlechtsregister von Adam auf Noah) gehaltenen Nachmittagspredigt die Bürgermeister und andre vornehme Herren zusammen und drückten ihm durch Dr. Plaz schon in der Sakristei ihr „Vergnügen" über die gehaltene Predigt aus. 

Eine angesehene Frau, Gattin des D. Drechsler, läßt ihn an ihr Sterbebett kommen, ebenso wie vorher eine Gärtnerin in ihrem Hause. „Sie hätten mich nicht zu sich kommen lassen, sprachen sie, irgend welchen Trost auf ihrem Sterbebette von mir zu begehren, sie wären damit in ihrem Herzen überschwenglich erfüllet; sie hätten nur gewünscht, vor ihrem Ende noch den zu sehen und zu sprechen, der so offt in Predigten ihr Hertz und Seele mit himmlischer Freude erquicket, und zu ihrem Wachsthum im Christenthum und Standhafftigkeit im Leiden, und Trübsaalen so ein großes beygetragen."

Leider hatte Bernds Wirksamkeit ein unerwartetes Ende. Von Anfang an hatte man ihm mancherlei Ungewohntes zum Vorwurf gemacht, wie daß er bereits am Pfingstfest l713 statt des gebräuchlichen lateinischen: Spirit soneti gratia das Paul Gerhardtsche Lied: „Zeuch ein zu deinen Thoren" hatte singen lassen. Schon 1718 ist es dem Konsistorium zu Ohren gekommen, daß die Katecheten in der Peterskirche sich beim An- und Abzug ungewohnter Expressionen bedienen. Schwerer wiegt der Umstand, daß er schon bei seinem Antritt Gewissensangst hatte, den Religionseid auf die Concordienformel zu schwören, weil seiner Ansicht nach „der Unterschied zwischen Lutheranern und Papisten kein fundamentaler und der Streit über die Rechtfertigung ein bloßer Wortstreit" sei. 

Er hat sich durch den Gedanken beruhigt, „daß er ja die einzelnen Lehrpunkte seiner Kirche glaube, wenn er auch das System, das Gebäude, die Zusammensetzung und die Rangierung der Glaubens-Articul vor nicht so gut, als das System und Glaubens-Gebäude der Römischen Kirche ansehe." Seine katholischen Neigungen stammen, wie er selbst meint, aus seiner schlesischen Heimat, nebenbei auch aus der katholischen Mystik eines Ruysbrook u. a., mit der er eingestandenermaßen sich viel beschäftigt hat und die auch sonst nicht unbedeutenden Einfluß zu jener Zeit gehabt hat. 

Die „englischen Bücher", deren Benutzung man ihm vorwirft, wohl die asketischen Schriften des 17. Jahrhunderts, mit ihrem oft schon methodistischen Geist, haben nicht dazu dienen können, ihn in der Auffassung der evangelischen Rechtfertigungslehre zu vertiefen. Die Vorsicht, welche ihn anfangs in den Predigten seine besonderen Meinungen zurückstellen ließ, gab er allmählich mit infolge zunehmender Kränklichkeit und Gereiztheit auf und erweckte damit mancherlei Widerspruch. 

Da erschien 1728, anonym, vom Pfarrer Hcinsius in Plaußig, einem früheren Katecheten, verlegt: „Christiani Methodii, Einfluß der göttlichen Wahrheiten in den Willen und das ganze Leben des Menschen, Helmstädt und Leipzig 1728", eine Vertheidigung der katholischen Rechsfertigungslehre. Das Buch machte großes Aufsehen. Pfarrer Heinsius wurde abgesetzt. Man suchte den Verfasser unter den Schülern und Verehrern Bernds. Bald wurde bekannt, daß er selbst es sei. Eine lange Reihe von Irrlehren wurde in Gutachten des Superintendenten, des Konsistoriums, der Beisitzenden aus dem geistlichen Ministerium der Stadt ihm vorgeführt, wahrlich genügend, um die Einleitung einer Untersuchung gegen ihn zu rechtfertigen. 

V. E. Löscher, der Dresdner Oberhofprediger, auf dessen Timotheus Verinus Bernd sich selbst einmal berufen hatte, wies in seiner ernsten und doch milden Art darauf hin, daß dem Unfug gesteuert werden müsse. Um den gegen ihn gerichteten Anklagen zuvorzukommen, legte Bernd selbst am 20. Oktober 1728 sein Amt nieder, nachdem schon am 19/21. August die Suspension durch kurfürstliches Reskript erfolgt war. – Es nimmt sich eigentümlich aus, wie der selbst katholisch gewordene Kurfürst August sein „höchlichstes Befremden ausspricht, wie „dieser Mann sich so vergehen und dem göttlichen Wort, denen libris symbolicis der Evangelischen Kirche, auch unseren Landesverfassungen und von ihm abgelegten Religionseide so streng entgegen zu schreiben sich unternehmen dürfen". 

Der Rat nahm Bernds Resignation an und versprach ihm eine wöchentliche Pension von 2 Thlr. 18 Gr. Doch schon am 21. Dezember 1728 und dann am 3. April 1729, als sein Nachfolger designiert worden war, nahm dieser die Resignation, die in statu perturbatissimi geschehen sei, wieder zurück. Seine Freunde hatten seinen Gehalt aus eignen Mitteln zu bestreiten versprochen. Man ging darauf nicht ein. 1730 war bis nach Dresden das Gerücht gedrungen, daß; Bernd rings auf den Dörfern predige, auch theologische Collegia, zu welchen er gar nicht berechtigt sei, gelesen habe. Wir begegnen dabei der – allerdings von Sup. Deyling als irrig bezeichneten – Meinung, ein hiesiger Prediger dürfe schon als solcher Collegia lesen. Nach ephoralem Gutachten vom 30. September 1730 wird ihm die Erlaubnis zu predigen und theologische Vorlesungen zu halten entgültig entzogen, dagegen in seiner Eigenschaft als Magister philosophiae ihm gestattet, die humaniora Collegia stili, historiam sacram et profanam, wie auch die abend- und morgenländischen Sprachen zu docieren. 

Allein bis zu seinem im Jahre 1748 erfolgten Tode begegnen wir den im alten Ton gehaltenen Klagen und Bitten an den Rat, zuletzt nicht einmal von seiner Hand geschrieben, welche noch im Jahre 1736 damit begründet wurden, daß ihm der Umgang mit seinen früheren vornehmen Zuhörern einen außergewöhnlichen Aufwand verursache.

Seine Nachfolger Christian Weise (1729 – 31), Romanus Teller (1732 – 37), Carl Gottlob Hofmann (1737 – 39), Johann Paul Ram (1740), Romanus Teller (1740 – 45), Christian Gottfried Matthesius (1745 – 47) waren insgesamt nur kurze Zeit da und siedelten dann nach verschiedenen Stellungen an den andern Kirchen der Stadt über. Romanus Teller wurde Subdiakonus an St. Thomä, ging aber dann, weil er inzwischen Professor geworden war und diese Thätigkeit mit der weniger arbeitsvollen Stelle eines Katecheten besser vereinigen zu können glaubte, wieder nach St. Petri zurück. Er wurde dann Pastor an St. Thomä. 

Die Bedeutung der Kirche und der mit derselben verbundenen Ämter hat durch den Wechsel nicht gelitten, wie wir aus den fortdauernden Gesuchen um Kapellen und Kirchenstände und dem wachsenden Vermögen ersehen. Nach Matthesius' Weggang konnte man den Günstling des damaligen Oberkonsistorialpräsidenten Grafen von Hohendorf, den Superintendenten von Dobrilugk, Ernst Johann Friedrich Bahrdt, berufen, welcher bis zum Jahre 1773 an der Kirche blieb und dann Superintendent wurde. Und von der Stellung der Katecheten um jene Zeit sagt dessen später zu nennender Sohn Karl Friedrich Bahrdt in seiner Lebensbeschreibung, leichtfertig wie immer, aber doch hierin nicht unglaubwürdig: 

„Dieses Amt war das reizende Ziel aller jungen Männer in Leipzig, welche sich der Gottesgelahrtheit gewidmet und nur einigen Muth hatten, sich über den gemeinen Weg der Kandidaten zum Pfarrer emporzuschwingen. Es waren zwar nicht mehr als 40 Thaler Besoldung damit verbunden, und dafür mußte man oft ein Jahr lang den Bürgermeistern und Rathsherren hofiren, den stolzen, und beim Vorsteher sehr hoch angeschriebenen St. Petri-Küster kascholieren, die Ausreuter komplimentiren, und dann – wenn man die hohe Ehrenstelle endlich errungen hatte, alle sechs Wochen eine Predigt und alle vierzehn Tage eine Kinderlehre halten, und – alle Neujahrstage in corpore herumziehen, und den Konsuln, Prätoren, Ädilen und Kirchenvorstehern einen Neujahrwunsch beten. Auch mußte man von diesen : 40 Thalern sich stäts in seiner schwarzer Kleidung und netter Stuzperrücke halten und im Mantel und Schleppchen einhergehen. Dennoch aber war diese Stelle der süßeste Gedanke und heißeste Wunsch so manches jungen Mannes, weil er in derselben sich geehrt, in allen Familien zutrittsfähig und jeder Schönen der Aufmerksamkeit würdig sahe."

Von den Leiden des siebenjährigen Krieges, der in die Amtszeit Bahrdts fiel, ist Leipzig nicht unmittelbar und darum die Peterskirche gar nicht berührt worden. Aus ihrem Vermögen aber haben Staat und Stadt wiederholte Anleihen gemacht, um die hohen preußischen Kriegskontributionen zu bezahlen. „Bei Gelegenheit des von dem lieben Gott unserm Vaterlande geschenkten Friedens (des  Hubertusburger Friedens 1763) hatten sich einige christliche Herzen zu Leipzig mildthätig erwiesen und zur Ehre Gottes gegenwärtig eine Collecta von 800 Thalern zur Erbauung einer Orgel in der Kirche zu St. Petri ausgebracht." 

Diese Summe war 1766 auf 865 Thaler gestiegen und die Kosten der Orgel auf 1500 Thaler, des Orgelchors auf 450 Thaler durch deu Orgelbaumeister Schweine-fleisch festgestellt worden Ein Gesuch an den Rat, das fehlende zuzuschießen und die Orgel auf seine Kosten zu bauen, wurde – so knapp waren damals die, Mittel in Leipzig – dahin beantwortet: „Bei bewandten Umständen könne ein hochw. Rath den Orgelbau nicht übernehmen und sey eher auf Vermehrung deren Stühle, als auf Anlegung einer den Platz wegnehmenden Orgel zu denken, im übrigen habe der Cantor einen tüchtigen Präcentor zum Liederanfangen in die Kirche zu schicken (Beschluß vom 27. August 1766). – Zwei Jahre darauf wurde die hier geäußerte Absicht, noch mehr lösbare Kirchenstühle anzubringen, ausgeführt, ohne daß D. Bahrdt vorher davon Kunde erhalten hätte. Da schreibt derselbe unter dem 28. Dezember 1768 in großer Erregung an den Rat, er habe eben anonym beiliegendes Schreiben erhalten. Dasselbe ist wert der Nachwelt überliefert zu werden. Es lautet so:Den 28. December 1768.

Hoch Edler, Insonders Hochgeehrster Herr Doctor,

Sie nehmen nicht ungüthig, daß wir uns mit dieser zuschrifft an Ihnen wenden, allem was der mund voll das geht das Herz über, wir armen Schaffe wenden uns daherr zu sie als unsern Hirten welcher uns nun in die Einundzwantzig Jahr treu und fleisig geweitet, Aber Ach Gott nunmehro aber seine armen Schaffe zur Kirche nausweiset. Sie haben uns unsrer Stellen beraubt und den Reichen dieser welt gegeben, dieses kan unsern Heilande unmöglich gefallen, den er saget ja den armen wirt das Evangelium gepredigt. Es ist kein Plaz mehr vor uns da denn sie haben Stühle hingebaut und treiben wucher, wir wünschen das der Herr die eucherer Stühle in seinem Grimm umstoße, den er hat Schon beym dem Ersten seyn Mißfallen zweymal bezeigt, hat gett die Kirche Etliche Fünfzig Jahr Erhalten so würte er es auch ferner nicht haben fehlen lassen. Sonsten konnten doch arme und reiche zu diesen Hause wallen gehn, aber jezo ist es nur ein Tempel vor die Reichen, mid die armen weiset man weg gleich als wen die armen Gottes wort nicht wehrt wären, wie offte haben wir uns nach den Sontage gesehnt nur von Ihnen gelehrt zu fein und in unsrer Mühe und arbeit getröstet zu werten, ach Gott wir armen Schaffe müssen nun hinaus dieweil unsres vermögen nicht hinlänglich die Stellen zu bezahlen, das sei gott geklagt. 

Sie fragten uns beim Beschluß des Kirchenjahres, ob wir Ihnen oder dero Lehre Überdrüßig, und unsre Thränen versicherten Ihnen das Gegentheil und nunmehr fragen wir Ihnen, ob es nicht am tage ligt das sie um die armen nicht so besorgt als um die Reichen, wollen sie antworten, Es kähme nicht auf sie an was der vorstöher anortne, gut wir glauben auch dieses, allein es ist auch ein theil ihrer Pflicht vorzustellen das man den armen nicht ganz vertreibe, denn der Heyland rufst uns zu die wir Kein gelt haben umsonst kausfen; Es bleibt uns hier also nichts übrig, wie ofte haben wir auf unsern Knien gelehgen und gott mit Thränen um gesundheit und Langesleben vor Ihnen angeruffen welches die Reichen wohl nicht gethan, wir nehmen also Insgesamt wehmütigst abschidt und danken vor der Mühe Fleiß und treue Lehre werden auch inskünftig nicht aufhören von dem wohl und langes Leben zu bebten dero armen vertriebenen Schaffe."

D. Bahrdt droht nun, er werde bei umstehenden Neujahrswünschen der Pfleger dieses Gotteshauses mit keinem Worte gedenken, vielmehr öffentlich bezeugen, „daß ich keinen Theil an ihrer Verfassung nehme". Unter dem Aktenstück ist bemerkt: 1. Jan. 1769 Ist von Herr D. Bahrdten in seiner Frühpredigt hiervon nichts verwehnet werden, innwessen ich darauf attendirt habe, P. F. Albrecht, OStdtschr." Auch sonst scheint das Schreiben keine Folgen gehabt zu haben. Kurz nachher, am 9. Mai 1769, war auch durch zweijährige Verhandlungen die  vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen der Kirche und der Einnahmestube des Rates erfolgt. 13 688 Thlr. 14 Gr. 6 Pf., nämlich 13 489 Thlr. 20 Gr. 6 Pf. Baukosten für die Kirche und die an deren Stelle für die Soldaten gebauten vier Baracken und 195 Thaler 13 Gr. für die später erfolgte Verankerung des Gewölbes wurden an die Stadt zurückbezahlt oder vielmehr von dem unter Verwaltung des Rates befindlichen Gesamtvermögen der Kirche im Betrage von 38 200 Thlr. der Kirche nicht mehr verzinst. 

Die bis dahin aufgelaufenen Zinsen, welche die Stadt eigentlich zu fordern gehabt hätte, wurden als Douceur für Gewährung eines Ratsstuhles erlassen. Das übrige Kirchenvermögen betrug 24 514 Thlr. 9 Gr. 6 Pf. Ob das wiederholte Spielen in der Lotterie – so wurden 1750 Lose zur Torgauer Turmbaulotterie, 1756 100 Stück Lose, 1764 25 Lose der sächsischen Landeslotterie aus dem Kichenärar genommen – zu diesem Vermögenszuwachs beigetragen, ist sehr zweifelhaft. Übrigens scheint nicht Spekulationstrieb, sondern der Wunsch, die, gestörten Finanzen und gemeinnützige Zwecke durch Beiträge aus dem öffentlichen Besitz gehoben zu sehn, dies wenig passende Verfahren veranlaßt zu haben.

Um jene Zeit wurde auch der sogenannte „kleine Fiskus" gegründet, eine Witwenknssc, an welcher außer dem Oberkatecheten die beiden Diakonen an der Neukirche und die ältesten Lehrer der Thomas- und Nikolaischule beteiligt sind. Den Grundstock bildete ein Legat der Rosine Elisabeth Richter vom 1. Juli 1761, das erste Statut ist vom 4. April 1764.

Da D. Bahrdt zugleich als Professor an der Universität sehr thätig war, ja, als solcher sogar in der Paulinerkirche mit zu predigen hatte, suchte er 1766 unter Hinweis auf seine Kränklichkeit um einen Substituten nach. Sein damals 26jähriger Sohn Karl Friedrich Bahrdt wurde ihm als solcher bestellt. Es war ein sehr begabter, aber eitler und oberflächlicher, in Wissenschaft und Leben leichtfertiger junger Mann. Er erzählt selbst, wie er als Privatdocent Kollegien angekündigt habe, über deren Gegenstand er keine Spur gewußt, sondern sich vor jeder einzelnen Stunde notdürftig habe unterrichten müssen. Seine Predigten wurden eifrig besucht. 

Doch bald verwickelte ihn sein unsittliches Leben in einen Prozeß – der Gang desselben ist in den Akten der Peterskirche genau berichtet  – infolge dessen er durch ein Dekret des Prinzen Xaver vom 14. März 1768 abgesetzt wurde. Auf seinen abenteuerlichen Lebensgang, der ihn als Professor nach Erfurt und Gießen, als Leiter eines Erziehungsinstituts nach Graubündten, als Generalsuperintendenten und wiederum Gründer eines sogenannten Philanthropins nach Dürkheim in der Pfalz, auf Reisen nach Holland und England und endlich als Lehrer der Moral und Weinbergswirt nach Halle führte, waren die Blicke von ganz Deutschland gerichtet. Sein unsittliches Leben und seine freigeistischen, ja leichtfertigen Schriften zogen ihm bis zu seinem 1792 erfolgten Tode überall Verfolgung und Absetzung zu. Es ist ein trauriges Verhängnis, daß der Name des würdigen Vaters, welcher 1773 Superintendent wurde, eigentlich durch seinen berüchtigten Sohn am bekanntesten geworden ist.

Die folgenden Jahrzehnte, während deren das kirchliche Leben überhaupt in dem Gedankenkreis unsres Volkes zurücktrat, haben auch für die Peterskirche nichts bemerkenswertes gebracht. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde unter der Amtsführung M. Jde's (1773 – 1805) endlich die langersehnte Orgel für 1260 Thlr. beschafft und am Michaelistag 1799 von dem ersten Organisten an der Kirche Adolf Heinrich Müller zum erstenmal gespielt. Sie war ein Werk des Orgelbaumeisters Trampel aus Adorf, Trampeli genannt, mußte jedoch bereits 18 l6 für 500 Thlr. repariert werden. Zugleich wurde eine neue Kanzel beschafft. Am 10. April 1804 wurde eine Reparatur der ganzen Kirche für 3209 Thlr. 13 Gr. ins Werk gesetzt.

Jde's Nachfolger wurde der Oberkatechet Meißner, in dessen Amtszeit die für Leipzig so verhängnisvollen Kriegsjahre fallen. Am Tag vor der Schlacht bei Jena (13. Oktober 1806) wurde die Thomaskirche von den Franzosen als Magazin benutzt, und zwei Jahre, zwei Monate lang  – bis Ende 1808 – wurde der Gottesdienst der Thomaskirche nach der Peterskirche verlegt. Im Monat März 1812 besetzten wiederum französische Truppen die Johanniskirche und die Peterskirche und benutzten sie, ebenso wie die Nikolaischule, als Magazin. Nach der Räumung durch die Franzosen lagen beide Kirchen zunächst noch öde da, und nur auf wiederholtes Drängen des Konsistoriums zu Dresden wurde zuerst die Johanniskirche, dann die Peterskirche wieder hergestellt. 

Am 25. post Trin. wurde der erste Gottesdienst und zugleich eine Jubelfestpredigt zur Erinnerung an die vor 100 Jahren erfolgte Neugründuug der Kirche von dem Oberkatechet Meißner gehalten. Es war wenige Monate vor dessen Tode.

Am 15. post Trin. 1813 hielt Meißners Nachfolger, Friedrich August Wolf, geb. 1784 in Leipzig, Sohn des damaligen Subdiakonus zu St. Nikolai, späteren Archidiakonus zu St. Thomä, dann Pfarrers zu St. Nikolai und ordentlichen Professors Joh. Aug. Wolf, seine Probepredigt, und zwar, weil der Gottesdienst in der Thomaskirche, wo die Probepredigten in der Regel gehalten wurden, wieder durch den Krieg gestört war, nicht in der Thomaskirche, sondern in der Peterskirche selbst. 

Am 18. post Trin. (es war am 10. Oktober) wurde von der Kanzel abgekündigt, daß am nächsten 19. Trinitatissonntag, also am 17. Oktober, Wolfs Einweisung und Antrittspredigt stattfinden werde. Doch als dieser Tag kam, der Sonntag zwischen den beiden großen Schlachttagen, war für kein Werk des Friedens in Leipzig Raum. Alle Kirchen, mit Ausnahme der Nikolaikirche, waren zu Lazarethen benutzt. In die Peterskirche war am 25. September wieder der Gottesdienst der Thomaskirche verlegt, denn am 14. Oktober waren Effekten aus dem Magazin und die Kirchenstühle aus der zum Hospital bestimmten Neukirche geräumt worden. Vom 21. Oktober bis 9. März 1814 war sie selbst Hospital. Dann blieb sie 2 Jahre ungesäubert stehen, bis am 1. April 1816 die Erneuerung begonnen wurde. 

Wolf, dessen Predigt bald nach der Leipziger Schlacht seinen Ruf als Prediger zuerst begründet hat, konnte erst am 1. Advent (1. Dezember) 1816 in seine Peterskirche einziehen. Damit aber brach für die Peterskirche eine Zeit an, wie sie wohl seit den ersten Jahren Bernds nicht dagewesen war, nur von tieferem, nachhaltigerem Segen begleitet. Was hat Wolf diesen großen Einfluß und dies unauslöschliche Andenken verschafft, daß noch jetzt, 44 Jahre nach seinem Tode, ihm viele das Erwachen ihres geistlichen Lebens danken und manche die Mauern der alten Kirche mit Trauern sinken sehen, weil sie in den Tagen Wolfs dieselbe zuerst wiedergewonnen haben?

Wolf hat fast nichts selbst veröffentlicht. Um ein Bild von seiner Persönlichkeit zu gewinnen, ist man neben den Mitteilungen von Zeitgenossen wesentlich auf seine Predigten angewiesen, welche, meist nach seinem Tode, in 6 Bänden von M. Kritz an der Johanniskirche herausgegeben sind. Wer nun gehört hat, daß Wolf zu seiner Zeit als Vertreter des Mysticismus und Pietismus gegolten hat, gewinnt zunächst einen überraschenden Eindruck, denn diese Predigten sind klar und scharf logisch, geistvoll und gedankenreich wie wenige, bei großer christlicher Wärme und hoher Begeisterung, völlig frei von mystischer Schwärmerei und pietistischer Einseitigkeit. Man benannte eben mit jenem Namen das neuerwachte Glaubensleben, das in Wolf eine besonders kräftige Ausprägung gewonnen hatte. 

Noch in jener, am Reformationsfest 1813 gehaltenen, vielgenannten Dankpredigt für die Errettung der Stadt Leipzig: „Die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes bei der Wiederherstellung der allgemeinen Wohlfahrt“, mußte er sich in dem Bann rationalistischer Anschauungen und litt es darum nicht, daß dieselbe wieder gedruckt wurde. Die Feier des Reformations-Jubelfestes des Jahres 1817 aber führte ihn zur Beschäftigung mit den Schriften Luthers, daß er in einer seiner letzten Reformationspredigten 1836 sagen konnte:

„Ich selbst, ich müßte ein undankbarer Mensch sein, wollte ich vergessen und verleugnen; alles; was ich von Gottes Wort inne habe, habe ich meiner Kirche zu danken. Luther ist mir der menschliche Vermittler geworden, meinen Herrn und Heiland kennen zu lernen, der Ausleger seines Wortes, der mir zuerst die Schrift aufthat, die mir zuvor ein verschlossenes Buch war, der Mann des Lichts, der mir den Unterschied zwischen Menschenwort und Gotteswort zuerst recht klar machte, und daß ich nicht aus eigner Vernunft noch Kraft an Jesum Christum glauben oder zu ihm, meinen Herrn, kommen kann. 

Die Kraftsprache Luthers in seinen Schriften hat mich oft erbaut, erschüttert, erhoben, das Treffende seiner Urteile und Kernsprüche zur Bewunderung hingerissen, seine weisen Entscheidungen und Gutachten über viele Dinge aufgeklärt; aber das alles ist ein Geringes gegen die Erkenntnis Jesu Christi, zu der er mich hingewiesen hat. Und das ist und bleibt Luthers Hauptverdienst, daß er uns so stark auf Christum weiset, und niemals auf einen andren oder auf einen andern Grund unsers Heils, – daß er uns so stark auf Christum weiset mit seinem Beispiel als Christ, mit seinem Zeugnis als Prediger und mit dem siegreichen Erfolge seines Kampfes als wirklichen Reformator der Kirche, dem´s gelungen ist, die Herrlichkeit des Herrn abermal zu offenbaren.“

Überhaupt weiß er schlicht und ergreifend die Erfahrungen seines Lebens zu erzählen, wie wenn er in einer Predigt „über die Duldung“ einer heimgegangenen Katholikin gedenkt, welche, wenn sie zum katholischen Gottesdienst ging, ihre evangelische Tochter allemal erst zur Schwelle ihrer Kirche geleitete. Die grundlegende Erfahrung aber, von der er nicht müde wird zu zeugen, ist die: mir ist Erbarmung widerfahren.

Im Jahre 1810, als 26jähriger junger Mann, hatte er seine Schwester mit dem nachmaligen Pfarrer Zehme zu Großstädteln getraut, in einer Rede, die an Schleiermacher, wie er zur Zeit seiner „Monologe“ war, erinnert und welche schließt mit den Worten: „Gott erhalte eure Herzen rein und gut und weihe euer Leben zu seinem Eigentum und euer Haus zu einer Wohnung des Friedens und der Liebe, und richte in der trüben Stunde euren trüben Blick hinauf zu der ahnungsvollen heiligen Sternennacht und an das Kreuz des Erlösers!“ Im Jahr 1835, am silbernen Hochzeitstag, hat er den Geschwistern eine Rede über ihre einstmalige Traurede gewidmet: „Unser Glaubensbekenntnis über das religiöse Leben“, sagt er da u.a., „lautet heute noch wie vormals: Das ist doch die Seele der Frömmigkeit nicht, daß sie von Gott haben, sondern daß sie sich Gott geben will. Aber einen Zusatz hat es erhalten, der es seinem Grund und Wesen nach verändert. Das Vermögen, sich Gott zum Eigentum zu geben, ist die erste Gabe Gottes, mit der uns seine Liebe zuvorkommt, die wir aus der Fülle himmlischer Erbarmungen nehmen, wie wir lesen im ersten Kapitel des Briefes Pauli an die Epheser und in gar vielen Stellen der heiligen Schrift. Ihr findet auch am Schlusse meiner Rede das Kreuz des Erlösers; aber es steht nicht in der Mitte, und daß es seitdem in die Mitte eures Lebens getreten ist, dies ist es, was meinen Blick in den Bund eurer Herzen so hell und so freudig macht.“

Daß er selbst den Weg zum Glauben nach seinen verschiedenen Stationen kennen gelernt hatte, machte ihn fähig, andre auf diesen Weg zu führen. Seine Predigten sind apologetisch im besten Sinn des Wortes, und es erklärt sich daraus, daß viele Professoren aus allen Fakultäten zu seinen Zuhörern gehörten. In einer Predigt, wie etwa der „über das Kommen zu Jesu“ nach Joh. 6, 35 – 37, muß jeder, der die Wahrheit aufrichtig sucht, sich auf einen der vielen Wege, die doch ein Weg sind, hingewiesen sehen. Seine Sprache ist dabei edel und rein, mit vielfachen Anführungen auch von den Gebieten der Wissenschaft und der Literatur, besonders aber der geistlichen Liederdichtung und der Predigt, ausgestattet, wobei er z. B. in Äußerungen Reinhards und Strivers, die er nebeneinander stellt, seiner Zeit einen Spiegel vorhält, immer fesselnd für gebildete Hörer, wenn es aber weniger gebildeten oft schwer geworden sein mag, seinen Gedankengängen zu folgen, so fanden dieselben, zumal gegen Ende, ganze Abschnitte, in denen seine Stimme prophetisch mächtig und kindlich einfach, jedem verständlich wurde. 

Wolf predigte meist synthetisch, d. h. er nahm sich aus seinem Text einen Hauptgedanken, welchen er dann, ohne viel nach dem Einzelnen im Schriftwort zu fragen, nach den Regeln der Rhetorik und der Logik auslegte. Es war dies die Predigtweise seiner Jugendzeit, als deren Meister der Oberhofprediger Reinhard in Dresden galt. Zwar wußte er diesen Gedanken meisterhaft zu fassen. Man kann nicht textgemäßer predigen, ohne doch den Text viel zu berühren, als z. B. in einer Reformationsfestpridigt über Psalm 90, 13 – 17 mit dem Thema: „Von der stillen Wemut, mit welcher Freunde der Wahrheit das Stiftungsfest der evangelischen Kirche feiern.“ 

Allein aus dem Geist der Schrift, nicht aus irgend einem System, sind alle seine Predigten geboren, auch die rein synthetischen brechen oft die Fesseln der Form und bieten reiche Schriftauslegung bis in das einzelne, und manche Texte hat er analytisch, d. h. so behandelt, daß dem Gange des Textes nachgegangen wird, freilich dann ohne eine äußerlich bemerkbare Disposition. Und doch ist seine Predigtweise der Gemeinde unsrer Zeit fremdartig geworden. Nehmen wir hinzu, daß seine Predigten, besonders die Einleitungen länger sind, als es uns gewohnt ist, daß er meist in überaus langen Perioden spricht, daß sie dem Leser oft eine große Gedankenarbeit zumuten, eine größere als sonst dem Hörer, dem der Eindruck der lebendigen Persönlichkeit zu Hilfe kam, und daß diese Gedankenarbeit vielfach dem Beweis von Wahrheiten gilt, die für jene Übergangszeit wohl des Beweises bedürftig waren, während sie der gläubigen Gemeinde unsrer Tage feststehen, so begreifen wir, daß, während Wolfs Name durch lebendige Erinnerung noch auf vielen Lippen ist, seine Predigten als Erbauungsbuch nur äußerst selten gefunden werden. Sie verdienen aber reichlich von den Denkenden in der Gemeinde, insbesondere auch von denen, die selbst predigen lernen wollen, gelesen, ja studiert zu werden.

Man merkt es diesem Prediger an, daß er auch in der Wissenschaft heimisch ist. Ein Schüler auch der griechischen Meister hat er 1818 einen Ruf als Professor nach Königsberg, vorher einen solchen nach Bonn erhalten. 1836 wurde er von den theologischen Fakultät zum D. theol. honoris causa ernannt, und als das Kandidatenexamen in Leipzig eingerichtet wurde, ward er einer der Examinatoren. Einer seiner dankbaren Zuhörer, selbst Geistlicher, erzählt, während er früher durch den Verdacht des Mysticismus und Pietismus von seiner Kanzel ferngehalten worden sei, sei er bei dem Zuhören eines Kandidatenexamens durch den geistvollen Lehrer dergestalt gefesselt worden, daß er von da ab bei keiner seiner Predigten gefehlt habe.

Gewinnend war der Eindruck schon seines Auftretens. Alles war erbaulich an ihm, sein leuchtendes ernstes, mildes Angesicht, seine klare, volltönende Stimme, sein ruhig würdevoller Vortrag. Was Wunder, wenn, obschon er amtlich nicht zur Seelsorge verpflichtet war, doch viele seine Stube aufsuchten, daß oft das Mittagsessen auf ihn warten mußte, weil er die Rat- und Hilfesuchenden nicht vor der Zeit entlassen wollte? Auch die kirchliche Vereinsthätigkeit hat an ihm einen ihrer ersten Förderer gefunden. Er ist ein Mitbegründer des evangelischen Missionsvereins, des ältesten in Leipzig, und 1828 wurde das erste Bibelfest in der Peterskirche, wohl das erste in Leipzig, von ihm abgehalten. 

Aber, wie der spätere Generalsuperintendent Fritzsche von ihm sagt: „Wolfs Leben und Wirken war vorzugsweise auf die Predigerthätigkeit als seinen Hauptberuf und Mittelpunkt beschränkt, und alles andere, was er in engerem oder weiterem Kreise als akademischer Lehrer, als Freund und Ratgeber der unter seiner Leitung stehenden Vereine geschaffen, gefördert, angeregt hat, ist von ihm selbst zu diesem seinem Amte in enge Beziehung gestellt worden.“

Am 1. Pfingstfeiertag 1839 – es war der dreihundertjährige Gedenktag der Reformation in Leipzig – hat er zum letztenmal gepredigt, - über Apostelgeschichte 2, 36 – 41. Nach länger als zweijähriger Brustkrankheit starb er am 11. August 1841. Die Teilnahme der Gemeinde war nicht minder groß, als wenn er eben erst seine Kanzel verlassen gehabt hätte. An seinem Grabe sprachen Diakonus Rüdel, sein Beichtvater, Kirchenrat Meißner und im Rahmen der Katecheten M. Gurlitt. Sein Gedächtnis bleibt in Segen und wird aus seiner alten Peterskirche in die neue mit hinüber ziehn.

In den Ratsakten von 1831 findet sich eine gekrönte Preispredigt über Psalm 46 für den zweihundertjährigen Gedenktag der Schlacht bei Breitenfeld. Der Verfasser war der damalige Pfarrer zu Knauthain mit Rehbach M. Wilhelm Naumann. Dieser wurde 1842 zu Wolfs Nachfolger berufen, der letzte Oberkatechet, welcher als solcher verstorben ist. Unter seiner Leitung erhielt das Katecheticum seine letzte endgültige Regelung. Der Arbeitskreis desselben war ursprünglich ein so geringer, daß es mehr als Bildungsstätte für junge Theologen und der gezahlte Gehalt als Stipendium bezeichnet wurde. 

Die Katecheten waren meist Lehrer an den hiesigen Schulen oder auch Dozenten an der Universität. Mit dem Wachsen der Stadt und der kirchlichen Bedürfnisse wuchsen die ihnen zugewiesenen Pflichten, zu welchen auch die Vertretung der Stadtgeistlichkeit gehörte. Daher vom letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts an Jahr für Jahr die Klagen, daß es bei der vermehrten Arbeit nicht mehr möglich sei, ein genügendes Nebenamt zu bekleiden. Der Rat gewährt denn auch gegen jedesmaliges Anhalten eine jährliche Subvention. Diese Anhalteschreiben sind bis zum Jahr 1815, wo sich das erste in deutscher Sprache findet, jedesmal lateinisch abgefaßt, und die Mannigfaltigkeit und Eleganz, mit welcher die Katecheten dieser wenig würdigen Aufgabe sich unterziehen, legt von ihrer klassischen Bildung ein rühmliches Zeugnis ab. Seit 1820 hatten sie auch den Gottesdienst in dem damals nach Propstheida eingepfarrten Connewitz zu besorgen, wo seit 1770 ein besonderer Katechet angestellt worden war. 

Die erste Umgestaltung des Instituts fand im Jahr 1829 statt, indem die Sonnabendpredigerstellen an der Thomaskirche und Nikolaikirche eingezogen wurden und je die beiden ersten Katecheten zu Sonnabendspredigern mit der Verpflichtung, in den alten Kirchen deren Dienst zu übernehmen, ernannt und als solche ordiniert wurden. (Instruktion vom Dezember 1829.) Nach unwesentlichen Veränderungen im Jahr 1844 wurde endlich am 1. Oktober 1859 die letzte endgültige Ordnung getroffen, nachdem seit 1854 auch die Abhaltung des Gottesdienstes in Lindenau – zur Parochie Leutzsch gehörig – den Katecheten zugewiesen war. Die Zahl derselben, welche zwischen 8 und 6 geschwankt hatte und 1829 auf 9 erhöht worden war, wurde auf 5 herabgemindert, dafür aber die Besoldung so weit erhöht, daß ihnen die Übernahme jedes Nebenamtes erspart werden konnte. 

Unter Naumann wurde auch 1. Advent 1849 die erste Abendmahlsfeier und 1851 die erste Konfirmation in der Peterskirche gehalten. Die Kommunikantenlisten weisen nach, wie besonders aus den akademisch gebildeten Kreisen viele M. Naumann zum Beichtvater hatten. Auch die erste Militärkommunion finden wir um diese Zeit (1855). Vorher war die Neukiche Garnisonkirche. Ebenso wurde das jetzt noch bestehende Verhältnis zum Taubstummeninstitut damals festgesetzt. So gebührt M. Naumann das Verdienst, die neue Gestaltung der Dinge vorbereitet zu haben, deren Durchführung erst unter seinem Nachfolger gelingen sollte.

Am Sonntag Exaudi 1865 hielt der vormalige Professor der Theologie an der Universität Kiel, D. Gustav Adolf Fricke, aus Leipzig gebürtig, seine Antrittspredigt über Hebr. 13, 84: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“, und bald darauf seine erste Vorlesung an der Universität „über Schleiermachers Leben und Lehre“. Noch nahezu 11 Jahre, mit der Unterbrechung im Jahre 1866 während seiner Stellung als Feldpropst der sächsischen Armee, war derselbe als Oberkatechet thätig, in Predigt, Beichte und wachsender Arbeit an den Konfirmanden wie in Leitung der wissenschaftlichen Übungen der Katecheten. Und diese Jahre waren angefüllt von Verhandlungen und Arbeiten, deren Ergebnis die Erhebung der Peterskirche zu einer Parochialkirche sein sollte.

Schon lange empfand man es als ungehörig, daß die immer mehr wachsende Stadt nur aus zwei Parochien bestehen sollte, zumal an der Thomaskirche war die Arbeitslast aufs ungeheure gestiegen. Das erste ausführliche Gutachten des Oberbürgermeisters Dr. Koch vom 2. Februar 1860 faßt die Peterskirche und Johanniskirche als Parochialkirchen ins Auge, und läßt es unentschieden, ob man nur eine oder beide als solche benutzen oder ob man beider niederreißen und an deren Stelle eine neue auf dem Lehmgrubenplatz (dem jetzigen Schletterplatz, also dem wirklichen Bauplatz der neuen Peterskirche) erbauen sollte. 

Schon damals nahm man eine oder zwei Parzellen an diesem Platz für die Wohnungen der Geistlichen in Aussicht. Seit 1868 fanden die auf Vermehrung der Parochien gerichteten Bestrebungen bei den damals gewählten Kirchenvorständen eine wirksame Förderung. Doch gab es noch manche Schwierigkeit zu lösen. Eine Zeitlang hatte man die Neukirche allein, dann in Verbindung mit jenen beiden anderen. Die Frage, ob vier oder fünf Parochien, wurde 1875 dahin entschieden, daß die Neukirche und die Peterskirche zu Parochialkirchen gemachte werden sollen. Am ersten Osterfeiertag 1876 ist die Peterskirche in diesen neuen Abschnitt ihrer Geschichte eingetreten.

Zu gleicher Zeit wurde das Katecheticum nach 163jährigem Bestehen aufgehoben. Auf die Frage der kirchlichen Behörde, ob nicht etwa stiftungsgemäße Zwecke dadurch geschädigt würden, konnte der Rat antworten, daß die Stadt und Kirchengemeinde Leipzig dieses Kollegium völlig aus eignen Mitteln gegründet und erhalten habe. Die Geschichte giebt Zeugnis, welcher Segen nicht nur für das kirchliche Leben Leipzigs, dessen Geistliche zum größten Teil, unter den gegenwärtigen noch zehn, ihm angehört haben, sondern für ganz Sachsen und über dessen Grenzen hinaus aus demselben hervorgegangen ist. Den Beweis dafür mögen eine Aufzählung der Männer bilden, welche von Anfang bis zu Ende ihm angehört haben. (Vgl.: Sächsische evangelisch-lutherische Kirchen- und Prediger-Geschichte von Albrecht. 1800 – 1802. Kreißig, Album der evangelisch-lutherischen Geistlichen im Königreich Sachsen, und die Ratsakten über die Peterskirche.)

Oberkatecheten und Frühprediger.

1)1711

Adam Berndt, geb. 1676 zu Breslau, 1728 suspendiert, † 1748.

2)1729

Christian Weiß, geb. 1703 zu Leipzig, † 1743 als Archidiakonus  zu St. Nikolai

3)1732

Romanus Teller, geb. 1703 zu Leipzig, † 1745 als Pfarrer zu St. Thomä hier

4)1737

Karl Gottlob Hofmann, geb. 1703 in Schneeberg, † 1774 als Generalsuperintendent in Wittenberg.

5)1740

Johann Paul Ram, geb. 1701 in Freiberg, † als Diakonus zu St. Nikolai hier 1741.

6)1740

Romanus Teller von neuem.

7)1746

Christian Gottfried Matthesius, geb. 1714 in Kemberg, † 1780 als Archidiakonus an St. Nikolai hier.

8)1747

Johann Friedrich Bahrdt, geb. 1713 zu Lübben, † 1775 als Pfarrer zu St. Thomä und Superintendent.

9)1773

Gottlieb Heinrich Jde, geb. 1735 zu Leipzig, † 1803.

10)1803

Joh. Heinr. Meißner, geb. 1755 zu Leipzig, † 1813.

11)1813

Friedr. Aug. Wolf, geb. 1784 zu Leipzig, † 1841.

12)1842

Wilhelm Naumann, geb. 1795 zu Freiberg, † 1864.

13)1865

Gust. Ad. Fricke, geb. 1822 zu Leipzig, seit 1876 Pfarrer zu St. Petri.

Katecheten und Nachmittagsprediger.

  1. 1712   Justus Gotthard Rabener, † 1731 als Diakonus zu St. Thomä.
  2. 1712   Joh. Jakob Kloß, geb. 1685 in Zöschen, † 1720 als Pfarrer zu Eutritzsch.
  3. 1712   Heinrich Rudolf Hartmann, geb. 1689 zu Leipzig, † 1749 als Diakonus in Zwickau.
  4. 1712   Joh. Dan. Jakobi, geb. 1687 in Erfurt, † 1730 als Superintendent zu Pegau. 
  5. 1712   Joh. Kaspar Kregel, geb. 1687 in Sangerhausen, † 1728 als subst. Subdiakonus an der Neukirche.
  6. 1712   Gottfried Conradi, geb. 1688 hier, † 1765 als Pf. zu Werda (Ölsnitz).
  7. 1712   Joh. Christ. Bierling, geb. 1688 in Altenburg, † 1758 als Pf. zu Luppa.
  8. 1712   Chr. Gottl. Meinig, geb. 1690 hier, † als Arzt in Altona.
  9. 1713   Joh. Georg Schuster aus Kamenz, † geisteskrank.
  10. 1713   Benedikt Gottlob Clauswitz, geb. 1692 in Großwiederitzsch, † 1749 als Professor zu Halle.
  11. 1714   Gottfr. Michaelis, geb. 1687 in Schortau, † 1753 als baccal. theol.
  12. 1715   Friedr. Gottl. Krantz, geb. 1691 in Schkeuditz, † 1751, als Diakonus in Taucha abgesetzt.
  13. 1716   Christ. Friedr. Lenz, geb. 1692 in Weißenfels, 1720 Prediger in Gera. 
  14. 1716   Benj. Holzapfel aus Naumburg, später Diak. daselbst. 
  15. 1716   Joh. Sam. Heinsius a. Guben, abg. als Pf. zu Plaußig, spät. Buchhändler.
  16. 1718   Georg Sam. Wagner, geb. 1693 in Liemehna, † als Sup. zu Wurzen.
  17. 1718   Jm. Friderici, geb. 1691 hier, dann Lazarethprediger, † 1766.
  18. 1721   Joh. Dav. Küttner, geb. 1693 in Pleißa, Pf. in Eutritzsch, † 1769.
  19. 1721   Gottl. Gaudlitz, geb. 1694 in Leisnig, Pf. an Nikolai, † 1745.
  20. 1721   Carl Fried. Petzold, geb. 1695 in Klobitz, Diak. zu St. Thomä, † 1746.
  21. 1721   Friedr. Wilh. Leemhaus von hier, Diak. in Dahme, † 1733.
  22. 1723   Romanus Teller von hier, geb. 1703, Pf. zu St. Thomä, † 1750.
  23. 1723   Joh. Balth. Avenarius, geb. 1700 zu Krötschau, Pf. zu Hohenprießnitz, † 1779.
  24. 1725   Adrian Brummer von hier, Pf. zu Technitz, † 1734.
  25. 1725   Christoph Wolle, geb. 1700 hier, Diak. zu St. Thomä, † 1761.
  26. 1725   Gottlob Friedr. Gude, geb. 1701 zu Lauban, P. prim. daselbst, † 1756.
  27. 1726   Gottlieb Keyselitz, geb. 1698 hier, Rektor in Sorau.
  28. 1726   Christian Weiß, geb. 1703 hier, Oberkatechet. 
  29. 1726   Joh. Christoph Hebenstreit, geb. 1698 zu Neustadt a. O., Sup. das., † 1766.
  30. 1727   Gottlob Schröer, geb. 1690 zu Ulbersdorf, Lehrer a. d. Thomasschule.
  31. 1728   Joh. Chr. Wendt, geb. 1706 hier, Sonnabendsprediger an St. Thomä, † 1735.
  32. 1729   Christian Gab. Bauer, geb. 1695 hier, Pf. zu Taucha, † 1746.
  33. 1729   Daniel Siegfr. Klaubert, geb. 1698 zu Reichenbach i. V., Oberdiak. an der Neukirche, † 1767.
  34. 1729   Christoph Sancke, geb. 1700 zu Guben, Subdiak. zu St. Nikolai, † 1752.
  35. 1734   Joh. Heinr. Scherzer, geb. 1710 hier, Pf. zu St. Georg, † 1759.
  36. 1734   Joh. Heinr. Wenzel, geb. 1706 zu Sayda, Pf. subst. zu Eisleben. 
  37. 1734   Conr. Bened. Hülse, geb. 1706 zu Köthen, Konrektor a. d. Thomassch., † 1750.
  38. 1734   Christ. Gottl. Eichler, geb. 1711 in Höckendorf, Pf. zu St. Nikolai, † 1785.
  39. 1735   Heinr. Christ. Voigt, geb. 1704 hier, Pf. in Taucha, † 1749.
  40. 1736   Joh. Christ. Fritsch, geb. 1707 in Stadt Jlm, Hofpred. in Schwarzburg.
  41. 1737   Joh. Andr. Philippi, geb. 1706 in Großenhain, Pf. in Aue, † 1781.
  42. 1737   Christian Gottfr. Huhn, geb. 1715 hier, Subdiak. zu St. Nikolai, † 1747.
  43. 1740   Joh. Jak. Bose, geb. 1713 hier, Archidiak. zu St. Thomä, † 1775.
  44. 1740   Christ. Gottl. Wolf, geb. 1715 zu Plauen i. V., Pf. zu Propstheida, † 1782.
  45. 1741   Christ. Ernst Schmidt, geb. 1715 in Rabenau, Sup. in Merseburg, † 1786.
  46. 1742   Christ. Heinr. Trappe, geb. 1719 in Tiefensee, Pf. zu Ostrau, † 1775.
  47. 1742   Christ. Sam. Forbiger, geb. 1714 hier, Pf. zu Johannis, † 1806.
  48. 1742   Joh. Gottl. Bürger, geb. 1715 zu Großnaundorf, Diak. zu Langensalza, † 1758.
  49. 1743   Joh. Georg Wagner, geb. 1715 zu Freiberg, Pf. zu Lichtenberg, † 1791.
  50. 1743   Joh. Peter Reinhart, geb. 1717 zu Hof, Konrektor daselbst.
  51. 1743   Joh. Michael Mehlig, geb. 1716 zu Dresden, Sup. zu Chemnitz, † 1777.
  52. 1743   Joh. Dan. Müller, geb. 1719 zu Schmalkalden, 1746 ausgetreten.
  53. 1745   Christ. Gottfr. Seyler, geb. 1720 zu Nerchau, Pf. zu Trebsen, † 1755.
  54. 1745   Joh. Friedr. Frisch, geb. 1715 zu Dittersbach. Pf. zu St. Georg, † 1778.
  55. 1746   Joh. Aug. Egenolf, geb. 1719 zu Grimma, Pf. zu Bergisdorf (Jüterbogk).
  56. 1746   Joh. Christ. Schuchart, geb. 1716 zu Arnstadt, Pf. zu Leutzsch, † 1775.
  57. 1747   Ludw. Wilh. Junius, geb. hier, Professor hier, † 1750.
  58. 1747   Joh. Ad. Scharff, geb. 1724 zu Schönefeld, Pf. zu St. Nikolai, † 1791.
  59. 1748   Christ. Friedr. Stieglitz, geb. 1722 zu Naumburg, Pf. in Hennigsleben, † 1781.
  60. 1748   Christ. Ludw. Hermann, geb. 1719 zu Triptis, Pf. in Dreitzsch, † 1782.
  61. 1748   Paul Jakob Förtsch, geb. 1722 zu Großenhain, Generalsup. in Harburg.
  62. 1750   Joh. Gottfr. Körner, geb. 1726 in Weimar, † 1785 a. Pf. zu St. Thomä.
  63. 1750   Gottfr. Heinr. Benj. Meefe, geb. 1723 in Hainichen, † 1774 a. Pf. zu Roitzsch.
  64. 1750   Christ. Gottfr. Zachariä, geb. 1723 in Frauenstein, † 1795 als Pf. in Zschortau.
  65. 1751   Joh. Gotth. Lange, geb. 1716 in Zörbig. Pfl. in Gautsch, † 1772.
  66. 1751   Christ. Fürchtegott Leypoldt, geb. 1722 in Kühren, Lazarethpred., † 1758.
  67. 1751   Joh. Aug. König, geb. 1728 in Mittweida, Diak. in Dresden, † 1779.
  68. 1752   Christ. Friedr. Wechsler, geb. 1728 in Zwochau, Pf. in Panitzsch, † 1789.
  69. 1753   Christ. Gottl. Dürr, geb. 1725 in Marienberg, Sup. in Mühlhausen, † 1788.
  70. 1753   Paul Christ. Fritzsche, geb. 1727 in Zeitz, Pf. in Taucha, † 1770.
  71. 1753   Christ. Aug. Jakobi, geb. 1727 in Döllnitz, später in Wittenberg.
  72. 1754   Gottl. Leb. Wagner, geb. 1719 in Cosewitz, Diak. in Leisnig, † 1758.
  73. 1754   Carl Rud. Lencke, geb. 1730 zu Auerbach, Pf. in Saaleck, † 1767.
  74. 1755   Carl Sam. Krause, geb. 1729 in Delitzsch, Archidiak. daselbst, † 1760.
  75. 1755   Wilh. Abr. Teller, geb. 1734 hier, Propst in Berlin, † 1804.
  76. 1757   Aug. Sigism. Cnobloch, geb. 1730 in Liebenwerda, später Sup. in Freiburg.
  77. 1758   Sam. Gottfr. Facilides, geb. 1728 in Ottendorf, Pf. in Mittweida, † 1789.
  78. 1758   Gotth. Benj. Köhler, geb. 1732 in Herzberg, Pf. in Luckau, † 1801.
  79. 1758   Gottl. Friedr. Lechla, geb. 1734 in Püchau, Diak. zu St. Nikolai, † 1783.
  80. 1758   Joh. Gotth. Richter, geb. 1723 in Lichtenberg, Sup. in Borna, † 1789.
  81. 1758   Joh. Gotth. Fritzsche, geb. 1730 in Pegau, Sup. daselbst, † 1792.
  82. 1758   Joh. Gotth. Hübler, geb. 1733 in Rochlitz, Sonnabendsprediger zu St. Nikolai, † 1767.
  83. 1758   Christ. Gottfr. Frenzel, geb. 1733 in Bautzen, Pf. zu Hohburg, † 1780.
  84. 1759   Christ. Friedr. Martini, geb. 1727 zu Zienitz, Pf. zu Rötha, † 1795.
  85. 1759   Joh. Gottl. Groitzsch, geb. 1730 zu Delitzsch, Pf. zu Cleuden, † 1801.
  86. 1760   Paul Jak. Scharno, geb. 1730 hier, Oberdiak. an der Neukirche, † 1780.
  87. 1760   Moritz Wilh. Schlesier, geb. 1732 zu Finnstedt, Sup. in Zwickau, † 1812.
  88. 1760   Christ. Gottl. Künöl, geb. 1736 zu Chemnitz, Pf. zu St. Nikolai, † 1805.
  89. 1761   Karl Aug. Beyer, geb. 1737 zu Zeitz, Subdiak. an der Neukirche, † 1806.
  90. 1762   Christ. Sam. Weiß, geb. 1738 hier, Archidiak. zu St. Nikolai, † 1805.
  91. 1762   Karl Friedr. Bahrdt, geb. 1740 zu Bischofswerda, † 1792 in Halle. 
  92. 1762   Imman. Gotth. Göbel, geb. 1733 zu Strießen, Pf. in Steinbach (Borna), † 1799.
  93. 1764   Franz Gotth. Hartwig, geb. 1742 zu Großhartmannsdorf, Pf. das., † 1820.
  94. 1765   Balth. Gottl. Hennig, geb. 1742 zu Beucha, Pf. in Thorn, † 1808.
  95. 1765   Christ. Friedr. Wittig, geb. 1740 zu Johanngeorgenstadt, Pf. in Rötha, † 1806.
  96. 1767   Joh. Friedr. Opitz, geb. 1740 zu Grimma, Pf. zu Cröbern, † 1789.
  97. 1767   Carl Christ. Tittmann, geb. 1744 zu Großbardau, Sup. in Dresden, † 1820.
  98. 1767   Aug. Wilh. Irmisch, geb. 1742 in Plauen, Pf. in Großpörtern (Zeitz), † 1821.
  99. 1767   Ferd. Friedr. Gräfenhain, geb. 1740, D. theol. in Wittenberg, † 1823.
  100. 1768   Christ. Gottl. Viebig, geb. 1742 zu Zschopau, Pf. in Schneeberg, † 1800.
  101. 1768   Friedr. Christ. Örnster, geb. 1740 in Wolteritz, Pf. in Taucha, † 1803.
  102. 1769   Christ. Friedr. Heinr. Wolle, geb. 1743 in Rudolstadt, Pf. in Dewitz, † 1777.
  103. 1769   Joh. Friedr. Kiesewetter, geb. 1735 in Ölsnitz, Lazarethprediger, † 1814.
  104. 1769   Joh. Gottfr. Kirsch, geb. 1741 in Seifersdorf, Pf. in Dahlen, † 1779.
  105. 1770   Christ. Gottfr. Heinrich, geb. 1745 in Dahlen, Sup. in Eilenburg, † 1802.
  106. 1770   Christ. Gottl. Köpping, geb. 1742 in Kiebitz, Pf. daselbst, † 1822.
  107. 1770   Samuel Ebert, geb. 1741 hier, Pred. zu St. Georg, † 1807.
  108. 1771   Joh. Georg Einsiedel, geb. 1741 in Trünzig, Pf. in Eutritzsch, † 1783.
  109. 1772   Joh. Reisig, geb. 1749 in Amsterdam, Pf. in Stollberg bei Aachen. 
  110. 1772   Carl Traug. Thieme, geb. 1745 in Canitz, Rektor in Löbau, † 1802.
  111. 1772   Christ. Heinr. Nestler, geb. 1751 hier, Repetent in Göttingen, † 1776.
  112. 1773   Wilh. Heinr. Schaarschmidt, geb. 1751 zu Beucha, Diak. zu Grimma, † 1785.
  113. 1773   Immanuel Friedr. Schmidt, geb. 1748 in Ernstthal, Pf. in Priorau, † 1827.
  114. 1775   Christ. Gottl. Hund, geb. 1748 in Löbau, Pf. zu St. Johannis, † 1822.
  115. 1775   Christ. Gottfr. Schmidt, geb. 1750 in Naumburg, Pf. in Eutritzsch, † 1817.
  116. 1775   Heinr. Christ. Gehe, geb. 1752 zu Dresden, Sup. in Oschatz, † 1807.
  117. 1775   Joh. Gottl. Bernhardi, geb. 1759 in Görlitz, Archidiak. zu St. Thomä, † 1812.
  118. 1777   Joh. Gottl. Burkhard, geb. 1756 in Eisleben, Pred. in London.
  119. 1777   Traug. Friedr. Benedikt, geb. um 1750 in Annaberg, Rektor das., † 1833.
  120. 1778   Carl Friedr. Aug. Thoß, geb. 1755 in Schneeberg, Pf. in Panitzsch, † 1839.
  121. 1778   Christ. Gotth. Richter, geb. 1750 in Chemnitz, Pf. in Wiehe, † 1786.
  122. 1779   Ernst Gottl. Schneider, geb. 1749 in Ranis, Pf. in Wiehe, † 1816.
  123. 1779   Samuel Friedr. Irmschler, geb. 1752 in Chemnitz, Pf. in Cleuden, † 1814.
  124. 1780   Joh. Gottl. Regis, geb. 1759 hier, Diak. zu St. Nikolai, † 1830.
  125. 1780   Joh. Friedr. Höpfner, geb. 1759 zu Hildburghausen, Pf. zu St. Johannis, † 1832.
  126. 1781   Joh. Friedr. Köhler, geb. 1756 in Brehna, Pf. in Taucha, † 1820.
  127. 1782   Joh. Aug. Döring, geb. 1754 zu Gatterstädt, Pf. zu Deutzen, † 1827.
  128. 1783   Aug. Ufer, geb. 1753 in Obernitzschka, Pf. in Großwiederitzsch, † 1813.
  129. 1783   Gottl. Jak. Friedr. Wolf, geb. 1757 in Propstheida, Pf. in Döhlen, † 1813.
  130. 1789   Joh. Friedr. Beck, geb. in Langensalza, Pf. in Trautzschen, † 1792.
  131. 1784   Gottl. Leb. Spohn, geb. in Eisleben 1756, Propst in Wittenberg, † 1794.
  132. 1785   Joh. Georg Schellenberg, geb. 1756 in Friedberg, Diak. zu Leisnig, † 1826.
  133. 1785   Carl Gottl. Zahn, geb. 1755 in Auerstädt, Diak. in Sangerhausen, † 1819.
  134. 1785   Georg Sigism. Jaspis, geb. 1762 in Meißen, Archidiak. zu St. Thomä, † 1813.
  135. 1785   Joh. Sam. Traug. Palm, geb. 1763 in Kießlingswalde, Pf. in Cröbern, † 1828.
  136. 1787   Christ. Friedr. Geißler, geb. 1761 in Keuschberg, Pf. in Atterwasch.
  137. 1787   Joh. Carl Böttger, geb. 1765 in Zittau, Diak. an der Kreuzkirche in Dresden, † 1817.
  138. 1788   Dan. Andr. Schmidt, geb. 1758 in Lauban, Archidiak. daselbst.
  139. 1788   Wilh. Aug. Ackermann, geb. 1763 in Zeitz, Pf. in Berga, † 1837.
  140. 1789   Joh. Kar. Litzkendorf, geb. 1766 in Linda, Pfarrsubst. in Großböhla, † 1800.
  141. 1789   Carl Christ. Settenreich, geb. 1765 in Kamenz, Sup. in Dresden, † 1836.
  142. 1790   Aug. Friedr. Werner, geb. 1763 in Penig, Pf. in Meerane, † 1839.
  143. 1790   Carl Gotth. Arnold, geb. 1765 in Seyda, Prediger in Thorn.
  144. 1791   Carl Friedr. Lucius, geb. 1769 in Groitzsch, Privatgelehrter, † 1799.
  145. 1791   Joh. Zach. Herm. Hahn, geb. 1768 in Schneeberg, Generalsup. in Gera, † 1826.
  146. 1791   Phil. Wilh. Meußer, geb. 1768 in Wenkelsdorf, Sup. in Spremberg.
  147. 1792   Erdmann Hannibal Albrecht, geb. 1762 in Schleusingen, Sonnabendprediger zu St. Nikolai, † 1800.
  148. 1793   Caspar Aug. Pestel, geb. 1767 in Eilenburg, Diak. in Querfurt.
  149. 1794   Christ. Ad. Schedlich, geb. 1766 hier, Pf. in Magdeborn, † 1839.
  150. 1794   Joh. Gottl. Wilh. Böttger, † 1798, zugleich Pred. in Connewitz. 
  151. 1794   Joh. Georg Friedr. Götze, geb. 1768 in Rüdersdorf, Pf. in Mölbis, † 1833.
  152. 1796   Joh. Gottfr. Bergmann, geb. 1768 hier, Pf. in Dewitz.
  153. 1796   Gottl. Bonif. Viktor Leo, geb. 1770 in Weißenfels, Pf. in Trautzschen, † 1833.
  154. 1798   Joh. Ad. Benj. Sommer, geb. 1767 in Burgwerben, Pf. in Cleuden, † 1839.
  155. 1798   Herm. Gotth. Fleischhammer, geb. 1772 in Altenhain, Diak. in Langensalza. 
  156. 1798   Joh. Dav. Goldhorn, geb. 1774 in Püchau, Pf. zu St. Nikolai, †1836.
  157. 1798   Carl Christ. Kieß, geb. 1774 in Querfurt, Pf. zu St. Nikolai in Freiberg, † 1841.
  158. 1798   Christ. Friedr. Leb. Mudre, geb. 1771 in Prettin, Pf. zu Machern, † 1841.
  159. 1801   Gottfr. Weber, geb. 1772 in Minkwitz, Pf. zu Leutzsch, † 1854.
  160. 1801   Carl Friedr. Ulitzsch, geb. 1780 in Pülswerda, Diak. in Torgau, 1806.
  161. 1801   Joh. Friedr. Eulenstein, geb. 1777 hier, Diak. zu St. Thomä, † 1821.
  162. 1802   Joh. Friedr. Hübschmann, geb. 1779 in Hermannsdorf, Archidiak. in Annaberg, † 1827.
  163. 1802   Joh. Aug. Adler, geb. 1773 hier, Pf. zu St. Jakobi, † 1850.
  164. 1802   Christ. Aug. Noch, geb. 1772 in Kleinwaltersdorf, Pf. in Zehmen, † 1838.
  165. 1802   Christ. Friedr. Lange, geb. 1779 in Döbeln, Diak. in Dresden (Kreuzkirche), † 1849.
  166. 1804   Leb. Sieg. Jaspis, geb. 1779 in Meißen, Archidiak. an der Kreuzkirche in Dresden, † 1858.
  167. 1805   Joh. Christ. Fischer aus Langensalza, Pf. in Weberstadt.
  168. 1805   Joh. Friedr. Damm, geb. 1776 in Cölleda, Diak. in Wiehe.
  169. 1805   Christ. Aug. Gottfr. Emmerling, geb. 1781 in Sausedlitz, Pf. in Prostheida, † 1849.
  170. 1805   Christ. Gottfr. Klinkhardt, geb. 1783 in Zwickau, Archidiak. zu St. Thomä, † 1849.
  171. 1806   Joh. Karl Weickert, geb. 1781 zu Waldheim, Diak. zu Chemnitz, † 1820.
  172. 1806   Joh. Aug. Seyfart, geb. 1773 in Kretzschau, Pf. in Taucha, † 1857.
  173. 1806   Christ. Gotth. Schmidt, Archidiak. in Wurzen, † 1818.
  174. 1806   Georg Aug. Friedr. Gerstenberger aus Cospuden, Sonnabendsprediger zu St. Nikolai, † 1813.
  175. 1806   Friedr. Aug. Neumann, geb. 1781 in Luckau, Pf. in Eutritzsch, † 1839.
  176. 1810   Carl Christ. Geisler, geb. 1785 in Bautzen, Sonnabendsprediger zu St. Nikolai, † 1813.
  177. 1810   Joh. Aug. Söfner, geb. 1785 in Sausedlitz, Oberdiak. an der Neukirche, † 1859.
  178. 1810   Carl Aug. Böhmel, geb. 1786 in Sorau, Pf. zu Propstheida, † 1842.
  179. 1810   Eduard Stephani, geb. in Beucha 1787, Pf. daselbst, † 1856.
  180. 1810   Christ. Wilh. Hammer, geb. in Wahren, Pf. zu Döben, † 1817.
  181. 1811   Christ. Just. Weiß, geb. 1787 hier, Pf. in Lockwitz, † 1868.
  182. 1813   Joh. Aug. Münckner, geb. 1788 in Grimma, Pf. in Strehla, † 1869.
  183. 1813   Gust. Ferd. Loffius, geb. 1791 hier, † 1813 als Katechet.
  184. 1813   Wilh. Kritz, geb. 1793 hier, Pf. zu St. Johannis, † 1865.
  185. 1813   Joh. Ernst Voldeding, geb. 1792 in Annaberg, Sup. zu Herzberg.
  186. 1814   Carl Ferd. Bernhardi, geb. 1791 hier, Pf. in Gröbern, † 1868.
  187. 1815   Carl Gottl. Dan. Feller, geb. 1789 zu Bischofswerda, Archidiak. in Grimma, em. 1866.
  188. 1815   Carl Heinr. Gottfr. Tänzer von hier, Sup. in Gollme.
  189. 1817   Friedr. Mor. Ad. Hänsel, geb. hier 1792, Oberdiak. an d. Neukirche, † 1861.
  190. 1818   Herm. Ad. Ed. Wagner, geb. 1794 hier, Pf. in Höfgen, † 1872. 
  191. 1818   Joh. Carl Kühn, geb. 1791 in Kriegstedt, † als Pf. in Dewitz 1858.
  192. 1818   Aug. Cichorius, geb. hier 1790, Küster zu St. Petri, † 1863.
  193. 1818   Joh. Paul Röbe, geb. 1785 hier, Pf. in Mulda, † 1865.
  194. 1818   Ernst Leb. Petrinus, geb. 1795 zu Großmar, Pf. in Panitzsch, em. 1880.
  195. 1821   Carl Gotth. Erdm. Hochmuth, geb. 1796 in Grimma, Oberpf. in Laufigk, † 1868.
  196. 1821   Friedr. Gotth. Fritzsche, geb. in Dresden 1799, Generalsup. in Altenburg, † 1851.
  197. 1823   Joh. Friedr. Wilh. Reinhard, geb. 1800 in Taucha, Pf. zu Altmügeln, † 1879.
  198. 1823   Joh. Gottfr. Ranst, geb. 1790 in Blankenstein, Pf. in Deutschenbora, † 1861.
  199. 1824   Carl Gottl. Heinr. Scheubner, geb. 1799 in Lunzenau, Diak. in Kohren, † 1878.
  200. 1824   Friedr. Aug. Ad. Räbe, geb. 1801 in Dröbitz, Diak. in Königstein, † 1873.
  201. 1824   Emil Jul. Mor. Wege, geb. 1801 in Lauban.
  202. 1826   Christ. Heinr. Schott, geb. 1803 in Schneeberg, Pf. in Bonitz, † 1840.
  203. 1828   Gottl. Ed. Leo, geb. 1803 in Trautzschen, Sup. in Waldenburg, † 1881.
  204. 1828   Gust. Ernst Lippmann, Pf. in Großstorkwitz, † 1840.
  205. 1829   Gottfr. Friedr. Volbeding, geb. 1804 in Prettin, Pf. zu Schönefeld, † 1859.
  206. 1829   Carl Aug. Rabe, geb. 1804 in Werdau, Pf. zu Seußlitz, † 1845.
  207. 1829   Franz Ed. Schleinitz, geb. 1804 in Zschaitz, Sup. in Pirna, † 1859.
  208. 1829   Carl Fürchtegott Leuschner, geb. 1803 in Zschiela, Pf. in Dürrweitschen, † 1872.
  209. 1829   Gust. Ed. Platz, geb. 1806 hier, Pf. in Taucha, em. 1869.
  210. 1830   Christ. Friedr. Kunad, geb. 1807 in Beicha, Pf. in Eutritzsch, † 1882.
  211. 1832   Carl Gottl. Just, geb. 1807 in Weißenburg, Pf. in Mühlau bis 1870.
  212. 1832   Albert Sigism. Jaspis, geb. 1809 in Nossen, lebt als Generalsuperintendent in Stettin.
  213. 1833   Aemil Wilh. Rob. Naumann, geb. 1809 hier, Religionslehrer an der Nikolaischule, † 1881.
  214. 1835   Carl Friedr. Gurlitt, geb. 1806 hier, Pf. in Propstheida, † 1876.
  215. 1835   Ludw. Ferd. Fischer, geb. 1809 in Einsiedel, † in Glauchau 1839.
  216. 1835   Maximilian Blüher, geb. 1809 in Nossen, Pf. in Taucha, † 1861.
  217. 1835   Friedr. Ad. Flor. Herold, geb. 1809 hier, Pf. zu Reibnitz in Schlesien.
  218. 1836   Julius Ernst Leb. Rüdel, geb. 1811 hier, ging nach dem Ausland.
  219. 1837   Gottl. Tempel, geb. 1808 in Eibau, später Arichdiak. zu St. Nikolai.
  220. 1838   Wilh. Ad. Lampadius, geb. 1812 in Freiberg, später Diak. zu St. Nikolai hier, em. 1883.
  221. 1838   Joh. Gottfr. Schneider, geb. 1808 in Zittau, Pf. zu St. Georg hier, † 1873.
  222. 1840   Ad. Osk. Wille, geb. 1817 in Baalsdorf, Archidiak. zu St. Thomä und Sup. von Leipzig II, † 1874.
  223. 1840   Joh. Friedr. Döring, geb. 1813 hier, † 1841 als Katechet.
  224. 1841   Ad. Bernh. Großmann, geb. 1817 in Gröbitz b. Naumburg, Superintendent zu Grimma.
  225. 1841   Ernst Edm. Michaelis, geb. 1819 hier, Pf. zu St. Jakob hier.
  226. 1843   Aug. Herm. Walter, geb. 1817 hier, wurde wegen Schwerhörigkeit emeritiert.
  227. 1844   Gust. Bernh. Gräfe, geb. 1820 in Zschopau, Archidiak. zu St. Nikolai hier. 
  228. 1844   Friedr. Aug. Schütz, geb. 1816 hier, Pf. zu Leutzsch, em. 1883.
  229. 1844   Christ. Friedr. Selle, geb. 1809 in Pegau, Pf. zu St. Georg hier, † 1861.
  230. 1847   Friedr. Aug. König, geb. 1819 in Schneeberg, Pf. zu St. Johannis hier.
  231. 1847   Herm. Aug. Lohse, geb. 1820 zu Limbach i.V., Subdiak. zu St. Thomä, em. 1865, † zu Meran.
  232. 1851   Paul Rud. Hänsel, geb. 1823 hier, † 1853 als Katechet.
  233. 1852   Ernst Oskar Wendel, geb. 1826, † 1856 als Katechet und Bürgerschullehrer.
  234. 1852   Heinr. Bernh. Spiegel, geb. 1826, ist Pfarrer zu Osnabrück.
  235. 1854   Ludw. Bernh. Suppe, geb. 1829 zu Chemnitz, Archidiak. zu St. Thomä.
  236. 1854   Paul Wilh. Kritz, geb. 1830 hier, Pf. in Sommerfeld.
  237. 1856   Heinr. Wilh. Korn, geb. 1816 hier, Pf. in Taucha.
  238. 1856   Jul. Ferd. Rose, geb. 1816 in Wilschdorf, Pf. in Cleuden, † 1885.
  239. 1860   Friedr. Clem. Brockhaus, geb. 1837 in Dresden, außerordentl. Prof. und Pf. zu St. Johannis hier, † 1877.
  240. 1861   Christ. Aug. Jul. Clemen, geb. 1838 in Döbeln, Prof. an der königl. Landesschule Grimma.
  241. 1861   Joh. Georg Merbach, geb. 1837 in Dittersbach bei Stolpen, Archidiak. an St. Matthäi hier.
  242. 1862   Ernst Albert Richter, geb. 1835 in Grünhain, Rektor d. Friedrichsgymansiums in Altenburg, † 1881.
  243. 1862   Christ. Theod. Ficker, geb. 1838 in Michelwitz, Pf. in Eythra.
  244. 1862   Ferd. Alfred Gebhardt, geb. 1838 in Grimma, Pf. in Dewitz.
  245. 1863   Max Friedr. Geißler, geb. 1839 in Weinböhla, Sup. in Borna, † 1884.
  246. 1865   Adelb. Ed. Benj. Portig, geb. 1842 hier, Pf. in Bremen. 
  247. 1865   Aug. Jul. Oskar Günther, geb. 1841 hier, Pf. in Propstheida.
  248. 1866   Carl Gust. Petzold, geb. 1841 in Stötteritz, Pf. in Neukirchen bei Borna.
  249. 1866   Herm. Ferd. von Criegern, geb. 1841 in Laas, Diak. zu St. Thomä hier.
  250. 1867   Carl Alexander Wold. Seydel, geb. 1844 in Zehmen, Pf. in Gohlis.
  251. 1868   Paul Aug. Bernh. Zimmermann, geb. 1843 in Dresden, Pf. in Wien.
  252. 1870   Paul Friedr. Wetzel, geb. 1842 hier, Pf. in Dornreichenbach.
  253. 1870   Friedr. Georg Trantzschel, geb. 1844 in Bautzen, Pf. zu St. Georg hier.
  254. 1870   Emil Joseph Krömer, geb. 1845 in Zöblitz, Diak. zu St. Thomä hier.
  255. 1871   Paul Robert Lieschke, geb. 1844 zu Luga b. Bautzen, Archidiak. an der Annenkirche in Dresden.
  256. 1871   Karl Georg Otto Kanig, geb. 1845, ist Professor a. Gymnasium zu Bautzen.
  257. 1874   Ernst Gustav Steude, geb. 1852 in Zittau, Unterpfarrer in Reichenau.
  258. 1874   Johannes Lincke, geb. 1847 in Friedersdorf, Archidiak. in Altenburg.
  259. 1875   Max Christoph Pescheck, geb. 1850 in Zittau, Diak. zu St. Matthäi hier.
  260. 1751   Joh. Gottl. Reinhold, geb. 1728 zu Großwaltersdorf, Sup. in Mühlhausen, † 1785.
  261. 1857   Hermann Kluge, geb. 1832 in Ehrenhain, Professor in Altenburg.
  262. 1858   Karl Maxim. Otto Günther, geb. 1833 in Großenhain, Pf. in Brambach.
  263. 1859   Wilhlem Schödel, geb. 1832 in Schneeberg, Pf. in Kühnitzsch.

Im Jahr 1213 war die damalige Peterskapelle der Thomaskirche zugesprochen worden. Auch als sie Predigtkirche wurde, war sie bei dem Sprengel derselben verblieben, und dem Thomaskirchenvorstande, welchem der damalige Oberkatechet angehörte und in welchem besonders dem Stadtältesten Raymund Härtel die Fürsorge für die Peterskirche übertragen war, sind vornehmlich die Vorarbeiten für die Neugründung der Parochie zu verdanken. Ostern 1876 wurde das sechs und ein halbes Jahrhundert alte Band gelöst. Zugleich schied ein namhafter Teil der Thomasparochie mit aus. Eine Linie, welche von der nördlichen Seite des Floßplatzes durch die Emilienstraße geht, die Windmühlenstraße nach der Liebigstraße zu schneidet, diese hindurch bis zur Nürnberger Straße, durch die Nürnberger Straße bis zur Lindenstraße sich hinzieht, bildet die Grenze der neuen Parochie in der Weise, daß alles was außerhalb dieser Linie liegt, ihr angehört, genannte Straßen außer der Lindenstraße inbegriffen. Von der Windmühlenstraße gehört nur der südöstliche, von der Nürnberger Straße und der Thalstraße nur der südliche Teil ihr zu. Die Sternwartenstraße und Ulrichsgasse bleiben, obwohl sie durch jene Grenzlinie ebenfalls geteilt wurden, in ihrer ganzen Ausdehnung bei der Thomaskirche. Eigentümlich ist es, daß das seiner Bestimmung nach der ganzen Stadt angehörige Vereinshaus für innere Mission trotz seiner nicht großen Ausdehnung drei Parochien, nach der Roßstraße zu der Nikolaiparochie, nach der Ulrichsgasse zu der Thomasparochie, nach der Nürnberger Straße zu der Petersparochie angehört. 

Die Petersparochie war schon auf ihren neuen, auf dem Schletterplatz zu errichtenden Mittelpunkt hin angelegt. Die alte Peterskirche, welche nach wie vor im Bereich der Thomaskirche und von den ersten ihr zugehörigen Häusern etwa ½ Kilometer entfernt lag, hatte sich zur interimistischen Aufnahme der neuen Gemeinde nach Kräften geschmückt, wenn auch alle darauf bezüglichen Verhandlungen seit Jahrzehnten von dem Bewußtsein getragen waren, daß sie nur noch wenige Jahre werde zu stehen haben. 1869 schon wurde die 1856 und 57 vom Orgelbauer Kohl hier erbaute Orgel repariert; 1872 wurden neue Altargefäße angeschafft und eine neue Heizung eingerichtet; 1873 die Beleuchtung mit Petroleumlampen vervollständigt (Gasbeleuchtung wurde erst 1882 auf Antrag des Rats wegen Feuergefährlichkeit jener angelegt); 1873 und 74 wurden an Stelle der früheren Sakristei eine vergrößerte Sakristei und Beichthäuser, auch ein Turm zur Aufnahme einer Glocke errichtet. 1858 wurde das Petersthor und schon vorher das die Kirche überragende Magazingebäude, dessen alter Wetterhahn noch heute ihr Dach schmückt, niedergerissen. Als der einzige Ueberrest aus alten Tagen inmitten einer ganz anders gewordenen Umgebung sah sie über die mehr provisorischen Kaufläden hinweg, über die Promenade hin, welche an die Stelle der vormaligen Moritzbastei getreten war, nach der ihr nun zugehörigen und immer mehr anschwellenden Südvorstadt hin, von welcher bei ihrer erstmaligen Erbauung wohl kaum einige Häuser gestanden hatten, der Stunde wartend, in welcher der Turm der neu entstehenden Schwester draußen ihr sagen würde, daß ihr Beruf erfüllt sei.

Auch manche äußerliche Mitgabe bringt sie der letzteren zu. An Legaten hat sie nach und nach erhalten: 

1709

(noch vor der Wiederherstellung) von Stiftsrat Born 1200 Thaler, die Zinsen dem anzustellenden Katechten.

1735

von Dorothea Habermalz 100 Thaler, wovon die Zinsen dem Prediger zufallen sollen.

1743

von Johann Siegfried Ackermann 1000 Thaler zu Haltung einer Charfreitagspredigt (20 Thaler dem Prediger, 1 Thaler 8 Groschen dem Küster, 16 Groschen dem Bettelvoigt, 2 Thlr. 8 Gr. den Schülern, welche singen).

1782

von Johann Christoph Zeibig (Küster an der Peterskirche) 400 Thaler zur Haltung einer Reformationsvesperpredigt (16 Thaler dem Prediger, 1 Thaler 8 Groschen dem Küster, 16 Groschen dem Bettelvoigt, 2 Thaler den Schülern). 

1799

von Hofrat Richter 300 Thaler, zunächst den Sonnabendspredigern.

1805

von Kammerkommissar Bach 2000 Thlr.,

1811

von Joh. Gottl. Pernitzsch, Oberstadtschreiber, 600 Thlr., beide für Katecheten.

Es ist zu beachten, daß diese Vermächtnisse sämtlich in Zeiten fallen, da besonders beliebte Prediger nicht an der Kirche waren, ein Beweis dafür, wie die Peterskirche seit ihrer Wiederherstellung zu jeder Zeit ihre Bedeutung gehabt hat. Die Erträge dieser Vermächtnisse fallen seit Fixierung der geistlichen Gehalte der Kirchenkasse zu. Besonders aber ist das Kirchenvermögen, welches aus jenen Vermietungen von Kapellen – auch bei Vererbungen, außer auf Deseendenten, war eine namhafte Summe zu zahlen – und Stände entstanden und durch sorgfältige Verwaltung bei geringen Bedürfnissen angewachsen war, trotzdem daß aus demselben das neue Pfarrhaus erbaut worden ist, das bedeutendste der Stadt. Waren die Erträgnisse vorher u. a. auch für Schulzwecke verwandt worden, so waren sie bis zum Beginn des neuen Kirchenbaus mehr als genügend, um den gesamten Aufwand auch der Parochialkirche zu decken.

Am 6. September 1875 wurde der Kirchenvorstand zu St. Petri gewählt, und da einige der Gewählten abgelehnt hatten, durch Nachwahl am 18. Oktober ergänzt, Sonntag am 7. November durch Superintendent D. Lechler eingeführt. Seine Mitglieder waren Buchdruckereibesitzer G. Bär, Professor Dr. Curtius, Advokat Dr. Fiebiger, Staatsanwalt Hoffmann, Direktor Dr. Kühr, Dr. Lion, Reichsoberhandelsgerichtsrat Mohrmann, Direktor Dr. Nöldeke, Oberlehrer Dr. Schuster, Kaufmann F. B. Selle, Kommerzienrat W. Stengel, Baumeister Vogel. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Dr. Fiebiger und in der Sitzung vom 20. Nov. der vormalige Oberkatechet D. Fricke zum Pfarrer der Petrigemeinde gewählt. Später wurde der Hilfsgeistliche von St. Georg, der vormalige Katechet Dr. Emil Josef Krömer, zum Diakonus und Diakonus Ernst Bruno Hartung aus Borna zum Archidiakonus erwählt. Am 30. Januar (4. post Epiph.) 1876 trat der Pfarrer, zu Ostern mit dem Anfang der neuen Parochie der Diakonus, zu Pfingsten der Archidiakonus sein Amt an. Der Organist an der Kirche war Karl Stiller, der Küster Hermann Dietze, der Küsterfamulus Schmidt, der Kirchendiener Krauß.

Als die Kirche im Jahr 1712 erneuert wurde, geschah es im Interesse der Armen und der Vorstädte. Auch die Parochialkirche zu St. Petri zählte auf ihrem weiten Gebiete besonders viele Arme. Denn in die Südvorstadt zog sich die Arbeiterbevölkerung hinaus. Manche Straßen, ja einzelne Grundstücke zählten nicht weniger Einwohner, als eine kleine Parochie auf dem Lande. 1712 war der Geistliche erst da und man suchte ihm die Kirche. Auch den Geistlichen der neuen Petersparochie war es oft, als hätte ihre Gemeinde kein Gotteshaus. Denn erst allmählich wurde es der Südvorstadt bewußt, daß die unscheinbare Kirche, welche außerhalb ihrer Grenzen lag, ihre Kirche war. Persönliche Beziehungen konnten den Parochialzusammenhang, und doch nur in ungenügender Weise, ersetzen. Dazu wuchs die Parochie in ungeahnter Weise. Betrug die Seelenzahl nach der Volkszählung von 1871 20237, so war sie 1880 schon auf 38757 gestiegen, und gewiß wird die nächste Volkszählung der 50000 nahe kommen. Die Zahl der Amtshandlungen bis Ende 1884 war folgende:

          Taufen
           Trauungen           Kommunikanten           Konfirmanden
1876*792152292290
187711883013401208
187812463104094285
187912793214856321
188014933585453410
188113953615677333
188214574146401454
188316034056944438
188415864627275609
123393048470233148

*Vom 16. April ab

Von wesentlicher Erleichertung für die geistliche Thätigkeit war es, daß am 20. März 1877 der Grundstein für das neue Pfarrhaus auf dem Schletterplatz, der neu zu erbauenden Kirche gegenüber, gelegt wurde. 1877 wurde dasselbe durch Baumeister Vogel erbaut, 1878 im Frühjahr von dem Pfarrer D. Fricke, dem Archidiak. Hartung und Diak. Dr. Krömer, an dessen Stelle 1885 der vormalige Oberpfarrer zu Waldenburg, Dr. Alexis Schumann getreten ist, bezogen. Auch wurde 1881 ein zweiter Diakonus, Arthur Thilo Schuch, und nach dessen Versetzung an St. Nikolai 1884 Oskar Sell gewählt. Abendgottesdienste wurden bereits 1873, Abendkommunion 1879 eingeführt. Auch die Gottesdienste im Martinstift, welche seit 1881 durch den Vereinsgeistlichen P. Zinßer unter Teilnahme der Parochialgeistlichen eingerichtet waren, sammelten eine große Anzahl Gemeindeglieder um Gottes Wort und Tisch.

Doch mit jedem Jahre zeigte es sich mehr, daß für eine Gemeinde, in deren Mitte nur selten von günstigem Wind ein Glockenschlag getragen wurde, die Erbauung einer Kirche die Lebensfrage ist. Und bei aller dankbarer Anerkennung des Segens, den der Herr Jahrhunderte lang auf das alte Gotteshaus gelegt und an dem er es auch in den letzten Jahren nicht hat fehlen lassen, haben doch viele Herzen in Hoffnung und Gebet der neuen Peterskirche entgegengeschlagen.

Die alte und die neue Peterskirche in Leipzig 

Eine Denkschrift
von Lic. Dr. Bruno Hartung

1885
Verlag von Heinrich Matthes (Herm. Voigt), Leipzig.
Druck von Bär & Hermann in Leipzig.