Geschichte in Geschichten

125 Jahre Neue Peterskirche Leipzig

Kirchenvorstand der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri, Leipzig
2010
Eigenverlag
(erhältlich über unser Gemeindebüro)

Geleitwort

„Greif nur hinein ins volle Menschenleben – wo du es packst, da ist es interessant.“ Dieser Klassikersatz gilt allemal auch für ein Gemeindeleben, wo sich Menschliches, manchmal allzu Menschliches, mit Göttlichem, wo sich Biografisches mit Zeitströmung, wo sich Strukturelles mit Einzelschicksal trifft, vermengt, streitet und am Ende etwas Neues gebiert: Eine Haltung, einen Gottesdienst, eine Großtat oder einen schützenden Arm in der Krise. Wenn im vorliegenden Band gnadenlos subjektiv aus der Petersgemeinde erzählt wird, wird man von dem allem und noch viel mehr erfahren, wird das eine stärker hervorleuchten und das andere vielleicht nur zu erahnen sein.

Noch nie in ihrer Geschichte erschien die Petersgemeinde als ein ruhiger Fluss oder ein Hort der Ruhe in einer unruhigen Umgebung. Von Anfang an war sie eingebunden in die Auseinandersetzungen ihrer Zeit. Allein schon ihre Weihe hatte sich immer wieder verzögert, nicht zuletzt durch einen zehnwöchigen Streik der Bauarbeiter im Zeitalter der großen Arbeitskämpfe.

So ging es durch die Jahrzehnte weiter: Immer entstand aus der Auseinandersetzung mit den Zeitumständen etwas Neues, sei es die umfassende Sozialarbeit des ersten halben Jahrhunderts, sei es die aus der Illegalität entwickelte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in den Zeiten der beiden Diktaturen, sei es die auch mit großem ehrenamtlichem Engagement ermöglichte Rettung und Erhaltung des Kirchengebäudes durch ärmlichste Zeiten hindurch oder die improvisiert zusammengelötete Lautsprecheranlage der Friedensgebete während der politischen Wende im Oktober 1989.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Buches, dass sie nicht nur unterhalten, sondern auch ermutigt werden, ihre Antworten auf die Herausforderungen der Zeit offen und klar zu formulieren und sich um deren Umsetzung zu bemühen. Ich hoffe, das Gelesene ermuntert die Christen unter ihnen, ihren Glauben offensiv einzubringen in die Fragen der Gegenwart.

Die Peterskirche ist derzeit – nach den schweren Beschädigungen des Krieges und trotz zweier Jahrzehnte intensiven Bauens – noch nicht fertig restauriert. Wenn man in ihrem Innern steht, wartet von den Gewölben bis zum Fußboden vieles noch darauf, wieder nachhaltig instand gesetzt zu werden – und doch feiern wir Sonntag für Sonntag in diesem Provisorium fröhlich unsere Gottesdienste, loben wir Gott mit Singen und Beten und taufen unsere Kinder.

Die Peterskirche in ihrem gegenwärtigen Zustand ist darin mein Bild für unser Leben als Christen: noch unfertig und mit vielen Vorhaben – und doch dürfen und können wir heute und morgen unseren Gott loben und Ihm danken.

Davon soll dieses Buch auf tausendfältige Art erzählen und damit in die Zukunft wirken.

Pfarrer Johannes Toaspern
Leipzig, im August 2010

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort, Johannes Toaspern, S. 9
Redaktionelles Vorwort, S.12
1. Das Gemeindeleben, Sebastian Kolditz, S. 15

Teil I. Aus „früher Zeit“, S. 49

2. Überlieferung aus der Bauzeit der Kirche, Erika Hoentsch & Johannes Toaspern, S. 50
3. Die Peterskirche in Predigten von Adolf Fricke, Sebastian Kranich, S. 53

Teil II. Gott loben – Menschen dienen, S. 66

4. Der katechetische Dienst, Elfriede Röder, S. 67
5. Kinder- und Jugendarbeit von 1967 bis 1973, Gelia Böhme, S. 81
6. Meine Dienstzeit 1971 bis 1980, Christian Schreier, S. 87
7. Kontakte zu afrikanischen Studenten, Johann-Georg Haeffner, S. 107
8. Gott loben, das ist unser Amt, Elisabeth und Heinrich Hagen, S. 117
9. Mein Weg zur Peterskirche, Horst König, S. 120
10. Sozialdiakonische Aktivität, Johann-Georg Haeffner, S. 124
11. „Es ist wichtig, dass keiner vergessen wird“, Bettina Klose, S. 130
12. Das Besondere im Alltäglichen, Johannes Toaspern, S. 132

Teil III. Kirche und „weite Welt“, S. 141

13. Brücken bauen, Lieselotte Grimm, S. 142
14. Gott und der Geheimdienst, Gottfried Kawalla, S. 145
15. Eine Ost-West-Begegnung, Jobst Gerth, S. 147

Teil IV. Kirchenbau und Zeitenwende, S. 150

16. Bericht zum 125. Jubiläum, Johannes Roth, S. 151
17. Das Taufbild in der Taufkapelle, Karl-Heinz Menzel, S. 157
18. Fleischsalat für die Baubrigade, Martina Menzel, S. 159
19. Erinnerungssplitter zur Peterskirche, Frank Pierel, S. 161
20. Schornstein Pfarrhaus, Johann-Georg Haeffner, S.173
21. Die Geschichte mit dem Schrank, Andreas Kimme, S. 179
22. Rückblicke, Andreas Kimme, S. 181
23. Gesprächsnotizen, Matthias Weber, S. 189
24. Erinnerungen an meine Tätigkeit, Peter Amberg, S. 196
25. Schwerter zu Pflugscharen, Daniel Wüst, S. 198

Teil V. Gruppen, Kreise, Aktivitäten, S. 200

26. Der ökumenische Hauskreis, Johann Neudert, S. 201
27. Gemeindeleben der Senioren, Johann-Georg Haeffner, S. 204
28. Gemeindetage, Anna-Margarete Koch, S. 211
29. Kirchenkaffee und Kinderzirkus, Heidrun Becker, S. 214
30. Bastelkreis, Else Näcke, S. 218
31. Der „Kreis Junger Erwachsener“, Birgit Pfeiffer & Christian Hoppe & Sebastian Kolditz, S. 220
32. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, Luise und Siegbert Rummel, S. 223

VI. Persönliche Wege in die/der Gemeinde, S. 225

33. Peters – Meine Heimat, Sibylle Meißner, S. 226
34. Erste Begegnungen mit St. Petri, Johann-Georg Haeffner, S. 231
35. Erinnerungen an die Petersgemeinde, Cornelia Walter, S. 235
36. Geschichten aus der Vergangenheit, Inge Balß, S. 237
37. Der Weg, Marlies Richter, S. 243
38. Begegnungen mit dem Gemeindeleben, Wolf und Gisela Krück, S. 244
39. Erleuchtung – Beleuchtung, Veronika Mücke, S. 247
40. Meine Geschichte, Ilona Nonnenberger, S. 249
41. Wertvolle Begegnungen, Ingeborg Wild, S. 251
42. Erste Begegnung mit der Peterskirche, Gisela Löffler, S. 254
43. Begegnungen und Momente, Frauke Scholz, S. 256
44. Taufe von Milla und Kaspar, Lina Märtens, S. 264
45. Achtsamkeit füreinander, Doris Badura, S. 266