1876 — 1916: Dr. Ernst Bruno Hartung (*1846, †1919)

Bruno Hartung wird am 26. September 1846 als Sohn des Diaconus August Ernst Hartung und seiner Mutter Johanne in Bernstadt (Oberlausitz) geboren. Bald darauf wird sein Vater nach Wendishain bei Leisnig versetzt und erteilt Bruno nach dessen eigener Angabe „den ersten höheren Unterricht“. Bruno Hartung besucht anschließend in den Jahren 1858 bis 1864 das Progymnasium und die Fürstenschule zu Grimma. 

Von September 1864 bis April 1868 studiert er an der Universität Leipzig. Offensichtlich genießt er das Studentenleben:In den Akten der Universität ist eine Karzerstrafe verzeichnet: 14 Tage Entziehung des Konviktgenusses weg. unbefugter Verabreichung von Bier im Konvikt.

Nach dem Studium ist er anderthalb Jahre als Hauslehrer in der Grafschaft Glatz (Schlesien) tätig. 

Danach wohnt er in Leipzig in der Lindenstr. 1 (heute: An der Verfassungslinde). In den Jahren 1869 bis 1871 gehört er hier dem Predigercolleg zu St. Pauli an. Er arbeitet zunächst auch als Lehrer in der Fischerschen Lehr- und Erziehungsanstalt; wird dann als candidatus reverendi ministerii [Kandidat des Predigeramtes] Nachmittagsprediger zu St. Pauli.

Von 1871 bis 1876 ist er Diaconus in Borna bevor er im Juni 1876 zum Archidiaconus an die Peterskirche Leipzig berufen wird. Anfangs arbeitet er vorübergehend auch als Religionslehrer am Nikolaigymnasium. Bruno Hartung wohnt zunächst kurz am Floßplatz 27 ehe er Ostern 1878 in das neue Pfarrhaus der Peterskirche (Albertstraße 8 dann umbenannt in 38; heute Riemannstraße 38) umzieht. 

1878 erlangt er die philosophische Doktorwürde und heiratet 1879 Luise Delitzsch, geb. Baur, die früh verwitwete Schwiegertochter des Leipziger Theologen Franz Julius Delitzsch und Tochter des Theologen Gustav Baur.

Er promoviert 1883 zum Lic. theol. und wird 1887 als Nachfolger von Gustav Adolf Fricke zum ersten Pfarrer an der Peterskirche Leipzig sowie 1902 zum Superintendent der Ephorie Leipzig II ernannt.

Die Theologische Fakultät Leipzig verleiht ihm 1888 ehrenhalber die theologische Doktorwürde.

Ab 1896 ist er zudem Schriftführer des Zentralvorstandes des Gustav-Adolf-Vereins und in den Jahren 1909 bis 1916 dessen Präsident. Dann muss er sowohl dieses Amt und auch das Pfarramt an der Peterskirche aufgrund abnehmender Kräfte niederlegen.

Er trägt den Titel "Geheimer Kirchenrat" und zieht in die Kaiser-Wilhelm-Straße 5 (heute: August-Bebel-Straße). Bruno Hartung stirbt am 30. August 1919.

Bibliographie

Abschiedspredigt am Sonntage Exaudi 1876 über II. Cor 13, 13 in der Stadtkirche zu Borna gehalten. Borna, Verlag: Reiche, 1876. 12 Seiten. 

Die Selbstauflösung der negativen und pessimistischen Richtungen der Gegenwart (Strauss, V. Hartmann): Vortrag gehalten auf der Conferenz zu Meissen. Leipzig, Verlag Hahn, 1876. 36 Seiten.

Grundlinien einer Ethik bei Giordano Bruno: besonders nach dessen Schrift Lo spaccio de la bestia trionfante; eine Abhandlung zur Erlangung der philosophischen Doctorwürde. Leipzig, Hundertstund & Pries, 1878. 64 Seiten.

Der Begriff der Teleiotes im Neuen Testament. in: Luthardt, Meusel, K.H. (Hrsg.),Viro summe venerabili Christophoro Ernesto Luthardtio. Per quinque lustra in Academia Lipsiensi Professori Theologiae be merentissimo. Ea qua par est observantia congratulantur die XXV mensis aprilis anni MDCCCLXXXI qui in eius scholis quondam sederunt commilitones. Insunt VI dissertationes varii argumenti variorum auctorum. Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der Lehrtätigkeit des Theologen Christoph Ernst Luthardt (1823-1902) an der Universität Leipzig. Leipzig, Doerffling u. Franke, 1881. 27 Seiten.

Die alte und neue Peterskirche in Leipzig: eine Denkschrift. Leipzig, Verlag Heinrich Matthes, 1885. 56 Seiten.

Der Kirchenneubau, zu welchem unsre neue Peterskirche uns verpflichtet. Predigt über 1 Petri 2, 5, 6 gehalten bei dem Abendfestgottesdienst an dem Tage der Einweihung der neuen Peterskirche den 27. Dezember 1885. Leipzig, Verlag Heinrich Matthes, 1886. 14 Seiten. 

Worin liegt die Kraft evangelischer Amtsthätigkeit? Antrittspredigt über 2. Cor. 4, 13 - 15 gehalten am 2. Sonntag nach Trinitatis am 19. Juni 1887. Leipzig, Verlag Wolf, 1887. 14 Seiten.

Die Lehrer und die Mitglieder. In: Festschrift zur fünfundzwanzigsten Stiftungsfeier des Prediger-Collegiums zu St. Pauli in Leipzig. Leipzig, Verlag Hinrichs, 1887. 28 Seiten.

Rede bei der 19. Christbescheerung armer (1200) Kinder im Hotel de Pologne. Leipziger Tageblatt, 1889.

Die Errichtung neue Kirchspiele in Leipzig (Luther-Süd-Nordparochie). Leipziger Tageblat 114, 1889.

Schlußwort des P. Dr. Hartung als Schwiegersohn. In: Trauerfeier bei dem Begräbniß des Geh. Kirchenraths Prof. Dr. Baur in der Universitätskirche zu Leipzig, 14. Mai 1889. Leipzig, Verlag Hinrichs, 1889.

Das Ehrendenkmal unseres Gottes in der 800jährigen Geschichte des Hauses Wettin: Predigt über Psalm 90 zur Wettinfeier am 16. Juni 1889 gehalten. 1889.

Erinnerung an Gustav Baur. Die christliche Welt, 1890.

Franz Delitzsch. Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, Nr. 34, 1890.

Bibel, Katechismus, Gesangbuch. Leipziger Tageblatt, 1892.

Sommertage im heiligen Lande, in Egypten und Griechenland, Reisebriefe. Leipzig, Verlag Schmidt & Günther, 1894. 150 Seiten.

Ansprache beim Jahresfest des Bethlehemstifts im Hüttengrund, 14. Juni 1896. Kirchliche Nachrichten, Beilage des Hohensteiner Tageblattes, 1896.

Jesus und die gesellschaftlichen Gegensätze seiner Zeit. Vortag auf der Leipziger Postoralconferenz. Allgemeine evangelisch-lutherische Tageszeitung, 1896.

Das Kreuz im Orient. 1) Die Liebesarbeit der deutschen evangelischen Christenheit im heiligen Lande. 2) Die armenische Noth. Leipzig, Verlag Dörffling,  Bausteine, 1896.

Bericht über die 51. Hauptversammlung des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung, abgehalten in Ulm vom 13-15. September 1898. 1898, Leipzig, Verlag Richter.

Konfessionalität und Nationalität in ihrem gegenseitigen Verhältnisse: ein Vortrag gehalten auf der Meißner Kirchen- und Pastoralkonferenz. Leipzig. Verlag Richter, 1899. 31 Seiten.

Zum 25jährigen Bestehen der Peterskirchgemeinde in Leipzig am 1. Osterfeiertag 1901. Leipzig, 1901. 15 Seiten.

Stark in dem Herrn, so bleiben wir rechte Vertreter unserer Kirche. Predigt beim Gottesdienste zum Schlusse der 8. evangel.-lutherischen Landesynode des Königreichs Sachsen in der evangelischen Hofkirche zu Dresden am 30. Oktober 1906 gehalten. Dresden, Verlag v. Zahn und Jaensch, 1906. 12 Seiten.

Zur Erinnerung an D. Gustav Adolf Fricke: Reden bei der Trauerfeier. Leipzig, Verlag Hinrichs, 1908. 18 Seiten.

Konfession und Schule. Leipzig, Verlag Hinrichs, 1910. 23 Seiten.

Rezension: Fricke, Gustav Adolf, Lazarettpredigten im Oktober und November 1870 in der Turnhalle und in der Pleißenburg zu Leipzig. In: Theologisches Literaturblatt. 36, 1915. 1 Seite.

Rezension: Rendtorff, Franz, Schweden und die schwedische Kirche zur Kriegszeit.  In: Theologisches Literaturblatt. 36, 1915. 1 Seite.

Rezension: Die evangelischen Gemeinden in den Kriegsgebieten. In: Theologisches Literaturblatt. 37, 1916. 1 Seite.

Caspar René Gregory. in: Das Jahr des Herrn: Kalender für die evangelischen Gemeinden Leipzigs 5. Jg. Leipzig, Verlag Jachner & Fischer, 1929. 3 Seiten.

D. th. et Dr. ph. Bruno Hartung, Superintendent zu St. Petri.

aus:
Leipziger Geistlichen-Serie.
Verlag: L. Pernitzsch, Kunsthandlung, Leipzig, 1908.

Geheimrat Hartung

aus:
Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Neuen Peterskirche zu Leipzig. Leipzig, 1935.