Pfarrer i.R. Thilo Schuch – Nikolai †

Pfarrer Thilo Schuch ist wider Erwarten schnell aus dem Leben abgerufen worden, nach nur kurzer Krankheit hat er einen friedlichen Heimgang gefunden. 

Schuch wurde am 12. September 1858 in Görlitz geboren, wo sein Vater Bahnhofsvorstand war. Er besuchte zuerst die Schule in Frankfurt a. O. Später, nachdem sein Vater nach Münster versetzt worden war, kam er auf das Gymnasium nach Cassel, wo gleichzeitig mit ihm in der Parallelklasse der nachmalige Kaiser Wilhelm II. war. Er studierte dann von Ostern 1877 bis Michaelis 1880 Theologie in Leipzig und wurde Mitglied der Lausitzer Predigergesellschaft. Unter seine Professoren schloß er sich besonders an Professor Fricke an, dem er auch über das Grab hinaus die Treue gehalten hat und dessen Biograph er geworden ist.

Er wurde 1882 [korr.: 1880] Hilfsgeistlicher an der Peterskirche in Leipzig. Nach seiner Ordination am 27. November 1882 [korr.: 1880] 2. Diakonus daselbst. Am 2. Dezember kam er an die Nicolaikirche, woselbst er bis zu seinem Tode gewirkt hat. Am 15. October 1885 vermählte er sich mit Agnes Richter, Tochter des Pfarrers Curt Richter in Ebersbach bei Görlitz. Dieser Ehe sind 5 Söhne und 2 Töchter entsprossen.

Schuch arbeitete seine Predigten sorgsam aus und schrieb sie stenographisch nieder. In seinem Nachlaß finden sich Stöße dieser Predigtkonzepte. Er hat manches drucken lassen, unter anderem einen Band Predigten und eine große Anzahl Reden und Artikel, letztere in „Gesetz und Zeugnis“.

Er war ein Mann des Friedens, gern entgegenkommend und alles zum besten kehrend.

Sein liebenswürdiges, mit natürlichem Humor verbundenes Wesen verschaffte ihm viele Freunde. Als Kollege war er immer hilfsbereit und voll herzlicher Teilnahme für seine Amtsbrüder, dies bezeugt ihm der Unterzeichnete nach langen Jahren des Zusammenarbeitens mit herzlichem Dank. Als Seelsorger war er zuverlässig und gewissenhaft und das Gebiet seiner Seelsorge ging weit über die Grenzen der Nicolaigemeinde hinaus. Überhaupt war die Seelsorge seine Stärke. Neuerungen hat er in der Nicolaigemeinde nicht eingeführt, aber er hat die alten Mittel des Wortes und der herzlichen Teilnahme immer wieder angewendet und dadurch die Seelen gewonnen. Ganz besonders zeigte er dies im Konfirmandenunterricht. Er hatte jedes Jahr eine große Anzahl von Konfirmanden, mit denen er auch in innigem Zusammenhange blieb. Wie viele seiner Konfirmanden hat er später getraut, in Trauerfällen getröstet und begraben und zwar immer auf ihren oder ihrer Angehörigen besonderen Wunsch.

1924 am Himmelfahrtstage hielt er seine Abschiedspredigt, nachdem er in den Ruhestand getreten war. Er hielt sie über Lukas 24, 50 bis 53, die Abschiedsstunde auf dem Ölberge. – Er blieb im Pfarrhaus wohnen und übernahme die Vertretung seines schwer erkrankten und ihm im Frühjahr voraus heimgegangenen Kollegen Pfarrer Elsasser. In vorbildlicher Treue hat er dies Amt verwaltet bis zu seinem Tode. 14 Tage vor seinem Tode hielt er noch eine größere Beerdigung.

Der Ruhestand hatte ihm noch keine Ruhe gebracht, nun aber ruht der treue und fleißige Mann im Frieden seines Herrn und Heilandes.

Planitz.